Rennbericht: Ironman Portugal

Ironman Portugal – Ein Rennen wie wir es uns ausgemalt haben!

Erst im Sommer zeichnete sich so langsam ab, dass nach der Coronaflaute auch wieder größere Veranstaltungen stattfinden können. Somit bauten wir unseren Trainingsplan mit zwei Vorbereitungswettkämpfen in Lauingen (OD) und Ingolstadt (MD) so auf, um in Portugal für die Langdistanz in Topform zu sein. Der Einstieg ins Renngeschehen nach 2 Jahren ohne Wettkämpfe verlief mit dem bayerischen Meister- bzw. Vizemeistertitel auf der olympischen Distanz und der bayerischen Vizemeisterschaft auf der Mitteldistanz für Nico beim Triathlon IN durchaus positiv. Ziemlich ärgerlich für Andi waren aber dann die muskulären Oberschenkelprobleme, die sich 4 Wochen vor dem Saisonhöhepunkt bemerkbar machten und ihn zum aussetzten des Lauftrainings zwangen.

Nichts desto trotz kamen wir optimistisch und mit richtig viel Vorfreude in Cascais, einer Vorstadt von Lissabon, an. Gutes Wetter, eine tolle Wohnung und beste Stimmung in unserer Reisegruppe um Lea, Tanja und Baby Toni. Auch unsere Eltern kamen ein paar Tage später noch nach. Wir ließen die letzten Tage vor dem Rennen entspannt angehen – Streckencheck mit dem Bike, Einschwimmen im 17 Grad kühlen Atlantik und natürlich immer guter Kaffee mit viel Kuchen, damit die Kohlenhydratspeicher auch sicher voll sind.

Ab Freitag zum Bike-Check-In fing es dann langsam an zu kribbeln. Samstag 4:00 Uhr morgens: der Wecker klingelt, Frühstück, Kaffee und dann nochmal kurz in die Wechselzone die letzten Vorbereitungen am Rad zu treffen. Start und Ziel Bereich war der Stadtstrand im Herzen von Cascais. Die Atmosphäre ist wieder einmal einzigartig – es wird langsam hell und der Himmel über dem Meer färbt sich orange, die Athleten sind konzentriert und angespannt, die Supporter und Zuschauer noch etwas verschlafen, aber auch aufgeregt. Ein langer Tag liegt vor uns – die letzten Handshakes und Küsschen mit der Family, dann geht’s in den Startbereich.

Die portugiesische Nationalhymne erklingt und um 7:50 ertönt durch die traditionelle Schiffsglocke das Startsignal. Wir gehen beim Rollingstart mit der 12. Welle ins Wasser. Der Plan ist, dass Andi an Nico im Wasserschatten dranbleibt um gemeinsam aus dem Wasser zu kommen. Das klappt bis ca. 1,5 Km ganz gut und wir konnten uns sukzessive nach vorne arbeiten. Doch dann verlieren wir uns im Getümmel einer Gruppe. Nico kann die 2. Führungsgruppe halten und steigt nach 54 Minuten aus dem Wasser. Andi muss die Gruppe ziehen lassen, wechselt mit einem Rückstand von 1:30 Minuten

auf Nico zum Radfahren. Alles noch nach Plan – Nico soll etwas lockerer anfahren, Andi muss anfangs mehr draufdrücken und dann sollten wir zueinander aufschließen. So klappte es dann auch. Nach 15 Km waren wir zusammen und konnten bereits im ersten bergigen Teil der Strecke einige Plätze nach vorne gutmachen. Die Strecke führte in zwei Runden von Cascais über einem 500hm-Anstieg und einer Runde um den Formel-1 Kurs von Estirol, runter an die Küstenstraße, die nach Lissabon und zurück verlief. Unsere Supporter konnten uns immer wieder die Platzierung und Abstände zur Spitze durchgeben. Somit wussten wir nach 60-Radkilometern, dass wir auf Platz 5 und 6 nach vorne gefahren sind. Wir hielten uns an eine eher konservative Pacingstrategie auf dem Rad und wollten somit die gute Laufform ausspielen. Der Abstand zur Spitze wurde in der zweiten Runde etwas größer und betrug dann beim Wechsel zum Laufen ca. 11 Minuten. Auch dabei ließen wir uns nicht nervös machen. Wir wussten, bei diesem Abstand ist im Marathon noch alles drin.

Optimistisch liefen wir in unserer angepeilten Pace von 4:00 Min/Km los und hatten beide gute Beine nach dem Radfahren. Bei Andi lösten sich die Sorgen über mögliche Probleme beim Laufen schnell auf – keine Schmerzen waren zu spüren. Die erste Hälfte verlief recht unspektakulär und konstant gut. Mit einer Halbmarathonzeit von 1:25h konnten wir uns weitere zwei Plätze vorarbeiten. Jetzt schwanden bei uns langsam die Kräfte. Abwechselnd lief mal Nico schneller, mal war Andi wieder ein paar Meter voraus – wir waren beide gezeichnet von Hoch- und Tiefphasen. Zu Beginn der letzten Runde sammelten wir den 2.Plazierten ein, was uns natürlich nochmal einen Aufschwung gab. Wir bekamen die Info, dass wir noch immer schneller als der Erste laufen und der Abstand womöglich bis ins Ziel aufholbar ist. Aber auch ein schnellerer Läufer kann uns von hinten noch näherkommen. Jeder

von uns kämpfte mit seinem Körper und Geist, aber wir motivierten uns beide immer wieder durchzuhalten. Bei Kilometer 35 bis 38 war der letzte Anstieg mit Rückenwind und in der prallen Nachmittagssonne. Die Luft stand gefühlt. Andi war zu diesem Zeitpunkt einen Schritt schneller, weil sich Nico an den Verpflegungsstellen jetzt immer wieder gehend versorgte. Die Belohnung das Rennen mit einem Doppelpodium zu beenden pushte uns weiter. Die letzten zwei Kilometer bis ins Ziel musste Nico Gehpausen einlegen und er begann zu schwanken. Der Kreislauf spielte unter diesen Umständen einfach nicht mehr mit. Eine deutsche Zuschauerin kümmerte sich um Nico nachdem er signalisierte, dass Nichts mehr geht und er bewusstlos wurde. Von all dem bekam unser Team nichts mit. Sie warteten bereits beim Zieleinlauf. Andi blickte nochmal nach hinten, ob Nico vielleicht noch kurz hinter ihm ist und wir uns dann gemeinsam an der Finishline feiern könnten. Doch leider war er nicht mehr zu sehen. Für Andi war ́s dann nach 8:57h geschafft und er ließ sich als Zweiter bei gigantischer Stimmung im Zieleinlauf feiern. Der Moderator kündigt Nico an, doch er kommt nicht.

Nachdem lange 10 Minuten vergangen sind war klar, dass irgendwas nicht stimmt. Derweil wurde Nico ins Notfallzelt im Zielbereich gebracht und wieder aufgeppelt. Nach 2h Ungewissheit, Suchen, Telefonieren und Warten bekam unsere Family dann die Nachricht, dass es ihm gut geht und er abgeholt werden kann. Wir waren alle erleichtert. Mit einem Grinsen und eingewickelt in eine Wärmedecke empfingen wir ihn. Am Abend beim Essen kamen bei Nico nach und nach die Erinnerungen zurück und wir realisierten erst, was für ein geiles Rennen wir abgeliefert haben.

Auch wenn bei Nico die letzten Meter bis zum Ziel fehlten, war es für uns beide trotzdem unser bestes Rennen – (fast) so wie wir uns es vorgestellt haben!

Die sportliche Leistung und der Erfolg ist das eine. Was aber wirklich am Ende des Tages zählt ist, dass man gesund und glücklich ist! Und deshalb genossen wir noch eine Woche Urlaub mit viel Sonne, Strand und gutem Essen.

Der nächste große Trip steht auch bald an, im Oktober 2022 geht ́s dann für Andi zur WM auf Hawaii. Tchau Portugal, aloha Hawaii!
Nico & Andi