Ötztaler Radmarathon, So-29 AUG 2021

HART, HÄRTER, ÖTZTALER !

Sölden (Tirol, Österreich) / am 31 AUG, update 03 SEP, von Brunni //
3 Starter vom Radsport Team Gaimersheim (RTG) beenden den Ötztaler Radmarathon erfolgreich ! Der “Ötzi” mit Start und Ziel im Tiroler Wintersportort Sölden gilt als “der” Radmarathon schlechthin in der Radsportszene. Der heurige Ötzi ist ein ganz Besonderer: nach der Absage 2020 aufgrund Corona freuen sich alle auf die Jubiläumsausgabe Nummer 40 :-), aber die ist länger und härter, zudem ist die Wettervorhersage für den Sonntag sehr, sehr schlecht … on top: Der Start wird auf 06:30h vorgezogen.

Die Strecke

Aber der Reihe nach: Aufgrund eines Felsturzes am Kühtai vor Wochenfrist ist eine Streckenänderung notwendig: nach Ötz geht’s dieses Jahr weiter talauswärts bis Haiming, wo der steile Haminger Berg (Sattele) zu bezwingen ist: 10km mit 10% Steigung im Schnitt. Radprofi Emanuel Buchmann, Team BORA-hansgrohe hatte hier letztes Jahr den Everesting Rekord (8848m Höhenmeter am Stück) aufgestellt (vorübergehend). Nach einer kurzen Abfahrt kommt man in Ochsengarten auf die normale Strecke Richtung Kühtai. Dies bedeutet: plus 10km und plus 300 Höhenmeter. Damit kommen wir dann tatsächlich auf die offizielle Veranstalterangabe 238km / 5500 Höhenmeter. Nach dem Kühtai (2020m) entspricht die Strecke mit Brenner (1377m) in Tirol, sowie Jaufenpass (passo Giovo, 2090m) und Timmelsjoch (passo Rombo, 2509m) in Südtirol dem Original.  Eines ist wie immer: Der letzte Berg, das Timmelsjoch wird von vielen gefürchtet (29km bergauf mit 1800 Höhenmeter) …


Das Wetter

Bereits seit Wochenanfang wird für Samstag und Sonntag im Alpenraum sehr schlechtes Wetter vorausgesagt: sehr kalte Temperaturen, dazu Regen und möglicherweise Schneefall in hohen Lagen (es geht 3x über 2000m, der Start liegt auf 1377m Seehöhe). Grundsätzlich ist kaltes Wetter in Sölden ja erwünscht, aber im Winter, nicht im Sommer Ende August. Diese Umstände veranlassen wohl viele gemeldete Starter nicht nach Sölden zu reisen. Die letzte Wetterinfo vom Veranstalter bei der offiziellen Fahrerbesprechung Samstag abend sagt: 4 Grad am Start und auf den Pässen, aber relativ gute Temperaturen in Südtirol, es sollte über weite Strecken trocken bleiben, aber Regen ist Sonntag nachmittag möglich. Zur Sicherheit werden aber Schneepflüge vorbereitet.


Das Rennen

Das schlechte Wetter ist auch für uns das große Thema: “Soll ich fahren ?” / “Was ist, wenn ich aussteige ?” / “Was soll ich anziehen ?” Es werden Erinnerungen an die Regenschlachten 2013 und 2018 wach (RTG war dabei). Am Ende muss und kann diese Entscheidung nur jeder für sich selbst treffen. Wir alle wollen wieder gesund und heil in Sölden bzw. in Gaimersheim ankommen. So starten 3 von uns: Stefan, Helmut, Brunni. In Summe machen sich rund 2800 Rennfahrer (von ca. 4000 Gemeldeten) um 06:30h in Sölden bei frischen 5 Grad auf den Weg. Aber gottlob sind die Strassen nur teilweise nass, der Regen der Nacht hat aufgehört. Die umliegenden Berggipfel sind weiß angezuckert. Im Verlauf des Rennnes ist es tatsächlich sehr kalt (“… zu kalt für die Jahreszeit …”), aber es ist trocken, in Südtirol hab ich tatsächlich mal 16 Grad auf meinem SRM. Aber in den Abfahrten vom Kühtai und Timmelsjoch ist es schon zapfig. Nix für “normale” Rennradbekleidung.
Nach 238km können wir viele Geschichten erzählen, jeder von uns muss hart kämpfen. Das Timmelsjoch stellt wieder einmal die größte Hürde dar. Helmut und Stefan erwischt hier leider wie befürchtet der Regen, dazu auch noch Nebel. Aufgrund unserer Winterkleidung mit Jacken und Westen ist diesmal leider unser schönes RTG-Trikot fast nicht zu sehen. Unsere Sponsoren mögen es uns nachsehen. Am Ende sind wir sehr froh diesen super-schweren Ötztaler zu beenden. Der wird wohl als ein ganz spezieller in die Geschichte eingehen. Das Finishen ist hier ein Riesenerfolg und wird mit dem Erhalt eines “echten” Finisher-Trikots ausgezeichnet. 2021 gibt’s zudem nach Abgabe des datasport Zeitnahme-Chips eine Kappe (wie beim Maratona dles Dolomites), Aufschrift: “HART, HÄRTER, ÖTZTALER“. Damit ist alles gesagt.

Ergebnisse im Überblick

Name Team Zeit Platz Klasse Platz Gesamt
    hh:min    
Brunnegger Thomas RTG 09:23 130 296
Gabler Thomas RTG DNS*    
Kopold Thomas RTG DNS*    
Meyer Markus
RTG DNS*    
Reuthlinger Stefan RTG 12:12 460 1611
Schneider Helmut RTG 12:30 514 1777
Schreiner Markus RTG DNS*    
Rottluff Dirk VFB Kipfenberg 10:15 300 614

*DNS … nicht gestartet


Herzliche Gratulation an Dirk Rottluf von unseren Freunden aus Kipfenberg !

Die Sieger

Es gewinnt der holländische ex-Profi und Wahl-Kärtner Johnny Hoogerland in 7h21min (bekannt durch seinen schrecklichen Sturz bei der Tour de France 2011, wo er in einem Stacheldraht landete) vor ex-Profi Hans-Jörg Leopold (AUT) und dem Italiener Mattia De Marchi (war über weite Strecke solo an der Spitze). Der Titelverteidiger Matthias Nothegger (AUT) steigt am Brenner aus. Bei den Frauen gewinnt zum zweiten Mal in Folge Christine Rausch (GER) in 8h15min vor Veronika Weiss (GER) und Bianca Sommavilla (AUT). Platz 5 Gesamt und Klassenrang 3 für Monika Dietl aus Freising.
Herzliche Gratulation an alle Finisher und alle Gewinner !

Links

Veranstalter: Ötztal Tourismus
https://www.oetztaler-radmarathon.com/de

Ergebnisse: datasport
https://services.datasport.com/2021/velo/oetztaler/

https://www.datasport.com/live/search/?racenr=23423

Live Stream: k19.tv

https://www.oetztaler-radmarathon.com/de/home/medien/livestream.html


Conclusion

Der Ötztaler wird seinem Ruf als “Inoffizielle Weltmeisterschaft der Radmarathons” gerecht. Praktisch alles ist herausragend: Länge und Schwierigkeit der Strecke, die perfekte Organisation (mit umfassendem und perfekten Corona-Hygienekonzept),  die Qualität des Starterfeldes und die extremen Wetterbedingungen und dazu gibt’s erstmals eine Live-Übertragung im internet über 15h mit K19.tv von Martin Böckle. Das “Nie mehr …” vom Timmelsjoch ist heute, 2 Tage danach schon ein “naja, vielleicht nächstes Jahr wieder…”. Und wenn im Winter dann die Qualen und Anstrengungen vergessen sind, melden sich wieder Alle für den nächsten Ötzi an und hoffen auf das Losglück (und natürlich auf Sommerwetter Ende August).
Wir wünschen Allen eine Gute und rasche Regeneration und freuen uns auf weitere schöne Radsport-Events mit RTG in 2021. Der King of the Lake – KOTL am Attersee in Österreich findet am Samstag, den 18. September statt.

servus
RTG // Radsport Gaimersheim
RTG@gmx.tm


PS: Ich war im Ziel auf die Sekunde gleich schnell wie mein Freund Markus Wacker aus Tirol vom Team Blacksheep aus St. Anton/Arlberg (früher Team Mooser-Wirt mit Andy Traxl).