Mainova Ironman Frankfurt, European Championship

Rennbericht von Olaf Borsutzky

 

Bereits 2018 habe ich den Entschluss gefasst, im ersten Jahr in der neuen Altersklasse (AK45) mal wieder auf die Triathlon Langdistanz zu gehen und mich schließlich Mitte 2019 für den Mainova Ironman Frankfurt 2020 mit Langdistanz-Europameisterschaft angemeldet. Mein strukturiertes Training mit dem Ziel, am Wettkampftag in Bestform am Start zu stehen und um einen der begehrten Startplätze für die WM auf Hawaii zu kämpfen, startete im Oktober 2019. Im März 2020 begannen dann Monate der Ungewissheit, und nach mehreren Absagen und Verschiebungen war ich unbeschreiblich glücklich und höchstmotiviert, als es schließlich am 15.08.2021 hieß: Start frei in Frankfurt!

Bereits am Vortag mussten Laufzeug und das Bike in der ersten Wechselzone am Langener Waldsee eingecheckt werden. Die Atmosphäre im Wettkampfareal war eine Mischung aus Vorfreude, gesunder Nervosität und großem Respekt vor den 3,8km Schwimmen, 184km Radfahren und dem abschließenden Lauf über die 42,2km-Marathondistanz bei vorhergesagten Nachmittagstemperaturen von 30°C.

 

Die Nacht war kurz, und nach einem kleinen Frühstück sollte es gleich mit dem Shuttlebus vom Hotel zum See gehen. Verkehrschaos, ungeplanter Fußmarsch und Massen vor den Dixiklos ließen meinen Puls zum ersten Mal an diesem Tag massiv steigen, aber dafür war ich jetzt wach. Die letzte Stunde vor dem Start verging wie im Flug, und der erste Blick auf den dampfenden Langener Waldsee im Sonnenaufgang war einfach unbeschreiblich! Der Start für die 1.500 Agegrouper, die „Nicht-Profis“, ab 6:40h erfolgte als Rolling-Start, bei dem sich die Athleten nach ihrer erwarteten Schwimmzeit im Vorstartbereich in drei Reihen aufstellen und nach dem Startschuss alle 2 Sekunden drei Athleten ins Wasser laufen dürfen. Erst dann beginnt die individuelle Zeitmessung. Ich ging als etwa Einhundertster ins Wasser und befand mich in einem dichten, aber homogenen und gleichmäßig schnellen Feld. Das oft gefürchtete Geprügel auf dem Weg zur ersten Wendeboje blieb weitgehend aus. Der Schwimmkurs war durch einen Landgang, viele Richtungswechsel und Passagen gegen die aufgehende Sonne und damit vollkommen ohne Sicht sehr kurzweilig, und nach 0:59h stieg ich exakt in meiner erwarteten Schwimmzeit aus dem Wasser. Elftbeste Schwimmzeit in meiner Altersklasse.

Die Wechselzone ist nicht nur wegen der Teilnehmerzahl groß, trotzdem klappte mein Wechsel aufs Rad problemlos und zügig. Die Radstrecke war sehr selektiv, und bis auf die ersten 15km vom See in die City von Frankfurt ging es selten einfach mal flach dahin. Das ständige Auf und Ab führt auf einer knapp 90km langen Schleife in das Hinterland nordöstlich von Frankfurt, bevor es dann mit Blick auf die Skyline von Mainhatten rasant wieder in die City geht. Das Wetter war perfekt, auch wenn es gegen Ende der zweiten Runde schon gut heiß war. Viel Kühlen hilft viel! Mein Radsplit dauerte 5:04h und war somit sogar knapp besser als der angepeilte 36er Schnitt. Elftbeste Radzeit in meiner Altersklasse.

Die Marathonstrecke bestand schließlich aus vier Runden entlang des Mains und über einige Brücken darüber. Ein flacher, schneller Kurs mit nur wenigen Kehren, allerdings auch auf Asphalt und mit wenig Schatten, was dem Marathon angesichts der Temperaturen noch etwas zusätzliche Würze verlieh. Ich pendelte mich nach einem zügigen Wechsel in die Laufschuhe zuerst bei einer Pace von 4:40min/km an, was sich auf den ersten 20km auch sehr gut angefühlte. Ich merkte aber, dass meine Körpertemperatur anstieg, und so nahm ich mir die Zeit, mich an jeder Verpflegungsstelle ausgiebig unter den installierten Brausen zu kühlen. Alles läuft gut, jetzt nur kein Risiko eingehen! Das tiefe Tal, der dunkle Ort, Krämpfe, Schmerzen, der Wunsch aufzuhören: All dies blieb aus und ich lief nach meinem Laufsplit von 3:28h überglücklich auf dem Römer über die Finishline. Elftbeste Laufzeit in meiner Altersklasse.

Insgesamt habe ich exakt 9:39:34h gebraucht, und welch Überraschung: Platz 11 in meiner Altersklasse. In meiner Altersklasse gab es für die ersten 13 der 159 Starter einen der begehrten „Slots“ für die Weltmeisterschaft auf Hawaii. Für die Statistik: Platz 6 in meiner AK war gerade knapp 3 Minuten schneller als ich, Platz 14 und somit der erste Nicht-Qualifikant hat nicht einmal 2 Minuten länger gebraucht als ich. Die Leistungsdichte unter den Hawaii-Anwärtern ist also auch im Amateurbereich extrem hoch, und auch bei einem so langen Wettkampf kann ein kleiner Fehler über Quali oder Nicht-Quali entscheiden. Meine Zeit war die 105.-schnellste aller 1.500 Teilnehmer. Ich habe den Slot angenommen und freue mich auf meine nächste Langdistanz am 05.02.2022 in Kona.

 

Olaf Borsutzky