Alleine gegen die Uhr – Resi’s Marathon

Wenn alles anders kommt, als man denkt.

Nach allen abgesagten Wettkämpfen dieses Jahr war ich etwas demotiviert. Wer nicht? Also suchte ich mir ein neues Ziel, damit ich wieder Trainingsmotivation bekomme. Dabei wollte ich etwas Neues ausprobieren und entschied mich relativ schnell dazu, einen Marathon zu laufen. Etliche Wochen Vorbereitung lagen nun hinter mir und die Woche meines „Race“ war gekommen. Die Woche vor dem Marathon war ich zwei kleine Runde laufen, habe nur eine Yoga Session gemacht. Erholung war angesagt. Am Freitag vor dem Lauf sprach ich noch mit meinem Trainer verschieden Fahrpläne durch, die ich alle für sehr sportlich hielt. Ich war stolz, dass jemand, der mich über eine lange Zeit begleitete, diese Zielzeiten für mich als möglich erachtete. Dieses Gespräch gab mir nochmal zusätzliche Motivation und Vertrauen. Am Abend vor dem großen Tag gab es natürlich eine große Portion Pasta, um die Energiespeicher zu füllen. Selten hat Spaghetti Bolognese so lecker geschmeckt. Ich war bereit und es konnte losgehen. Das es doch anders kommt, als geplant hätte ich zu dem Zeitpunkt nicht gedacht. Sonntag, der Wecker klingelte um 07:00h. 4 Stunden vor dem Start. Ich war nervös und aufgeregt, gepaart mit einem gesunden Maß an Respekt. Da mein Freund im Schwimmtraining war und ich allein zu Haus, genoss ich die Stille. Zeit zum Durchatmen. Um 10:00h kam meine Familie und wirbelte durch meine Wohnung, sodass ich gar nicht wusste was ich jetzt als erstes machen sollte. Also hieß es einfach die Sachen packen, ab ins Auto und los zum Startpunkt. Ich wählte im Vorfeld meine Strecke mit drei 14km Runden. Eine Runde waren zwei 7km Routen, sodass ich insgesamt sechs Mal am Startpunkt (B) vorbeikam. 
Start 11:00h, Runde 1-2 (14km): Das ganze Rennen über wurde ich von meinem Freund, Holger, mit dem Fahrrad begleitet. Er steuerte nicht nur während dem Lauf meine Verpflegung, sondern hat sich bereits in der Vorbereitung als optimaler Koordinator bewiesen. Für die ersten Runden war noch Lucie mit am Start. Eine Freundin die ich schon lange kenne. Als Ihre Nachricht kam „ich bin dabei, ich laufe die ersten Runden mit“, habe ich mich riesig gefreut. Es fühlte sich an wie ein lockerer Dauerlauf. Ein gutes Zeichen. Ich habe versucht auf mein Gefühl zu achten und weniger auf die Uhr. Nach den ersten 10km wollte mich Holger ein wenig bremsen, da wir schon drei Minuten Puffer rausgelaufen sind. Zu dem Zeitpunkt spielte ich das erste Mal mit dem Gedanken meine bisherige persönliche Bestleistung des Halbmarathon anzugreifen. Es lief einfach und das motivierte mich zusätzlich. Als wir auf dem Donaudamm waren, fragte ich Lucie kurz ob Sie Bock hätte den eine Halbmarathon mit zu laufen. Sie verabschiedete sich aber nach der zweiten Runde (14km) und ich lief vorbei an meinem Freunden und Familie weiter in die nächste Runde.

Runde 3-4 (28km) In dieser Runde schwang sich meine Freundin Lissy auf Rad und fuhr mit. Ich war richtig happy ihr sagen zu können, dass ich heute richtig gut drauf bin und der Lauf sehr viel Spaß macht. Viel reden wollte ich aber nicht um mir die Kraft besser einzuteilen. Wir liefen um den Auwaldsee herum, zurück durch das Monikaviertel. Bei 18km wusste ich, dass ich heute meine Bestleistung im Halbmarathon verbessern kann und hab dadurch einen geballten Motivationsschub bekommen. „Einfach in diesem Tempo weiter“ dachte ich mir. Kurz vor den Bahngleisen hörte ich schon die Zuschauer am Rand und bekam ein dickes Grinsen im Gesicht. Es war definitiv der Höhepunkt der Strecke Alle Klatschen und feuerten mich an. Das gab mir so einen enormen Adrenalinkick, so ein großartiges Gefühl. Nur ein paar Meter weiter hatte ich dann die 21,1km mit 1:58h in den Beinen. Geschafft – neue Bestzeit. In diesem Moment hatte ich das erste Mal Tränen in den Augen. Tränen kurz weggewischt, ein Schluck Wasser und weiter ging`s. Es lagen schließlich nochmal 21,1km vor mir. Ab 25km kam dann allerdings das Loch: mein rechtes Knie fing an zu zwicken, was ich zu diesem Zeitpunkt noch versuchte zu ignorieren. Entlang am Donaudamm, hinter zum Baggersee. Es war nicht viel los. kaum Spaziergänger oder andere Läufer. Der Schmerz im Knie wurde immer schlimmer und mein Bein wollte nicht mehr auftreten. Jeder Schritt fühlt sich an, wie ein heftiger Stich. Bei 25km blieb ich das erste Mal Stehen, um mein Bein zu dehnen. „Das wird schon wieder“, „bestimmt nur falsch aufgetreten“, redete ich mir ein. Ich dachte nicht an die 17km die noch vor mir lagen, sondern freute mich über 25 geschaffte km. Ich kämpfte mich wieder zum CheckPoint zurück, um neue Motivation einzusammeln.  Runde 5-6 (42km) Zusammen mit Julia & Kathi vom Damen Triathlon Team des RTG ging es in die letzten zwei Runden. Das ich nach so kurzer Zeit im Team bereits so tatkräftige Unterstützung erhalten habe, hat mich sehr begeistert und macht große Vorfreude auf hoffentlich viele gemeinsame Einheiten und Wettkämpfe mit den Mädels des Liga Team des RTG! Zudem waren die beiden an diesem Tag ganz besondere Pacermaker für mich. Beide sind schon einen Marathon gelaufen und haben relativ schnell realisiert, dass ich ziemlich stark zu kämpfen habe. Ich musste immer wieder stehen bleiben und habe versucht durch Dehnen oder Mobilisierung den Schmerz wegzubekommen Leider ohne Erfolg. Sie erzählte mir von Ihren Erfahrungen und schafften es dadurch mich zu motivieren und mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Ihre Worte ließen meine innere Stimme „Lass es, du packst das nicht mehr“ leiser werden. Allerdings realisierte ich immer mehr, dass ich mir meine Zielzeit aus dem Kopf schlagen muss und mir eingestehen, dass es nur noch darum ging im Ziel anzukommen. Bei 32km hörte ich eine weiter Stimme von links „Na, wie ist die Lage“ – mein erster Gedanke „was für eine dumme Frage“, habe es aber versucht netter zu formulieren und nur das Wort „scheiße“ rausgebracht. Aber genau das war es auch. Natürlich hat es mich motiviert, dass mein Coach Sebastian vorbeigekommen ist, um mich zu unterstützen. Dennoch hat auch er mir die Schmerzen nicht abnehmen können. 35km – wieder bei meiner Familie aber noch 7km vor mir. 
Diese Kilometer waren wohl die längsten in meiner „Laufkarriere“! Immer wieder hielt ich an oder versuchte ohne Schmerzen zu walken. Keine Chance, der Schmerz wollte einfach nicht weniger werden – im Gegenteil, ich spürte ihn immer mehr. Vorbei an den Tennisplätzen hoch auf den Damm und dann ist es nur noch gerade aus „ins Ziel“. Das war eigentlich der einzige Antrieb, den ich dann nur noch im Kopf hatte. Kurz vor dem Ziel zeigte mir meine Uhr ein paar Meter zu wenig an und mir war es wichtig die gesamte Strecke von 42,2km zu laufen. Also lief ich noch einmal an meinen Freunden und Familie vorbei für eine kleine Schleife. Nach ca. 300m drehte ich um und lief zurück zur Brücke, wo mein Zieleinlauf auf mich wartete. Plötzlich war der Schmerz weg. Ich weiß nicht genau was in diesem Moment passiert ist, aber ich habe einfach keinen Schmerz mehr gespürt und war unbeschreiblich glücklich. Ich hatte es geschafft und fing an zu weinen. Mein absolutes Traumziel für diesen Tag war erreicht!
Jedem der mich an diesem Tag unterstützt hat, kann ich nicht oft genug Danke sagen. Ich wurde so großartig unterstützt und motiviert. Ohne Euch wäre das nicht machbar gewesen. So schnulzig es klingen mag, es ist einfach die Wahrheit! Eine Woche später schone ich meine Beine immer noch. Dieser Lauf hat mir nicht nur die schönsten Emotionen meiner Sportkarriere geschenkt, sondern auch den Muskelkater meines Lebens. Abschließend kann ich sagen: Den Schmerz zum Trotz wird es dennoch nicht der letzte Marathon bleiben. Ich bin angefixt und möchte mir auf jeden Fall beweisen, dass hier mehr drin ist. Jetzt freue ich mich auf ein Bier, oder auch gerne zwei & das ganz ohne schlechtes Gewissen zu haben.