Marmotte Granfondo Alpes, Sa-05 SEP 2020

RTG auf den Bergen der Tour de France !

Alpe d’Huez (FRA) / Gaimersheim, am 09 Sep 2020, von Brunni //
Letzte Woche hat Brunni für RTG am berühmten Radmarathon “LEPAPE MARMOTTE GRANFONDO ALPES” in den französischen Alpen (Departement Isere) erfolgreich teilgenommen. Auf 175km waren 5000 Höhenmeter und 4 Bergriesen der Tour de France zu bewältigen.


1 – Das Event

La Marmotte (deutsch “Das Murmeltier”) gilt als einer der schwersten Radmarathons im Radsport, vergleichbar mit dem Öztaler in Sölden (Tirol) und wird auf den Straßen der Tour de France der Profis ausgetragen. Standard Termin ist Anfang Juli, aufgrund der Corona Situation in 2020 wurde das Event in den September verschoben.
La Marmotte ist eine Veranstaltung der
Marmotte Granfondo Series in Frankreich, zu der weitere Rennen am Mont Ventoux, in Morzine und in den Pyrenäen zählen.
https://lepapemarmottegranfondoalpes.com
https://www.facebook.com/marmottegranfondoseries

Die Eckdaten sind:
* Start in Bourd d’Oisans, 721m
* Ziel in Alpe d‘ Huez, 1860m (Bergankunft)
* 175km / 5000 Höhenmeter


2 – Die Berge

Col du Glandon – 1924m – HC (Hors Catégorie)
Col du Telegraphe – 1570m – 1. Categorie
Col du Galibier – 2642m – HC
Col du Lautaret – 2057m  – in der Abfahrt

Alpe d‘ Huez – 1880m – HC


3 – Das Bergrennen Alpe d’Huez

Zum Aufwärmen gab es bereits am Donnerstag, den 03. September 2020 das Bergrennen “Grimpee Alpe d‘ Huez“. Nach dem Start in Bourd d’Oisans auf 721m sind auf 13.8km 1100 Höhenmeter bis zum berühmtesten Berg der Tour de France, der Alpe d’ Huez (1860m) zu überwinden.

Die 21 Kehren (“les 21 lacets de l’Alpe d’Huez”) sind feinsäuberlich durchnumeriert, am Anfang ist die 21 (Coppi, Armstrong), ganz oben ist die 1. Der Berg gilt als Olymp des Radsports, ein Sieg hier oben ist vergleichbar mit einem Sieg in Kitzbühel im Schisport oder in Monaco in der Formel 1. Seit 1952 haben sich viele Superstars in die Siegerlisten eintragen lassen: Fausto Coppi (ITA), Hennie Kuiper (NDL), Peter Winnen (NDL), Joop Zoetmelk (NDL), Beat Breu (SUI), Bernard Hinault (FRA), Lucho Herrera (COL), Federico Echave (ESP), Steven Rooks (NDL), Gert-Jan Theunisse (NDL), Andrew Hampsten (USA), Gianni Bugno (ITA), Thibault Pinot (FRA), Beppe Guerini (ITA), Roberto Conti (ITA), Lance Armstrong (USA), Carlos Sastre (ESP), Iban Mayo (ESP), Pierre Rolland (FRA), Christophe Riblon (FRA), Geraint Thomas (GBR), der Rekordhalter Marco Pantani (ITA) mit 37:35min. Ihre Namen zieren die Nummernschilder der einzelnen Kehren. Alpe d’Huez wird auch als “Berg der Holländer” bezeichnet.

Im Rennen geht’s für uns mit einem Massenstart am Fuße der Alpe los, ganz wichtig: schnell die vorgeschriebene Gesichtsmaske verstauen bevor es los geht, die ersten 600m sind flach, doch dann beginnt der Aufstieg. Ich fahre sehr bald mein Tempo, die Spitze ist nicht zu halten, die ersten 2,5km bis La Garde sind mit 12% Steigung die steilsten des Berges. Ich finde einen guten Rhythmus und versuche wenn möglich den Windschatten zu nutzen. Über Le Ribot geht’s nach Huez, durch die Kurve der Holländer. Ganz kurze flachere Abschnitte nutze ich zum Verschnaufen und so ist bald die Kehre 2 (Marco Pantani) mit dem Fotopoint von Breton erreicht. Nun gilt es nochmals alles zu geben. Bereits in der Ortschaft geht’s an der Flamme Rouge (der letzte Kilometer) vorbei, kurz danach biegen wir von der “Origínal” Tour de France Strecke rechts ab und relativ flach geht’s endlich ins Ziel am Palais de Sport. Bin im Ziel kaputt, aber zufrieden, weil so schnell war ich noch nie auf der Alm 🙂 Der neue MAISCH racesuit und und die DT-SWISS Laufräder von Radsport Heller, Kipfenberg haben sehr geholfen … Mit 54:52min bin ich im classement general (Gesamt) auf Platz 34, in der Klasse auf Platz 2, aber dafür gibt’s keine Siegerehrung :-(. Es gewinnt der Franzose Arthur Blanc mit 41:44min, schon auf Platz 3 ein guter Bekannter (24h Kelheim): Daniel Debertin aus Karlsruhe vom Team Corratec ! Und auf Platz 17 Benni Koch vom Team Strassacker. Herzliche Gratulation !

Ergebnisse
http://prod.chronorace.be/angular/results.html#/quickresults/%20118830578180718/group/23334/report/21166?ll=159957168109

 


4 – Der Granfondo La Marmotte

Start: Bourg d’Oisans
Am Samstag, 05 September 2020 erfolgt um 07:00h der Start für rund 2500 Rennfahrer (normalerweise sind es 7500) zum La Marmotte im Ortszentrum von Bourg d’Oisans. Der Großteil der Teilnehmer kommt aus Frankreich, Niederlande und Belgien. Ich nehme in Block 2 Aufstellung (ursprünglich hätte es der dritte sein sollen). Das Wetter ist top: um die 15 Grad, Sonne und es sollte später richtig warm werden. Mein Marschplan ist klar: ruhig beginnen, nicht überziehen und am Ende alles raushauen. OK, soweit der Plan. Doch direkt nach dem Startschuss geht es mit Vollgas los. Ein geiles Gefühl, das erste Mal in 2020.

Berg 1: Glandon

Die Strecke geht zunächst flach nach Allemont am wunderschönen Stausee Lac de Vernier vorbei. Doch dann geht’s richtig los: Der erste Berg des Tages, der Col du Glandon bzw. Col de la Croix de Fer beginnt richtig steil. Ich finde ein gutes Tempo, fahre meine Leistung. So geht’s km um km bergauf, bald die erste kurze Abfahrt, dannach fahren wir am Stausee Barrage de Maison vorbei. Die Aussicht auf die umliegenden Berggipfel ist traumhaft. Aufgrund der moderaten Steigung in dem Bereich kann ich das ganze ein bissal genießen. Nach 22km Kletterei gehts links ab zum Glandon (geradeaus führt die Straße zum Croix de Fer, auch ein bekannter Tour de France Berg). Direkt danach das Passschild und die Zeitmessung. Hier wird die Zeit gestoppt, da die technisch schwierige Abfahrt vom Glandon neutralisiert ist. Hier ist Zeit zum Flaschen füllen, essen und Foto machen. Berg 1 geschafft nach gut 1h45min und 36km 🙂 Das schwerste liegt noch vor mir. Die Abfahrt ist aufgrund der Neutralisation sehr entspannt. Sehr gut ist, dass zusätzlich an gefährlichen Kurven von Streckenposten mit Fahnen gewarnt wird.

Berg 2: Telegraphe

In St. Etienne de Cuines ist die Neutralisation zu Ende. Von hier könnte man auch über La Chambre direkt zum bekannten Col du Madeleine weiterfahren. Wir fahren aber das Maurienne Tal über St. Jean de Maurienne Richtung Berg 2. Gottlob hab ich eine gute Gruppe und so erreichen wir sehr bald St. Michel de Maurienne wo der Col du Telegraphe beginnt. Hab den in guter Erinnerung: nicht steil und schön zum Fahren. So ist es dann tatsächlich auch, nur der relativ starke Autoverkehr störend. Der Grund ist wohl, dass viele bei dem Traumwetter in de Berge wollen. Nach 12km fülle ich schnell die Flaschen auf um mich in die kurze Abfahrt nach Valloire zu machen.

Berg 3: Galibier
Am Ortsausgang von Valloire (2019 gewann der Kolumbianer Nairo Quintana hier die Tour Etappe im Alleingang nach dem Aufstieg über Lautaret und Galibier) beginnt nun der Scharfrichter des Tages der berühmte, berüchtigte, sogar gefürchtete Col du Galibier.

Der Galibier war 1911 der erste Alpenpass der Tour de France. Viele denkwürdige Schlachten wurden hier ausgetragen, so auch die Tour Etappe 1998 Grenoble – Les Deux-Alpes, wo der Italiener Marco Pantani (Mercatone Uno) mit einem grandiosen Solo gewann und Jan Ullrich bei Regenwetter und Kälte das Maillot Jaune (Gelbe Trikot) abgenommen hat, um es bis Paris nicht mehr abzugeben.

Bis Plan Lachat ist die Steigung moderat, aber es zieht sich, nach der Rechtskurve wird es richtig steil und über ein paar Kehren gewinne ich schnell an Höhe. Die ersten Fotografen sind auch schon fleißig im Einsatz. Top ist bei dem Marmotte, dass die km Angaben bis zum Gipfel (Sommet) regelmässig angezeigt werden: 20km, 15km, 10km und ab 5km jeder km. Von Haus aus gibt’s die weiß/gelben Meilensteine (beliebte Souveniers in den Shops) der Straße D902, der Grand Route Alpes. Die passen immer, da braucht man keine Elektronik :-). Oben raus wird es für mich immer schwerer, obwohl ich net schnell fahre, gut bin jetzt über 2000m Seehöhe. Nach 18km und 1h18min Aufstieg erreiche ich die Passhöhe in 2640m Höhe, den höchsten Punkt des Rennens (Souvenir Henri Desgrange). Die Aussicht von hier oben ist unbeschreiblich schön, heute ist es mit 26 Grad sogar richtig warm. Kurze Verpflegung und ein Erinnerungsfoto das muss sein, vielleicht dauert es wieder 12 Jahre bis da hoch komme. Hab jetzt 115km und 5h10min auf der Uhr.

Berg 3b: Lautaret
In der steilen Abfahrt vom Galibier zum Col du Lautaret ist höchste Vorsicht geboten, vorbei am Denkmal für den Tour de France Gründer Henri Desgrange. Ihm zu Ehren gibt’s bei der Tour das Souvenir Henri Desgrange für die Bergwertung am höchsten Berg, wie die Cima Coppi beim Giro d’Italia. Am Lautaret geht’s links nach Briancon, ich halte mich rechts Richtung Bourg d’Oisans. Leider bin ich auf mich alleine gestellt ;-( Weit und breit sind keine Mitstreiter zu sehen. So versuche ich mein Bestes, will aber im Gegenwind nicht unnötige Körner für den Schlussanstieg verschwenden. In der Ortschaft La Grave ist linkerhand schneebedeckte La Meije Gletscher zu sehen, rundum 4000er, ein Traum. Nur in den vielen Tunnels ist es zum Aufpassen, vom Veranstalter haben wir Front- und Rücklicht zur verpflichtenden Verwendung erhalten. Nach dem nächten Stausee Barrage du Chambon fahre ich an der Kreuzung nach Les Deux-Alpes (Pantanis Sieg 1998) gerade aus, Der Berg wäre mir jetzt lieber als wie die Alpe, weil kürzer und flacher. Nach einer guten Stunde Abfahrt erreiche ich endlich den Kreisverkehr in Bourg d’Oisans. Rechts raus, noch ein letztes Mal Verpflegen.

Berg 4 + Ziel: Alpe d’Huez
Hab jetzt 162km und 6h15min auf dem SRM, fühle mich noch recht gut. Nach einer solchen Tour würde im Training normalerweise zufrieden heimfahren. Es ist wie erwartet heiss: 33 Grad am Beginn der Steiung zur Alpe, aber den Berg kenn ich jetzt ja schon. Für die ersten sehr steilen Kehren nach La Garde brauche ich das 28er. Die weiteren flachen Kilometer gehen gut, aber leider nicht so schnell wie am Donnerstag. Ich kämpfe mich Kehre um Kehre hoch, kann einige Mitstreiter überholen, für die Fotografen schaff ich nochmal ein Lächeln.

In Kehre 6 (Gianni Bugno. ITA) erinnere ich mich an die Tour 2008, bei der ich live vor Ort war: Carlos Sastre (ESP) attackierte, obwohl sein CSC Teamkollege Franck Schleck Gelb trug. Nach seinem Sieg in Alpe d’Huez übernahm er Gelb und gewann am Ende die Tour vor Cadel Evans (AUS), Team Lotto und meinem Landsmann Bernhard Kohl, Team Gerolsteiner, der das Bergtrikot gewann (vorübergehend). Österreich war für 3 Monate plötzlich eine Radsport Nation. Das böse Erwachen kam im Oktober … Bernhard Kohl betreibt jetzt ein Fahrradgeschäft und ein erfolgreiches Radsport Team (die schwarz-roten Trikots haben wir schon oft in Rennen gesehen).

Oberhalb von Huez sind schon die Hotels der Alpe zu sehen. Die letzte Flasche reicht gerade so. Beim Einfahren in die Ortschaft ist es dann fast geschafft, den letzten relativ flachen km genieße ich richtig, nur jetzt nicht im letzen Kreisverkehr stürzen. Nach 7h26min (Gesamtfahrzeit auf dem SRM) rolle ich müde, aber glücklich ins Ziel. Der französische Sprecher verkündet meine Ankunft als Österreicher sogar auf Deutsch.
Mit der offiziellen Zeit von 7h:07min (ohne Abfahrtszeit Glandon) belege ich Platz 215 in der Gesamtwertung und Platz 55 in der Klasse M40. Als Belohnung gibt’s eine schöne Medaille und eine Urkunde als pdf mit der Auszeichnung “Brevet Or” (Gold). Finisher Trikots, wie wir das aus Österreich und Italien kennen gibt’s hier nicht, das Wissen eine Legende geschafft zu haben ist wohl Auszeichnung genug. Trikots und Souvenirs gibt’s aber im Zielbereich in großer Auswahl.
Es gewinnt der Belgier Michiel MINNAERT 5h30min (5h55min total) vor dem Italiener Fabio CINI und dem Franzosen Julien BERARD. Daniel DEBERTIN, Karlsruhe belegt den hervorragenden Platz 6 (Klasse Platz 3) und sein belgischer Corratec Teamkollege Frederic GLORIEUX belegt Platz 4.

 


5 – Links

Ergebnisse
http://prod.chronorace.be/angular/results.html#/quickresults/%201188305781807183/group/23332/report/21196

 

6 – Conclusion

Der Marmotte ist ein superschönes Event in einer traumhaft schönen Gegend im Radsport Land Frankeich. Der Mythos Tour de France gibt dem ganzen sicher eine besondere Note (siehe auch TOUR Magazin, 7/2020 und RoadBike, 08/2020). Einzig die Anreise über Österreich und die Schweiz ist lang (850km) und relativ teuer (3x Autobahnmaut).


7 – Ausblick

Der nächste La Marmotte findet am Samstag, 03 Juli 2021 statt. Leider überschneidet sich der Termin mit unserem geliebten Maratona dles Dolomites in Südtirol.


servus

RTG // Radsport Gaimersheim
RTG@gmx.tm

 

Fotos, Graphik: RTG / Veranstalter / http://www.photobreton.com / http://www.letour.fr

 

PS: Bitte um Nachsicht, dass ich die Apostroph Stricherl nicht gemacht habe 🙁