Tour de Kärnten 2019

#1 – Entkoffeiniert

von Toni

Für mich war es ja das erste Etappenrennen in meiner Radsportlaufbahn und darum war auch eine gewisse Nervosität vorhanden, besonders da im Vorfeld schon Äußerungen wie „brutal“ und „danach bist voll im A….“ gefallen sind. Da mein Zimmerkamerad auch ein Debütant war konnten wir uns da auch nicht sonderlich aufbauen, somit war die Spannung natürlich groß. Am Morgen, der Start war erst um 10:30Uhr, somit hatten wir genug Zeit für ein ruhiges Frühstück und eigentlich einen leckeren Expresso, den was passt besser zusammen als Café und Radln. Nach diesem Motto hat der Alex nämlich seine Siebträgermaschine samt Mühle eingepackt. Ich als selbsternannter Kaffeespezialist hab mich angeboten mich um den Expresso zu kümmern. Dazu haben wir uns beim obligatorischen Stopp beim Café Dinzler am Irschenberg mit Kaffee eingedeckt. Doch dann kam es leider anders, bei den Versuchen die Mühle auf den neuen Kaffee einzustellen hat diese den Geist aufgegeben und das Gelächter war natürlich groß, leider haben wir die Mühle in der Früh nicht mehr zum laufen gebracht, was das Gelächter abrupt zum verstummen brachte und mir böse Blicke einbrachte. Somit mussten wir die erste Etappe ohne Koffein angehen. Beim Start gibt es 4 Startblöcke A-D, Alex und Juergen durften dank ihrer guten Ergebnisse aus dem letzten Jahr gleich in den Block A, Günther, Stefan und ich haben uns dann im Block B eingereiht. Die erste Etappe war gleich ein richtiges Brett namens Lokal Runde mit 119km und 2280hm. Das Rennen wurde bis auf das Zeitfahren immer neutralisiert gestartet. Nach der Neutralisation ging es dann auch gleich zur Sache, da es sofort mit Vollgas bergauf ging. Hier hat sich das Feld dann schon etwas in die Länge gezogen. Das Ziel war natürlich zur Spitzengruppe aufzuschließen da nach dem Zammelsberg ein abfallendes Flachstück kommt in dem man sich wieder gute erholen könnte, ich war dann auch in einer guten Gruppe die gut bis zum nächsten Anstieg (Preckova) zusammen gearbeitet hat, Günter und Stefan waren zu diesem Zeitpunkt etwas zurück und Alex und Jürgen etwas voraus. Nach der Abfahrt ging es leicht bergan zum letzten Hindernis des Tages dem Flattnitz, auf dem Weg dorthin hab ich den Alex am Strassenrand getroffen da er leider einen Plattfuß hatte, den er aber in Formel 1 Geschwindigkeit repariert hat, die Situation war ein kleines Déjà-vu da das gleiche schon bei der Strade Bianche passiert ist…ich weise aber jegliche Schuld von mir ;-). Nach einiger Zeit kamen auch Stefan und Günther mit einer Gruppe von hinten sodass wir zu viert zum letzten Anstieg gefahren sind. Bei der Anfahrt habe ich schon gemerkt das ich am Anfang wohl etwas zu viel Gas gegeben habe, am Anfang des Anstiegs bin ich dann fast gestanden während der Rest davon zog. Auf dem Flachstück nach der Abfahrt habe ich auch noch gegen Krämpfe kämpfen müssen. Zum Glück kam nach einiger Zeit nochmal eine Gruppe von hinten mit der ich dann ins Ziel fahren konnte. Habe aber fast sieben Minuten auf meine alte Gruppe verloren, somit gleich am ersten Tag Lehrgeld gezahlt. Jürgen hat gleich mal gezeigt in welch guter Form er sich befindet, der Rest war natürlich a guad :-).
Etwas Sorgen hab ich mir dann vorm Zeitfahren am nächsten Tag gemacht ob sich die Beine bis dahin erholen.
Zurück im Appartement musste erst noch die Mühle repariert werden, dies ist dann zum Glück auch gelungen und ich durfte mich wieder um den Kaffee kümmern.
Für das leibliche Wohl wurde auch gesorgt, Alex hat sich nämlich für den ersten Abend als Koch angeboten und ein mega Risotto gezaubert das so mancher fast eingeatmet hat…
Nach dem Essen war dann nur etwas relaxen angesagt und mentale Vorbereitung auf das morgige Zeitfahren.

#2 – Einzelzeitfahren

von Jürgen

Die Strecke ist 30 km lang und hat 200Hm. Gestartet wird in Ossiach, es geht rund um den Ossiacher See mit Ziel in Feldkirchen/Kärnten. Da dieses Jahr die Österreichische Staatsmeisterschaft auf gleicher Strecke statt fand war der Kurs für den Autoverkehr rund um den Ossiacher See gesperrt. Zugleich hieß es 400 Jedermänner Vs. 100 Profis und Elitefahrer, somit konnte man sich mit der österreichischen Radsportelite und den Profis messen. Am Vorabend montierten Toni und Günter ihre Auflieger am Rad um die Aerodynamik zu verbessern. Stefan vertraute auf seine Aeromaschine, Alex und ich machten uns mit Zeitfahrrädern auf die Strecke. Gestartet wurde in umgekehrter Reihenfolge. Da wir am Vortag alle fleißig waren, konnten wir länger schlafen und starteten alle erst gegen Mittag. Toni, Stefan, Günter und Alex rollten von der Rampe und los ging es auf die Strecke.
Ich selbst konnte auf der Strecke recht schnell Geschwindigkeit aufnehmen und einige meiner Mitstreiter überholen. Die Leistung passte und ich konnte mit 46,9 km/h die 30 km fahren. Ich wolle die 47 km/h voll machen, aber die letzten Winkel der Strecke verhinderten das. Mein Rennergebnis dieser Etappe: Platz 2 gesamt und zugleich Platz 2 in der AK.
Platz 1 ging an Murashko Dmitry und Platz 3 ging an Mathias Nothegger!
Bei den Profis wäre meine Zeit nach Dmitry Platz 8 gewesen.
Auch das restliche RTG Team (Alex, Stefan, Toni und Günter) konnte sich in der Gesamtwertung nach vorne fahren.

#3 – Dach der Tour

von Günter

Zur Etappe 3. der ‘Dach der Tour’, konnten alle RTG’ler erstmals aus dem Startblock A starten. Toni hatte durch eine gute Leistung im Zeitfahren den Sprung in den Block geschafft. Bei dem starken Teilnehmerfeld aus 19 Nationen keine Selbstverständlichkeit. Umso mehr freute es uns. Auf dem Programm standen ein neutralisierter Start von Ossiach bis Feldkirchen über 11 km. Wir sortierten uns knapp hinter der Spitze des Feldes ein und wollten möglichst geschlossen den ersten Anstieg bis Preckova auf 957 m zusammen zu bewältigen. Die knapp 400 Hm wurden mit Druck gefahren, um in der anschließenden leicht ansteigenden ‘Ebene Reichenau’ den Anschluss an eine schnelle Gruppe zu finden. Jürgen war mit den Topfahrern nicht mehr in Sichtweite als wir das Ende der Ebene auf 1.055 m erreichten. Der Rest der Gang konnte gemeinsam den Anstieg auf den Hochrindl mit seinen 1.618 m angehen. Ein Pass, auf den es laut
Wettervorhersage, 6 Grad und Nebel haben sollte. Die Vorfreude hielt sich aufgrund dessen in Grenzen. Beim Aufstieg hatte Günter einen Kettenabwurf, der uns ca. 30 Sekunden gekostet hat.
Am Hochrindl angekommen wurde die Wettervorhersage bestätigt. Dazu kamen nasse Straßenverhältnisse durch den Nebel. Die Abfahrt nach Deutsch-Griffen auf 836 m auf einer engen Straße mit sporadischen Gegenverkehr entpuppte sich als nicht ungefährlich. In Sichtweite von Alex fuhren zwei Holländer direkt in die Botanik. An diesem Tag kam es zu einigen Stürzen, die wie sich im nach hinein herausstellte, alle zum Glück glimpflich ausgingen. Am Ende der Abfahrt konnten Alex, Stefan, Toni und Günter geschlossen in einer starken Gruppe die letzten 35 km bewältigen. Mit den Plätzen von Jürgen auf 24, Alex auf 62, Günter auf 74, Stefan auf 77 und Toni auf 95 waren wir alle wieder in den Top 100. Leider wurden das Stockerl von Jürgen mit Platz 4 und Günter mit Platz 5 in der jeweilige Alterklasse knapp verfehlt.

#4 – Wolf Pack

von Stefan

Nach der Halbzeit des Etappenrennens hatte sich das Team seine Position unter den Top 100 und damit den Start im ersten Block gefestigt. Eine vordere Platzierung wie Jürgen der um Platz drei in der Altersklasse kämpft war für den Rest jedoch unerreichbar. Wir beschlossen daher Günter zu unterstützen. Er war auf Platz vier und es bestand eine reale Chance ihn noch aufs Stockerl zu hieven. Die Konkurrenz war gerade am ersten Anstieg des Tages, dem “Leg-Opener” schon stärker. Aber dank Teamwork haben wir es immer wieder geschafft das Loch nach vorne wieder zu zu fahren. Als Team in einer Gruppe zu fahren war einfach fantastisch und für mich eine ganz neue Erfahrung. Wie oft hatte ich es bei den Radmarathons schon erlebt, dass die Leute die Beine hängen lassen, gerade wenn die schweren Anstiege des Tages noch vor einem liegen. Aber zu viert? Zu viert kann man die Gruppe zwingen schnell zu fahren. Ob sie wollen oder nicht. Und gerade wenn man selbst nicht auf das Ergebnis schauen muss und die Körner im Flachen investiert geht es richtig schnell vorwärts und wir konnten vor dem letzten Anstieg des Tages zur Spitze aufschließen. Dort ergab sich für uns zum ersten Mal eine Möglichkeit für eine Attacke. Im steilen ersten Teil schwächelte die Konkurrenz und Günter konnte wegfahren. Alex fuhr mit, um ihm auf den letzten flachen Kilometern Windschatten zu geben. Ich und Toni riegelten hinten ab. Wir setzen uns ans Hinterrad der Konkurrenz und sorgten dafür, dass keiner ihn ablösen konnte. Vor der Kuppe wurde dann nochmal das Tempo verschärft, nur um im Flachen und in der Abfahrt dann die Beine hängen zu lassen. So konnte Günter seinen Abstand halbieren. Wie das Wolfpack von Quick-Step: Hauptsache das Team gewinnt!
Jürgen versuchte vom Start weg der Spitzengruppe zu folgen, denn hier waren Platz 1-5 in der AK versammelt. Die Etappe wurde sehr gleichmäßig gefahren und ich konnte dieses Tempo gut mithalten. Am letzten Berg musste er die Spitze ziehen lassen, doch der Zeitverlust hielt sich in Grenzen und er konnte seinen dritten Rang in der Gesamtwertung verteidigen.

#5 – Schweinebande

von Stefan

Der vorletzte Tag. Am Ende wartet nur noch ein kurzes Bergzeitfahren. So langsam gingen uns die Möglichkeiten aus. Wir versuchten daher bereits im Flachen die Gruppe zu sprengen. Und selbst wenn man nicht wegkommt und die Konkurrenz nur die Löcher zu fahren muss. Raus mit den Körnern. Irgendwie kommt man den letzten Berg schon noch hoch. Inzwischen war natürlich offensichtlich was wir da treiben. “Ihr Schweinebande!” durften wir uns anhören. Wir nahmen es mit Humor und packten das Schwein auf die Startnummer!
Jürgen fuhr ebenfalls in der Verfolgergruppe zum Anstieg. So konnte er ein paar Körner sparen und den Zeitverlust gegen die Bergspezialisten in Grenzen halten.

#6 – Bergzeitfahren

von Stefan

Grande Finale! Viel ist es nicht mehr. Noch einmal Vollgas den ersten Hügel hoch, noch einmal im Flachen auf die Spitze aufrollen und Günter am Schlussanstieg abliefern. Und darauf hoffen, dass die Konkurrenz schwächelt. Auch was das Material angeht hieß es “all in”. Es wurden Schlauchreifen ohne Pannenschutz aufgezogen. Lieber DNF als das Gefühl nicht alles gegeben zu haben. Bis zum letzten Berg lief noch alles nach Plan. In den steilen Abschnitten hatten wir darauf gehofft, dass eine Lücke aufgeht. Doch die Schwächephase, sie kam nicht. Die Konkurrenz biss sich an Günter fest und sie fuhren gemeinsam mit Alex bis zur Bergankunft.
Für Jürgen lief der Tag vergleichsweise entspannt. Der Puffer war groß genug, dass er sich keine ernsthaften Sorgen mehr um das Podium machen musste. Er konnte mit Spitze zum Berg rollen und seinen Vorsprung verwalten.