Ronde van Vlaanderen – die Flandernrundfahrt

Erlebnisbericht Flandern 2018

Flandern - ein langjähriger Traum wird endlich wahr

Bereits seit mehreren Jahren spukte vielen von uns der Gedanke im Kopf herum, einmal an einem der Radsportmonumente teilzunehmen. Die "Hölle des Nordens" Paris - Roubaix schien uns für den Anfang etwas zu derb zu sein, deswegen entschieden sich acht Mitglieder des RTG im November 2017 an der Jedermann RTF: We ride Flanders am 31. März 2018 teilzunehmen:

Bernhard, Sascha, Brunni, Alex, Toni, Werner, Günter und Stefan sollten in Orange in Antwerpen am Start stehen. Antwerpen? Wenn schon Flandern, dann richtig! Für uns kam nur die lange, 232km Runde in Frage mit Start in Antwerpen. Außerdem begleitete uns Flokli, ein Freund von Stefan.

Leider stürzte Günter in der Vorbereitung auf die Saison, so dass Boris seinen Startplatz übernahm. Erfreulicherweise konnte der Günter bereits wieder mit lockerem Rollentraining beginnen, so dass ein Ende seiner Trainingspause in Sicht ist.

Karfreitag: Anreise & Unterkunft

Die Anreise über knapp 800km verlief reibungslos und wir waren bereits am Karfreitag-Nachmittag in Oudenaarde bei der Startnummernausgabe angekommen. Bereits hier konnte der Veranstalter mit einer TOP Organisation punkten, sodass alles sehr schnell von Statten ging und wir uns auf den Weg in unsere Unterkunft machten. Um die ganze Truppe unterzubringen, buchte Sascha ein Ferienhaus, das uns bei Ankunft wirklich durch die Größe und schicke Einrichtung begeisterte. Leider fiel unsere Idee, noch ein paar Kilometer zu rollen ins Wasser denn am Freitag Abend verdunkelte sich der Himmel und es begann wie aus Kübeln zu regnen. Mit bestem Optimismus, dass der Samstag, unser "Renn"tag mit Sicherheit trocken sei gingen wir früh ins Bett, denn schließlich sollte am Samstag früh um kurz nach 3:00 Uhr der Wecker klingeln.

Ostersamstag: die Ronde

Mittelprächtig ausgeschlafen ging es am Samstag bereits um kurz nach drei Uhr recht lebendig in unserem Haus zu. Um vier Uhr machten wir uns mit den PKWs auf den Weg nach Oudenaarde, von wo aus mehrere Shuttlebusse nach Antwerpen bringen sollten. Auch hier war alles bestens organisiert, so dass wir die knapp über einstündige Fahrt noch für ein Power-Napping nutzen konnten. In Antwerpen angekommen zeigte das Thermometer Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt an. Gott sei Dank war es nicht mehr lange bis zum Start, den wir in der dritten Reihe, direkt unter dem Startbogen, bei dem am Sonntag auch für die Profis der Startschuss fallen sollte begannen. Wie zu erwarten und bei RTFs mittlerweile üblich, wurde bereits kurz nach Beginn ein hohes Tempo angegangen. Die Ausfahrt aus einem längeren Tunnel erinnerte direkt an der Spitze schon eher ein das Niveau von Lizenzrennen, der Powermeter zeigte auf jeden Fall mittlere dreistellige Wattwerte an. Die Strecke führte die weiteren 80km Richtung Südosten bis schließlich die ersten Kopfsteinpflasterpassagen auf uns warteten. Bis dahin waren wir in der Spitzengruppe gut vertreten, leider machte sich dann neben einigen Defekten auch das hohe Tempo (zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 37 km/h) bemerkbar, so dass sich unser Teamverbund leider auflöste. Im Weiteren konnten sich Boris und Alex aus der ehemaligen Spitzengruppe lösen und erklommen die bekannte Mauer von Gerardsbergen nur noch im Gaimersheimer Duett.

Auf den folgenden Kilometern und wiederkehrenden Kopfsteinpflasterabschnitten harmonierten die beiden extrem gut und konnten die Verfolger auf Distanz halten. Kurz nach der 200km Schallmauer folgte eine steile Kopfsteinpflasterrampe nach der Anderen bis schließlich mit dem Kwaremont und dem Paterberg, der sich mit bis zu 23% den Fahrern in den Weg stellt, die letzten beiden bekannten Hellingen bewältigt werden konnten. Die letzten elf, flachen Kilometer wurden in einer Gruppe der kürzeren DIstanzen mit einem enormen Tempo absolviert, so dass die Beiden schlussendlich nach einer Fahrtzeit von 07:06 h:min mit einer Durschnittsgeschwindigkeit von knapp 33 km/h das Ziel in Oudenaarde als Erste der ehemaligen Spitzengruppe der 232km Distanz erreichten. Alle restlichen Teilnehmer der Radsport Team Gaimersheim konnten ebenfalls sturzfrei finishen und blieben von weiteren Pannen verschont. Obwohl die Strecke größtenteils hervorragend ausgeschildert war, gab es v.a. bei den Abzweigungen der unterschiedlichen Distanzen gewissen Unsicherheiten, so dass manche von uns etwas weniger, manche aber auch deutlich mehr als die angegeben 232km ableisteten.


Ostersonntag: Das Profirennen

Natürlich war für uns das Hauptziel unseres Ausflugs die Teilnahme an der Flandernrundfahrt. Das Profirennen am folgenden Tag auf der größtenteils identischen Strecke ließen wir uns aber natürlich nicht entgehen. Die Stimmung war grandios und obwohl zig tausende Radsportfans, die zum Teil unter Einfluss von Kwaremont Bier standen, gab es keinerlei unentspanntes Verhalten. Die Flandernrundfahrt gilt in Belgien als DAS Jahreshighlight, so dass Jung & Alt bis spät in die Nacht genüsslich feiern, selbst wenn sie keine aktiven Radsportler sind. Die Profis mussten sich ähnlich wie wir den Paterberg hinaufquälen, allerdings mir der geschätzt doppelten Geschwindigkeit wie wir Amateure. Das Leistungsniveau dieser Sportler war wirklich beeindruckend, v.a  der Sieger 2018, Niki Terpstra vom Team Quickstep Floors zeigte wirklich eine Gala-Solofahrt auf den letzten 30km. Wir ließen den Tag bei einem hervorragenden Abendessen in Oudenaarde ausklingen. Um alle Emotionen, sowohl vom Samstag als auch vom Sonntag zu verarbeiten, werden wir wohl noch ein paar Tage brauchen bis es mit den nächsten Rennen weitergeht. Dem Kultcharakter und Gänsehautfeeling der Flandernrundfahrt wird aber wohl keines das Wasser reichen können.

Fest steht, dass das nicht unser letzter Frühjahrsklassiker war. Mal sehen, wo es uns 2019 hinverschlägt, unsere WhatsApp Gruppe wurde bereits in ein mögliches Ziel umbenannt.

For RTG, Alex

Weitere Impressionen:

(Quelle der Fotos: Sportograf, Geith, Brunnegger, Wolf, Tratz)