Der Endgegner: Festive 500

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Erlebnisbericht Festive 500

Challenge Roubaix reifen... was läuft hier eigentlich falsch?

Die Teilnahme am Festive 500 als persönliche Herausforderung in der staden Zeit steht bei mir schon seit Längerem auf dem Zettel. "Warum?" werden sicher einige Fragen... "Im Winter fährt man doch Ski!" "Radfahren bei dem Wetter???" Um ehrlich zu sein, kann ich einige verstehen, die sich nicht vorstellen können bei Temperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt auf das Rad zu steigen. Die Fahrten auf meinem Cyclocrosser im Winter 2016/2017 haben mir aber gezeigt, dass es wirklich Spaß machen kann, im Winter (Renn bzw.) Crossrad zu fahren. Die Herausforderung "Festive 500", gefördert durch das Modelabel Rapha, sieht vor, inkl. Heilig Abend und Silvester 500km in acht Tagen zu bewältigen. Im Sommer scheint das recht gut machbar zu sein, bei Eis und Schneefall sowie niedrigen Temperaturen sieht die Situation aber ganz anders aus. Deshalb habe ich beschlossen, auf meinen Crosser Straßenreifen zu montieren um bei gutem Wetter möglichst viel Strecke gut zu machen. Da ich viel Positives darüber gelesen habe, entschied ich mich für die Roubaix Reifen in 27mm Breite von Challenge. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals so über ein Fahrradteil geflucht habe, wie über diese Reifen. Inklusive meiner Vergangenheit als Zweiradmechaniker habe ich sicher schon einige Tausend Reifen montiert, die Roubaix ließen mich aber wirklich fast aufgeben. Erst als ich die Reifen nach 48 Stunden auf einer anderen Felge, vorwärmen am Ofen und schließlich heißem Spüli-Schaumbad in einer heißen Badewanne vorkonditionierte, waren die Pneus montiert. Diese Geduldsprobe kostete sage und schreibe sieben Schläuchen, drei Reifenhebern, einer Felge und zwei Felgenbändern das Leben. Warum sich diese Reifen fast nicht montieren lassen, bleibt wohl ein Rätsel. Zu guter Letzt laufen sie nun aber rund und können die 500km abspulen. Die Frage ist nun, ob ich das kann?! Spielt das Wetter mit? Hier die Antwort:

Tag 1: Der heilige Abend

Der 24.12. war terminlich der komplizierteste Tag. Um im Plan zu bleiben, muss ich täglich 62,5km zurücklegen. Da zum Mittagessen bereits die ersten Familientermine auf sich warten ließen, entschied ich mich, um 8 Uhr morgens zu starten. Besser gesagt wäre ich gerne um 8 Uhr gestartet. Denn als ich das Rad aus seinem Ständer holte, war der Vorderreifen platt. Das wäre nun grundsätzlich kein sonderlich großes Problem, wenn es nicht der wunderbar zu montierende Challenge Reifen wäre. Da er aber bereits mehrere Stunden montiert war, ging die Montage des neuen Schlauches relativ leicht, so dass ich mit etwas Verspätung starten konnte. Bei Temperaturen um ein Grad plus, ohne Sonne und trostlosem Grau am Himmel führte mich die Runde über Egweil nach Bergen, Hütting und die klassische Schleife durch Wellheim und Dollnstein nach Eichstätt. Um nicht zu viel Zeit zu verlieren ging der Weg zurück über den Tauberfelder Grund. Am Ende der Tour standen 80,72km auf dem Tacho bei knapp 500 Höhenmetern. Ich war also satt im Soll. Außerdem zeigten sich meine neu beschafften Specialized Defroster Winterschuhe als wirklich gute Investition gegen die Kälte.

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Tag 2: Der Mann mit dem Hammer

Bereits am zweiten Tag fand sich einer unserer Festive 500 Bezwinger für eine gemeinsame Fahrt. Bei Temperaturen unter Null vergeht die Zeit in der Kälte zu Zweit wirklich wesentlich schneller. Der Sascha und ich entschieden, von Gaimersheim aus Richtung Denkendorf zu starten, um das Altmühltal dann von Kipfenberg aus Richtung Westen in Angriff zu nehmen. Die Fahrt im Tal war allerdings alles andere als angenehm... Eiskalter Wind peitschte uns ins Gesicht und zehrte an den Kräften. Den Heimweg gingen wir über Eichstätt Bahnhof, Möckenlohe und Adelschlag an. Spätestens hier kam ich an diesem Tag an mein Energieversorgungslimit. Die letzten 5km waren eine Qual, wie ich sie schon seit langem nicht mehr erleben musste. Mir ist an diesem Tag aufgrund sehr kleinen Frühstücks und intensiver Fahrt aufgrund des lang anhaltenden Gegenwindes gnadenlos der Sprit ausgegangen. Nach gefühlt 57 Spitzbuben und 239 Vanillekipferl (Danke an die liebe Schwiegermutter) war ich wieder einigermaßen ansprechbar. Nach einer aufwärmenden Dusche brauchte es aber noch eine Stunde Power-Napping auf der Couch bevor wieder wirklich etwas mit mir anzufangen war. Neben dem Hungerast machten sich am zweiten Tag auch die ersten Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich bemerkbar, die ich leider immer wieder beim Radfahren spüre. 

Am Ende der Tour kamen wir auf 84,73km und 613hm. Das Zwischenfazit belief sich auf 165,45km, ein sauberes Plus also zu den 62,5km im Schnitt pro Tag.

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Tag 3: Freilaufente

Am dritten Tag waren meine Eltern zum Mittagessen angemeldet. Durch die gut 40km, die ich im Plus war, konnte ich mir also eine etwas kürzere Runde erlauben. Gesagt, getan! Nachdem ich die Ente soweit fertig gemacht hatte, verschwand sie im Ofen und ich in der Ingolstädter Kälte. An diesem Tag war es mit bis zu minus 4 Grad wirklich kalt. Der anfängliche Nebel legt sich auf die Bremshebel und fror fest, so dass bei den Stops kleine Eisplatten auf die Straße fielen. Belohnt wurde ich dann in Bergen am Umkehrpunkt, als die Sonne herauskam. Wenn die Sonne scheint, kann es noch so kalt sein, solange sich die Speichen drehen, ist die Welt in Ordnung.

Pünktlich zum Knödeldrehen und Blaukrautkochen bin ich wieder frisch geduscht in der Küche gestanden, mit 47,43km auf der Uhr. Somit habe ich mit 212,88km die 200er Schallmauer durchbrochen. Um die Rückenschmerzen zu bekämpfen und die Ente, die natürlich hervorragend geschmeckt hat, zu verdauen ging ich am Abend noch für eine Stunde zum Krafttraining. So viel sei vorgegriffen: Für die Rückenschmerzen konnte ich nichts Besseres machen, sie waren am folgenden Tag vollständig verflogen.

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Tag 4: Flotter Vierer

Der vierte Tag sollte für mich persönlich die längste Strecke bedeuten. Vom Sascha als "Kampf dem Festtagsspeck" ausgerufene Runde schloss sich Sven unserer Ausfahrt an. Unsere Tour führte über Denkendorf und Gelbelsee am geografischen Mittelpunkt vorbei durch das Altmühltal nach Eichstätt. Hier kehrten wir kurz ein und gingen von einem Cappuccino gestärkt die zweite Hälfte des Tages an. Kurz nach Breitenfurt kam uns Franz entgegen, machte schnell entschlossen einen geschmeidigen U-Turn und schloss sich uns an. Die klassische flache Runde führte uns über Hütting nach Bergen und schließlich nach Buxheim, von wo aus jeder seinen Heimweg antrat. Zu Hause angekommen, zeigte der Tacho bei gut vier Stunden Fahrtzeit eine zurückgelegte Strecke von 111,74km an. Bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt hinsichtlich der angepeilten 500km Gesamtstrecke ein guter Schritt nach vorne. Die zurückgelegte Strecke stieg somit auf 324,62km. 

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Tag 5: Pause

Die lange Zeit in der Kälte hatte mich mittlerweile doch etwas ermüdet, außerdem war das Wetter am Donnerstag alles andere als berauschend. Ich entschied mich deshalb, einen Tag Pause einzulegen um am Freitag die Königsetappe zu Herobikes nach Roth mit ca. 140km erholt angehen zu können. Am Abend jedoch schien sich der Plan in Luft bzw. Schnee aufzulösen. Die Straßen waren weiß, eine derart lange Fahrt  auf zum Teil unbekannter Strecke schien keinen Sinn zu machen. Deshalb planten wir um und unser neues Ziel für Tag 5 hieß: Pizzaessen bei Beilngries. Ob daraus etwas wurde, lest ihr am nächsten Tag.

Tag 6: Slippery but nice

Eigentlich wollten wir an diesem Tag nach Beilngries zum Pizzaessen fahren. Ganz eigentlich wollten wir sogar nach Roth zu Herobikes fahren. Aus beiden Plänen wurde nichts. Die Straßen am Freitagmorgen waren derart glatt und vereist, dass an eine sichere Fahrt auf Straßenreifen gar nicht zu denken war. Gott sei Dank sind wir ja eine spontane Truppe, montierten die Crossreifen und trafen uns an der Staustufe in Ingolstadt. Neben den bereits bekannten Frostexperten Sascha, Tom und Franz schloss sich neben mir an diesem Tag auch Günther dem Kampf gegen die Kälte an. Der Boden war teilweise gefroren, teilweise tief und matschig, so dass die ersten 20km nach Neuburg sehr zäh verliefen. In Neuburg angekommen, galt es die nächsten Wegpunkte einzuplanen. Da der Günther mit seinem Mountainbike unterwegs war, welches er anscheinend für Ice-Speedway Rennen bereift hatte, entschied er sich auf der anderen Donauseite direkt zurückzufahren. Dass er jetzt ebenfalls einen Cyclocrosser benötigt, wurde einstimmig beschlossen. Der Rest der coolen Gang entschied sich, Richtung Eichstätt weiterzufahren um dort den besten Döner des Landkreises zu essen. Gesagt, getan, auch wenn leider nur drei der vier Musketiere in den Genuss kamen, der Vierte bereut es wohl bis zum Ende aller Tage, den Weg zum Bäcker genommen zu haben. Aber das kann man ja nachholen. Das Wetter an diesem Tag war wirklich traumhaft. Das Panorama der verschneiten Willibaldsburg in der Wintersonne MUSSTE per Foto festgehalten werden. Die Wintersonne motivierte uns, so dass wir eine Schleife nach der anderen anhängten. Wieder zu Hause angekommen, waren es an diesem Tag 103,86km bei gut vier Stunden Fahrzeit. Gefühlt war es zwar der schönste, aber auch der kälteste Tag. Das Thermometer sank auf knapp -3°C. Mit einem Gesamtstand von nun 428,28km scheint das 500km Ziel wirklich möglich zu sein. Das Wetter am Samstag war nicht sonderlich gut angesagt, eine kurze Runde sollte aber drin sein. Sascha und Franz waren zu diesem Zeitpunkt schon deutlich weiter, da sie am Donnerstag nicht so faul waren wie ich und könnten die Herausforderung kurzfristig mit zwei Fahrten zum Bäcker vollenden. Sascha entschied sich, die 500km Grenze am Sonntag bei Sonnenschein zu durchbrechen, während Franz am Samstag Vollzug vermelden wollte.

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Tag 7: Tag der Invaliden

In der Nacht auf Samstag hat es in Ingolstadt ca. 15-20cm geschneit... Wer jetzt Vorurteile hat, Männer würden sich schwer tun, Maße in diesem Format einzuschätzen hier der Beweis: Unsere Kurbeln haben am unteren Totpunkt die Schneedecke berührt, es lag also wirklich viel Schnee! Bei so viel Schnee geht der brave Bürger natürlicher seiner Pflicht nach und räumt in der Früh den Bürgersteig. Natürlich räumt man für die ü-80 Nachbarin mit, das ist ja selbstverständlich. Leider nicht selbstverständlich ist, dass man sich bei einer blöden Bewegung gnadenlos etwas im Lendenwirbelbereich einzwickt. Das Anziehen der Radlklamotten wurde zur Qual - aber egal, wen man auf zwei Beinen nicht mehr vorwärts kommt, auf zwei Rädern geht immer. So machte ich mich über verschneite Straßen auf den Weg zur Staustufe, wo Tom bereits auf mich wartete. Ihn hat eine leichte Erkältung erwischt, mein Rücken war komplett hinüber - somit entschlossen wir uns, es heute gemütlich angehen zu lassen. Anders als gemütlich war auch wirklich nicht drin. Die Reifen verschwanden komplett in der Schneedecke und die Kurbeln und Pedale setzten immer wieder auf. Nach einer knappen Stunde standen gerade mal 15km auf der Uhr. Um wenigstens noch etwas vorwärts zu kommen, beschlossen wir im bereits einsetztenden Nieselregen über Weichering auf den Nebenstraßen nach Hause zu fahren. Zum Glück hielten die Klamotten dicht und wir kamen immerhin auf 42,08km Tagesdistanz. Insgesamt kann man wohl sagen, dass ich die Flamme Rouge damit passiert habe, da mit 470,36km bei einem ausstehenden Tag mit guter Wettervorhersage nichts mehr schief gehen kann. Außer der Rücken macht mir einen Strich durch die Rechnung...

In der Zwischenzeit hat Franz als erster RTG-Festige500-Ritter die 500km Marke geknackt. Herzlichen Glückwunsch! Morgen ziehen Sascha, Tom und ich nach.

LINK STRAVA Tag 6

Tag 8: Finale Grande

Was mir genau bei Schneeräumen ins Kreuz geschossen ist, wird sich noch rausstellen. Ich stehe auf jeden Fall da wie ein Fragezeichen, Treppen laufen ist nahezu unmöglich und aus dem Bett schäle ich mich wie ein bettlägeriger Zombie. 30km vor dem Ziel aufgeben und scheitern? Niemals! Das Probesitzen auf der Rolle bestätigte meine Hoffnung: Laufen geht nicht wirklich aber Radlfahrn geht und tut sogar gut.

Am letzten Tag des Jahres starte ich mittlerweile regelmäßig beim Silvesterlauf des Rotary Clubs Eichstätt mit anschließendem Weißwurstfrühstück. Da das mit dem Laufen dieses Jahr aber nicht so wirklich funktionieren sollte, habe ich beschlossen die Strecke mit dem Crosser zu absolvieren und natürlich auch mit dem Rad anzureisen. Das sollte die restlichen 30km sein. Der Plan ging wunderbar auf, bei knapp 10 Grad fuhr ich nach Eichstätt und hatte dabei kaum Probleme mit dem Rücken. Auf Höhe der Willibaldsburg konnte ich dann die magische Grenze durchbrechen. Und obwohl es nur eine x-beliebige Zahl ist, kam doch ein gewisser Stolz und Freude in mir auf.

So lautet meine Gesamtbilanz nun exakt 503km bei knapp 3500 Höhenmetern in 8 Tagen.

Warum man sich das bei den Temperaturen antut? Weil es Spaß macht, mit Gleichgesinnten Zeit zu verbringen. Wir haben vor, nach und während dem Radfahren viel gelacht und konnten daraus unsere Motivation ziehen. Auch Sascha und Franz haben die 500er Schallmauer durchbrochen. Leider konnte Tom aufgrund einer Erkältung die letzte Fahrt nicht mehr vollenden und die Herausforderung in 2017 nicht abschließen. Aber wir haben natürlich bereits beschlossen, dass wir dann eben 2018 nochmal antreten und dann alle erfolgreich die Distanz absolvieren! 

Auch an dieser Stelle wünsche ich Euch allen einen guten Rutsch ins Jahr 2018 und eine erfolgreiche Radsportsaison! Trinkt am Silvesterabend nicht zu viel, der Neujahrstag ist ein wunderbarer Tag zum Radfahren!

For RTG, Alex

LINK STRAVA Tag 7