Rennbericht: King of the Lake – RTG Sieg bei Europas größtem Zeitfahren

Der VW Bus, das beste Reisefahrzeug der Welt!

Am Freitag, den 29. September starteten wir gegen 14:00 Uhr unsere Anreise nach Seewalchen am Attersee. Anreise ist hier vielleicht etwas positiv ausgedrückt, es sollte eher eine Odyssey werden. Unzählige Umleitungen und Staus machten aus der Fahrt wortwörtlich eine "zache Partie". Gott sei Dank stand uns ein VW Bus zu Verfügung, der mehrmalig zum besten Reisefahrzeug der Welt gekürt wurde und die Fahrt so erträglich machte. Die Aufgaben waren klar verteilt: Alex als Fahrer, Jürgen als Navigator und Markus und Werner in der Pre-Race Phase auf der Rücksitzbank. Als unsere Mägen nach knapp 3,5h Fahrtzeit anfingen, bedenklich zu knurren, übernahm kurzerhand Werner das Kommando bei der Navigation und lotste uns ganz im Stil der Generation Y per Smartphone zum Schlossrestaurant in Mattighofen. Letzteres hätten wir womöglich um ein Haar nicht mehr erleben können, da wir auf dem Fußweg zum Restaurant spontan doch in ein kleineres Restaurant einbogen. Die streng musternden Blicke der einschlägigen Stammkundschaft an der Bar, der Fakt, dass wir die einzigen Personen ohne Inventarnummer waren und die Tatsache, dass der Inhaber auf unsere Frage, ob es etwas zu Essen gäbe, erstmal die Tür geschlossen hat, führten zur präsidialen Entscheidung: SCHNELL RAUS HIER! Schließlich sollten wir dann doch noch das Schlossrestaurant erreichen, das an diesem Abend Neueröffnung feierte. Jedem, der den Weg durch Mattighofen wählt, sei dieses Restaurant ausdrücklich empfohlen. Das zuerst erwähnte eher nicht.

Mit vollen Mägen war die letzte dreiviertel Stunde ein Klacks und schließlich erreichten wir Seewalchen am Attersee und wurden hier von unserer Gastgeberin Frau Lenzenweger herzlich empfangen. Nach einem Gute-Nacht-Gösser-Radler fielen wir in die Betten um am nächsten Tag ausgeruht zu sein.  

Nebelschwaden am Attersee

Nach einem reichhaltigen Frühstück in sehr angenehmer Atmosphäre holten wir im tiefsten Nebel unsere Startunterlagen. So ganz trauten wir der Wettervorhersage der Anwohner nicht, dass uns zum Rennstart herrlichstes Kaiserwetter erwarten sollte. Da unser Start erst gegen 14:00 Uhr stattfand, entschieden wir die Strecke in umgekehrter Richtung mit dem Auto abzufahren um uns ein Bild von der vermeintlich schwereren, zweiten Hälfte der Rennstrecke zu machen. Die relativ schmale, kurvige Strecke durch etliche Ortschaften ließ die Vorfreude bei allen Beteiligen wachsen, auch wenn wir uns einig waren, dass die kurzen, giftigen Anstiegen zu dieser Phase des Rennens wohl weh tun werden sollen. Plötzlich brach die Nebelsuppe auf und eröffnete den Blick auf die umliegenden Berge und den blauen Himmel. Ein  derartig herrliches Panorama am Fuße des Schafberges kenne ich nur von sehr wenigen Rennen (Siehe Highlight Video am Ende des Beitrages). Die Zeit lief nur so dahin, sodass wir in der Nähe von Start/Ziel parkten und uns sowie die Räder startklar machten.

Das Stockerl im Visier

Durch das gute Abschneiden zwei Wochen zuvor beim BMW Mannschaftszeitfahren setzten wir uns das Ziel, zumindest das Stockerl zu erreichen. Um Punkt 14:02:30 Uhr standen wir bei mittlerem Wind auf der Startrampe. Die Stimmung war bombastisch! Live Übertragung vom Kameramotorrad, aktuelle Platzierungen an den Zwischenzeiten auf der Leinwand und per Beschallung durch den Sprecher sowie unzählige Zuschauer sorgten für eine Gänsehautstimmung, die man so wohl von nur sehr wenigen Amateurrennen kennt. 

Die Start- und Wechselreihenfolge war klar festgelegt: Jürgen - Markus - Alex - Werner. Die erste Hälfte der Strecke war größtenteils sehr flach und schlängelte sich am See entlang. Wir legten von Beginn ein hohes Tempo an, nur selten stand "der Fünfer" nicht auf dem Tacho. So konnten wir auch einige vor uns gestartete Teams einholen. In einer Ortschaft wurde die Zwischenzeit durchgegeben und wir erfuhren, dass wir uns derzeit auf dem dritten Platz befänden. Besonders Markus, der an diesem Tag in absoluter Topform und der stärkste Fahrer unseres Quartetts war, fühlte sich dadurch angespornt und hielt mit langen Wechseln das Tempo stetig hoch. Leider hatten wir keinen Blick für das Panorama, jedoch war auch die Strecke als solches wirklich sensationell: Sauschnell schlängelte sie sich durch die kleinen Ortschaften, in denen immer wieder Zuschauer die Rennfahrer anfeuerten. 

Die giftigen Wellen - jetzt wirds Hart

In der ersten Hälfte des Rennens gelang es noch recht gut, harmonische und gleichmäßige Wechsel zu fahren, der zweite Abschnitt machte es uns aber deutlich schwerer. Die immer-wiederkehrenden kurzen Anstiege brachten uns nun nach und nach an unser individuelles Limit und wir konnten die Führungen nicht mehr so gleichmäßig gestalten wie zu Beginn des Rennens. Nichtsdestotrotz sank das Tempo aufgrund einer grandiosen Teamleistung und der starken Form von Markus kaum, so dass wir nach knapp einer Stunde an der letzten Welle vor Seewalchen ankamen. Hier waren wir nun wirklich absolut am Anschlag, nahmen in der Abfahrt vor der Brücke Richtung Ziel noch einmal Fahrt auf und sprinteten schließlich ins Ziel. Der Moderator nannte uns als Zweitplatzierte. Mit dem Wissen, dass nicht mehr viele Mannschaften hinter uns gestartet sind, könnte das für eine Podestplatzierung gereicht haben. Was wir in diesem Moment noch nicht wussten: Der Moderator sprach von den Gesamtzeiten aller Teams, da wir aber in der Klasse 160+ starteten, bedeutete unsere Zeit die zu diesem Moment und schließlich auch zuletzt die Bestzeit der Klasse. Auch an der klassenübergreifenden Platzierung änderte sich nichts mehr. Somit konnten wir an diesem Tag den Pokal und Sieg für das Radsport Team Gaimersheim mit nach Hause nehmen. 

Fakten & fazit

Zielzeit: 1:03:43

Streckenlänge: 47,4 km

Durchschnittsgeschwindigkeit: 44,6 km/h

Ergebnisse Mannschaften: LINK

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den veranstaltenden Verein und an die vielen Anwohner am See, die an diesem Tag in ihrer Bewegungsfreiheit wohl etwas eingeschränkt sind. Das stört aber wohl nur die wenigsten: Als wir unsere Räder fertig machten, kam eine ältere Dame an uns vorbei, die uns versprach nach einem kurzen Mittagsschlaf an die Strecke zu kommen und uns anzufeuern.

Der größte Dank gilt aber unseren Gastgebern, Familie Lenzenweger. Allerspätestens, als uns der Hausherr nach dem Rennen eine Runde Bier ausgab, fühlten wir uns wirklich wie zu Hause. Zur Abfahrt überreichte uns Frau Lenzenweger dann sogar noch Fotos, die sie live am Renntag geschossen hat. 

Das Rennen hat uns so gut gefallen, dass wir uns sicher sind: We'll be back!

 

P.S.: Die Heimreise war im Vergleich zur Anfahrt umso flotter 🙂