Mal ist man der Baum und dann ist man auch wieder der Hund

Eddy Merckx Classic Marathon

Fuschl am See

10.09.2017

Bericht von Alex Geith

Nach meiner für mich persönlich doch recht enttäuschenden Leistung beim Ötztaler Radmarathon war ich wirklich am Zweifeln ob es nicht mehr Sinn machen würde, die Radsportsaison 2017 einfach abzuhaken, Pause zu machen und dann mit den Crossrennen wieder neu anzufangen. Vielleicht hat mich das 24h Rennen in Kelheim so viele Körner gekostet, dass weder der Kopf noch der Körper so richtig Lust auf Rennen fahren hatten.... In einer spontanen Minute habe ich mich aber bereits vor dem Ötztaler für den Eddy Merckx Classic Marathon angemeldet. Viele haben prognostiziert, dass mir die Strecke wohl liegen müsste, ich selbst war nach dem Abschneiden beim Ötztaler doch recht skeptisch. In der Woche vor dem Rennen zeichnete sich langsam aber sicher das Wetter am Renntag ab: 11°C und Regen... Radsport ist eben eine Outdoor Sportart und da ist es halt dann eben auch mal nicht so schön. Natürlich muss man bei so einem Sauwetter nicht starten, da mir schlechtes Wetter aber normalerweise kaum etwas ausmacht (Man könnte auch vorsichtig sagen: Es liegt mir vielleicht sogar?!) war für mich klar, dass ich am Renntag am Start stehen werde. Mit dabei waren außerdem: Stefan, Stephen, Brunni, Franz, Markus, Benni (Ein Freund von Jens). In einer Startgemeinschaft für die Teamwertung auf der langen Strecken gingen Christian Dengler und Maxi Hornung (Beide Radteam Herrmann) an den Start.

 

Bei wirklich ungemütlichen Temperaturen und klassischem Salzburger Schnürlregen (Eines der Lieblingswörter meiner Oma) standen wir ca. 20 Minuten vor dem Start im Startblock A. Besonders Stefan und Stephen hatten sichtlich mit den äußeren Bedingungen zu kämpfen und entschieden sich im weiteren Verlauf dann wohl recht schnell, die kurze Strecke in Angriff zu nehmen. Brunni war in bester Laune (Event-Modus 🙂 ) und begrüßte einen der Ex-Profis, die neben der Radsport Legende Eddy Merckx mit einem herzlichen "Ciao Maurizio!". Maurizio Fondriest freute sich sichtlich, ob er das Rennen angegangen oder doch lieber zum VIP-Frühstück abgebogen ist, ist nicht überliefert 😉 .

 

Die Fahrt durch Fuschl wurde vorab als "neutralisiert" bezeichet. So richtig neutralisiert kam es mir nicht vor, so dass wir uns nach wenigen Minuten im ersten Anstieg des Tages befanden, der bereits als erster Scharfrichter dienen sollte. Noch die Quälerei vom Timmelsjoch im Kopf fühlte ich mich recht gut und konnte das Tempo der Spitze mitgehen. Nach einem kurzen Flachstück am Ende des Anstiegs kam noch eine leichte Steigung, der Puls war kurz vor Maximum und die Luft wurde knapp. Seltsamerweise änderte sich das mit der Luft auf den nächsten 20km nicht. Ich musste wirklich an die absolute Schmerzgrenze gehen um an den wiederkehrenden Wellen und kurzen Anstiegen den Anschluss an die Gruppe nicht zu verlieren. Zwischenzeitlich hatte ich so mit dem Atmen zu kämpfen, dass ich Jens, der sich ebenfalls in der Spitzengruppe befand prognostizierte, dass ich nur die kurze Strecke fahren werde.

Plötzlich wendete sich aber das Blatt, die Schmerzen in der Lunge ließen nach und ich hatte langsam aber sicher das Gefühl, dass der Motor nun läuft. Die Attacken der anderen Fahrer konnte ich recht problemlos mitgehen. Trotzdem war für mich an diesem Tag klar, dass ich mich definitiv in den Dienst vom Jens stellen muss. Er machte einen sehr frischen Eindruck, ließ sich immer wieder an der Spitze der ca. 13 Mann starken Gruppe blicken und konnte an den Kuppen immer wieder das Tempo unangenehm erhöhen. Deshalb entschied ich mich an einer Kuppe am Ende eines etwas längeren Anstiegs das Tempo kurz zu erhöhen, anzuzupfen und so die anderen Fahrer zu schwächen um Jens in eine gute Ausgangslage für einen der entscheidenden Anstiege zu bringen. Gedacht - getan. Als ich mich oben an der Spitze umdrehte, waren lediglich zwei Fahrer vom Team DNA EinDRUCK an meinem Hinterrad. Natürlich wächst in so einem Moment sofort der Gedanke einer Dreier Ausreißergruppe und wir machten gut Tempo. Nach wenigen Minute konnten uns die Verfolger im folgenden welligen Streckenabschnitt wieder einfangen aber in mir wuchs die Hoffnung auf einen Top Ten Platz, da ich mich im weiteren Verlauf immer besser fühlte.

Nach wenigen Kilometern fiel die Entscheidung des Tages. Auf einer schmalen Seitenstraße mit stark wechselnden Steigungen setzte sich ein Fahrer vom Team DNA EinDRUCK ab. Ich konnte ihm zu Beginn noch gut folgen, die uneinsichtige Straße und fehlende Streckenkenntnis ließen mich aber zwischen einem der vielen Bauernhöfe das Tempo etwas rausnehmen. Ich wollte verhindern, dass ich in einem potentiell folgenden kurzen Stich "stehen" würde. Von hinten näherte sich Andreas Lumme vom Team Winax gefolgt von drei weiteren Fahrern inkl. Jens. Nach einer kurzen, engen und technischen Abfahrt im nach wie vor anhaltenden strömenden Regen gelangten wir auf die Haupstraße, die uns nun 25km Richtung Ziel bringen sollte. Vor uns der Ausreißer, wir in einer 5er Gruppe. Zu Beginn hatte ich die Hoffnung, dass wir den potentiellen Sieger noch einholen könnten, nach ca. 10km schien dies aber aussichtslos.

Jens signalisierte mir, dass ihn bereits Krämpfe plagen und fragte mich nach meiner Verfassung. Auf die Antwort hin, dass ich mich gut fühle, setzte er sich vor mich und machte kilometerlang Tempo an der Spitze der Verfolger. Dank dieses grandiosen Einsatzes und überragender Teamarbeit konnte ich mich schonen und auf die beiden finalen Anstiege vorbereiten. In den beiden letzten Hügel machte Andreas Lumme vom Team Winax das Tempo. Die Hoffnung, dass sich die verbleibende Vierergruppe durch das hohe Grundtempo verkleinerte, zerschlug sich, so dass ich mich geistig bereits auf einen Sprint vorbereitete. In diesem machte ich mir zumindest Hoffnung auf einen dritten Platz. In der finalen Abfahrt befand ich mich an der Spitze des Feldes und beschloss, den Sprint "von Vorne" anzufahren, sollte kein anderer Fahrer mehr attackieren. Ich positionierte mich vor der letzten Rechtskurve vor der Zielgerade an der rechten Straßenseite, so müssten die anderen Fahrer die weitere Kurve fahren. Vor der Kurve tauchte kein Fahrer neben mir auf, ich ging in die Kurve und eröffnete sobald mein Rad wieder gerade stand, den Sprint, in dem ich mich vor den drei anderen Fahrern mit ca. einer Radlänge durchsetzen konnte. Vor lauter Blitzlichtgewitter, hoher Geschwindigkeit und fehlender Bremsleistung mähte ich zwar dann gefühlt beinahe den halben Pavillon mit Helfern nieder, konnte das Rad aber noch rechtzeitig zum Stehen bringen.

Mein persönliches Fazit:

Obwohl ich nun bereits seit einigen Jahren auf dem Rad sitze, bin ich ein derartiges Rennen noch nicht gefahren. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich kann mir durchaus vorstellen bei ähnlichen Veranstaltungen an den Start zu gehen. Nun steht aber erstmal das BMW 4er Mannschaftszeitfahren am kommenden Sonntag vor der Tür, mit dem ich auch noch eine Rechnung offen habe. Dieses Mal hoffentlich bei besserem Wetter....

Leider konnte Manfred "Manni" Böhm seinen Gesamtsieg in der Alpencup Gesamtwertung nicht in Angriff nehmen, da er sich bei einem Rennen vor wenigen Wochen verletzt hat. Auf diesem Weg nochmals gute Besserung!

Vielen Dank an Jens für das Organisieren der Unterkunft!

Die Ergebnisse:

Kurze Strecke:

Hagg, Stefan: Platz 10

Witt, Stephen: Platz 14

Oberleitner, Franz: Platz 27 (Masters)

Mittlere Strecke:

Geith, Alexander: Platz 2

Rebel, Jens: Platz 5

Brunnegger, Thomas: Platz 5 (Masters)

Teamwertung: Platz 2

Lange Strecke:

Meyer, Markus: Platz 6

Teamwertung: Platz 3

Links:

Link: Datasport

Fotos: Link folgt

Homepage Veranstaltung: http://www.eddy-merckx-classic.com

Gesamtwertung Alpencup

Aufgrund seiner guten Platzierung beim abschließenden Rennen konnte sich Jens den dritten Platz in der Gesamtwertung des Alpencups sichern. Herzlichen Glückwunsch vom ganzen Team!