RTG Trainingslager Levico

I demand more vertical!

Ich hoffe Ralf und Arthur sehen es mir nach, dass ich die Zwei-Tages-Tour geschwänzt habe, aber mit der immer näher rückenden Ötztalerpremiere brauchte ich an dem Wochenende einfach mehr. Vor allem mehr Berge. Das Trainingslager ging ins Suganer Tal im Trentino. Der August ist dafür nicht die ideale Reisezeit. Aufgrund der Hauptsaison war in Levico alles ausgebucht, über das Hotel auf das wir ausweichen mussten verliere ich lieber keine Worte. Darüberhinaus war es mit 35°C einfach unglaublich heiß, was an der ein oder anderen Stelle schon grenzwertig war. Aber genau wie Bozen gehört die Gegend zu meinen Lieblingsrevieren. Ich fahre da mindestens einmal im Jahr hin und bastel an den Touren. Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen euch die Besten kurz vorzustellen.

Redebus & Manghen

Die Tour ist ideal für heiße Tage. Sowohl am Redebus als auch am Manghen klettert man meist im Wald im Schatten. Kurz vor der ersten Passhöhe kann man in Lenzi die Trinkflaschen am Brunnen nochmal auffüllen, dann folgen 25 flache Kilometer bis Molina. Dort wartet der Anstieg des Tages, der Manghen. Die erste Hälfte rollt noch ganz gut, aber ab Kilometer acht fällt die Steigung nicht mehr unter 10%. Da macht sich ein geringes Gewicht natürlich bezahlt. Wie Pantani beim Giro 99 hat Patrick alle abgehängt. Wegen einem zu hohen Hämatokritwert wurde bei uns aber keiner disqualifiziert, auch wenn wir an der Hütte auf der Passhöhe alles was verfügbar war in uns reingeschaufelt haben. Die Abfahrt zurück nach Telve ist ein Traum. Obwohl man bei über 2000m startet, schlängelt sich die Straße durch schier endlos grüne Wiesen. Von Borgo aus rollen wir auf Nebenstraßen zurück nach Levico.

Barricata & Valbona

Die Königsetappe: Barricata und Valbona. Die Tour hat im vierten Jahr und mit der vierten Evolutionsstufe ihr Endstadium erreicht. Besser bekomme ich es nicht mehr hin. Wir rollen uns auf dem Radweg Richtung Bassano del Grappa ein. In Selva die Grigno füllen wir zusammen mit den Italienern am Brunnen die Flaschen auf. Tom plant wohl einen Auslandsaufenthalt. Jedenfalls fügt er sich nahtlos in deren Gruppe ein. Von Selva aus verläuft eine alte Militärstraße hoch auf das Barricata Plateau. Der Anstieg ist für Autos komplett gesperrt und auch für Radfahrer ist nur eine Richtung erlaubt: 1000Hm nach oben. Der Anstieg gehört zu den schönsten die ich kenne. Kein Verkehr, endlose Kehren, tolles Panorama und so steil, dass man noch eine gute Leistung abrufen kann. Auf dem Hochplateau rollen wir bis Asiago, hier stürzen wir uns in die erste Abfahrt des Tages. Unten angekommen warten nochmal 1500Hm Kletterei bis zum Passo Valbona. Aufgrund der Hitze machen wir diesmal schon am Rifugio Melegnon Halt. Ich weiß gar nicht, was mir hier am besten gefallen hat. Der lustige Hüttenwirt: Alkoholfreies Bier? Impossible! Wir sind hier auf dem Land! Oder sein Hund. Es war zwar kein Bernhardiner, gerettet hat er uns aber trotzdem. Zumindest unsere Beine... Und mehr braucht ein Radfahrer ja nicht. Vielleicht war es aber auch das Essen. Komplett ausgehungert war der warme Schokokuchen mit frischen Johannisbeeren einfach ein Gedicht. So gestärkt geht es in die Abfahrt zurück nach Levico. Schnell, schneller, SS349. Spätestens ab Carbonare gibt es kein Halten mehr. Wer auf eine Achterbahnfahrt bei Vollgas steht, fährt nicht in den Europapark nach Rust, sondern hierher...

Panarotta

Der Anstieg zum Panarotta ist für mich eigentlich immer eine Standortbestimmung. Direkt bei Levico gelegen, über 1000Hm bei relativ konstanter Steigung eignet sich der Anstieg ideal für einen Leistungstest. Wir klettern auf der wenig befahrenen Nebenstraße nach oben, die für den Giro 2014 neu aslphaltierte Hauptstraße nutzen wir lieber für die Abfahrt.

Passo Brocon

Die letzte Tour sind wir heuer leider nicht mehr gefahren, darf aber bei der Liste nicht fehlen. Ich habe sie der Tour-Zeitschrift entnommen, sie ist dort mit Schleichweg und Sturzflug betitelt. Das trifft es ganz gut. Über eine einsame Nebenstraße kann man durch Laubwälder bis zum Passo Brocon hochfahren um es dann auf der Abfahrt nach Strigno richtig krachen zu lassen.

Mir hat Trentino mal wieder sehr gefallen, es wird auch nicht meine letzte Reise hierher gewesen sein. Ich hoffe, dass beim nächsten Mal wieder zahlreiche RTGler dabei sein werden...

Pergine Valsugana, 06.08.2017
Stefan