It’s not Cross, it’s Super Cross – Rapha Super Cross München 29.10.-30.10.16

Cyclocross – Wer hat uns dazu gebracht und was machen wir hier eigentlich? Diese Frage haben wir uns an diesem Wochenende gleich zweimal stellen dürfen. Einmal am Samstag zum Staffelrennen, das zweite Mal am Sonntag zum Elite Rennen in der Lizenzklasse im Rahmen des Deutschlandcups. Den Samstag gingen wir einigermaßen optimistisch an.

Da unser (Stefan, Jens, Alex) Leistungsniveau doch auf einem recht gleichmäßigen und nicht allzu schlechten Niveau liegt, malten wir uns zumindest einen Platz in der vorderen Hälfte, vielleicht sogar im vorderen Drittel aus. Das Wetter am Samstag ließ nichts Gutes erwarten. Leichter Nieselregen, Temperaturen unter 10 Grad und zum Teil durchgeweichter, matschiger Boden machten die Strecke technisch anspruchsvoll, aber nicht unfahrbar. Die technisch versierteren Fahrer sollten aber dennoch einen leichten Vorteil haben.

Das Rennen selbst verlief wie folgt: Nach jeder Runde, die im Vergleich zu den anderen Rennen am Wochenende verkürzt wurde, fand ein Wechsel statt, jeder Fahrer hat zum Ende 3 Runden absolviert. Im Detail bedeutet das eine Strecke von 1,2km und eine Fahrtzeit von 3:30 bis 4:00 Minuten. Brennende Muskeln, schmerzende Lunge – Wie kann das nach 3,6km und einer Gesamtfahrtzeit von weniger als 12 Minuten sein? Cyclocross hat eben seine eigenen Gesetze, die Belastungen unterscheiden sich stark von einem Straßenrennen geschweige denn Marathon.

Aufgrund technischer Probleme mit den Transpondern konnten hinter den Podiumsplätzen kein Zeit- und Platzierungsergebnis ermittelt werden.  So weit wir das überblicken können, haben wir den Großteil der Teams hinter uns gelassen. Luft nach ober ist aber auch noch… Aber aufgrund der Tatsache, dass wir uns noch in der Lernphase befinden, sind wir mit unserem Ergebnis zufrieden.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden die Uhren zurück gedreht. Die Stunde länger schlafen war angenehm und das Wetter hat sich für Sonntag ein anderes Programm als noch am Vortag überlegt: Um 10 Uhr morgens starteten wir mit unserem „Cross“-VW Bus Richtung München. Auf dem Weg begleitete uns der klassische weiß-blaue bairische Himmel und ließ die Motivation und Vorfreude auf das Lizenzrennen am Sonntag steigen. Dennoch waren wir uns natürlich im Klaren, dass wir bei einem Bundesliga Rennen an den Start gehen und nach den durchwachsenen Ergebnissen vom AAN Cup machte sich zum Teil ein gewisser Galgenhumor breit. Nur nicht Letzter werden, das war das primäre Ziel. In München angekommen zeigte sich die Strecke im Schatten des altehrwürdigen Olympiastadions in einem deutlich besseren Zustand als am Vorabend. Das Wetter war hervorragend, das Ambiente und die Zuschauerzahlen absolut einzigartig – wir hatten richtig Bock auf das Rennen, auch wenn eine angemessene Platzierung nicht das primäre Ziel war.

 

Rennbericht von Stefan

Jetzt dachte ich tatsächlich, ich hätte in Nürnberg schon eine Lektion in Sachen Cyclocross gelernt. Ich hatte ja keine Ahnung. Aber ok, München ist eben auch nicht Cross, sondern #SuperCross. Der Wetterbericht versprach tollstes Herbstwetter. Als ich Samstag morgen aus dem Fenster sah, regnete es bereits. An meinem Rad waren Allroundreifen montiert. “Oh je. Aber das wird schon gehen, zur Not eben etwas langsamer”. Es ging auch, aber eben nur 10m weit, dann lag ich unterhalb des ersten Schräghangs bereits im Schlamm.

Also ab in die Expo-Area und den Vertreter von #Challengetires interviewt. Auf die Frage, welcher nun der beste wäre, drückte er mir den Baby Limus in die Hand. “Wieso nur Baby? – Weil es ja noch nicht richtig matschig wäre”. Etwas ungläubig blickte ich zu meinen Schuhen, die zuvor knöcheltief im Schlamm versunken waren. Noch nicht wirklich matschig? … OK, alles klar. Im Fahrerlager fiel mir auf, dass wir völlig underdressed waren. Überall Reifen mit Baumwollkarkasse, Klamotten abgestimmt zur Lackierung des Rades. Und vor allem: Jeder trägt eine Cycling Cap und einen Schnauzbart. Ist denn schon #Movember? Das scheint wohl beim Crossen Pflicht zu sein…

Am Start gab es dann erstmal ein Durcheinander. Ich wurde kurzfristig zum Startfahrer verdonnert, da die Fahrer gemäß ihrer Startnummer starten mussten. In der ersten Reihe erkannte ich den ein oder anderen Top-Fahrer vom Lizenzrennen aus Nürnberg wieder. Da wurde mir klar, was mich gleich erwarten würde. Der Startschuss fiel und es ging 50m über das Oval. Schon in der ersten Kurve hatte ich schwere Beine. Unglaublich wie die Jungs loslegten. Am Steilstück reichte der Grip nicht um vollends hochzufahren. Hätte ich doch noch einen zweiten Reifen gekauft, denn das Laufen klappte nicht wirklich besser. Echt bitter, wieviel Zeit man mit vier Meter Strecke liegen lassen kann. Der Rest lief dann ganz passabel, gerade auf dem Oval konnte ich einen Teil  der Zeit wieder wettmachen. Nach drei Runden war das Rennen zu Ende, und ich war es auch. Der Tacho zeigte lächerliche 11 Minuten Fahrzeit. Einfach irre. Dennoch zufrieden geht’s zur Siegerehrung, Freibier (Doppelbock) abholen…

Am Sonntag dann das Lizenzrennen –  Alles besser machen! Zuallererst montierte ich die Eisenstollen an den Schuhen. Jetzt weiß ich auch warum das Schuhmodell Kobra heißt, denn die Fangzähne schauen schon bedrohlich aus. Damit sollte Laufen am Hang kein Problem mehr sein. Und auch am Style wurde gearbeitet: Reifen, Cap und Schnauzer. Letzterer kostete mich echt Überwindung. Was man nach zwei Flaschen Doppelbock so alles verspricht… Als wir dann am Parkplatz aufschlugen, sehe ich keine Cycling Cap und auch keinen Schnauzbart mehr. Nur noch Vollblutrennfahrer die sich schon Stunden vorher auf der Rolle warm fahren. Zeffix! Hipstertag war wohl nur gestern…

Das Rennen geht los. Nach einem hektischen Anfang dockte ich am Ende einer Gruppe mit Alex und Jens an. Ich fühlte mich gut, war zuversichtlich, dass ich die Pace durchhalten könnte. Dann, beim Absteigen vor der Treppe rutschte ich an einem Pflasterstein ab und schlug mir das Knie auf. Autsch! Bis ich den Verschluss vom Schuh wieder geschlossen hatte, war ein Großteil der Fahrer an mir vorbei. Und das in der ersten Runde. Mist!

Die nächsten Minuten schmerzte das Knie ordentlich, ich bekam kaum Druck aufs Pedal. Viel schlimmer war jedoch, dass die Sicherheit auf dem Rad weg war. An jeder Abfahrt, in jeder Kurve zitterte ich nur so vorbei. Hauptsache zu Ende fahren und nicht aussteigen! Die Zuschauer waren fantastisch und peitschten mich jedes Mal über den Steilhang. Absteigen? Überflüssig! Als das Rennen zu Ende war, bin ich zufrieden. Eine tolle Strecke, super Wetter und das Rad ist heile geblieben. Der Kratzer am Knie verheilt schon wieder. Bei genauerer Betrachtung stellte sich der “Kratzer” als 5cm lange Fleischwunde heraus, völlig verdreckt. Die Hiobsbotschaft gab es dann aber erst bei den Ersthelfern des roten Kreuzes. Dass sie die Wunde vor Ort nicht sauber machen bzw. nähen wollten? Geschenkt! Aber dass mir die hübsche Ärztin ihre Telefonnummer nicht gab – sooo bitter. Lag’s am Schnauzer? Wie auch immer, das tat im Nachhinein mehr weh, als die 12 Stiche mit denen genäht werden musste und die Tatsache, dass ich noch nicht einmal in der Ergebnisliste auftauche…

Supercross 2017? Auf jeden Fall! Aber ohne Sturz und definitv ohne Schnauzbart!  😀

 

Rennbericht von Jens

Sichtlich angeschlagen stand ich nun also 10 min vor Start da: Keine Startfreigabe vom Schablonenmann für meinen 33er Hinterreifen. Darüber hatte ich mir vorab kaum Gedanken gemacht. Schließlich gibt es doch extra eine Reifenbezeichnung, die mir (bereits beim Kauf) bescheinigen sollte, dass ein 33er-Crossreifen auf entsprechender Crossfelge auch den Cross-Wettkampfbedingungen (max. 33mm Reifenbreite) Genüge trägt. Umso erstaunlicher, dass die gleiche Kombination an der Front kein Problem darstellte. Also wenn sich der Sportler hier um die Toleranzen von Reifen und Felge sorgen muss, dann gehört das Ganze auf Seiten der Hersteller sowie des judikativen & exekutiven Apparats der Cross-Wettkampfbedingungen mal hinterfragt.

Fast hatte ich mich schon mit meinem Schicksal abgefunden, da kam ganz unverhofft die Rettung aus Wien. Leopold Heigl stand neben dem Startzelt mit Ersatzlaufrädern für seine Schützlinge. Auf meine eher im Galgenhumor gemeinte Frage, ob er der „neutrale Service“ sei, reagierte er ohne jegliches Zögern. Er schickte seine Tochter Nadja Heigl, kurz zuvor Gewinnerin bei den Damen (herzlichen Glückwunsch nochmal an dieser Stelle), ins Teamlager ihres Focus-CX-Teams. Zurück kam sie mit ihrem Ersatzhinterrad: Hochprofil, Schlauchreifen, 11-36… einfach perfekt. Mit fachkundigen Handgriffen war das Rad schnell gewechselt, sogar der passende Reifendruck wurde von Leopold noch eingestellt. Den Segen vom Schablonenmann bekommen, ab in die Startaufstellung, noch 2min bis zum Start…

Was soll ich sagen bzw. schreiben… ich bin echt begeistert und mega dankbar für diese freundschaftliche, uneigennützige und teamübergreifende Unterstützung. Das war ganz großer Sport von Nadja und Leopold Heigl – vielen herzlichen Dank!

Los ging es also mit Vollgas über die Tartanbahn: Da ich aus der letzten Reihe startete, musste ich zunächst hinterherfahren. Doch in der ersten engen Kurve hinaus in den Dreck konnte ich den kleinen Stau nutzen, um auf besserer Linie einige Plätze gut zu machen. Die folgenden Kurven riskierte ich wenig, schließlich waren mit die Gefahrenstellen als Zuschauer der vorherigen Läufe durchaus bewusst. Ich kam vor dem ersten Doppelhindernis gut aus den Pedalen (zum Glück nicht schon wieder so eine Aktion wie in Nürnberg…) und den ersten Anstieg erstaunlich gut hoch. Hatten wir am feuchten Vortag noch sichtlich mit dem Halt der Schuhe zu kämpfen, war das während des Rennens doch weniger problematisch als gedacht. Die folgenden Streckenabschnitte wurden sehr schnell gefahren, beide Reifen kamen hin und wieder in den Grenzbereich. Ich konnte mich zwar stets auf dem Rad halten, musste aber anerkennen, dass dies (noch) nicht meinem Tempo entspricht, welches ich über 60min fahren könnte. So schaltete ich etwas zurück und musste Alex und eine kleinere Gruppe allmählich Meter um Meter davonziehen lassen.

Gänsehaut-Atmosphäre dann am Steilhang im Bereich des Doppel-Depots: Hunderte Zuschauer, teilweise bewaffnet mit Glocken und Tröten, peitschten jeden Fahrer lautstark dort hinauf. Noch in jedem Trainingslauf versagt und abgestiegen, kam auch ich plötzlich ohne größere Mühe hinauf. Eventuell machte sich hier auch die kleinere Übersetzung von 11-36 gegenüber 11-32 positiv bemerkbar. Großen Dank an dieser Stelle speziell an Swen, der unüberhörbar Runde für Runde an diesem Steilhang unterstützte und mit einem gepflegten „Klaps“ jeglichen Gedanken ans Absteigen unweigerlich im Keim erstickte.

Die erste Halbzeit des Rennens fühlte ich mich sehr gut auf dem Bike. Natürlich gab es technische Bereiche in denen ich mehr das Nachsehen hatte, dafür aber auch Bereiche (Steilhänge, Tartanbahn) wo ich wieder etwas Boden gut machen konnte. Leider konnte ich die zweiten 30min nicht mehr an meine Grenzen gehen. Ähnlich der letzten 15min in Nürnberg musste ich in München gar eine halbe Stunde mit Schmerzen im unteren Rücken kämpfen. Nur durch längere Erholungszeiten im Wiegetritt und die aufmunternde Unterstützung der unzähligen Zuschauer siegte schlussendlich der Kopf über den Körper und ließ mich das Rennen mit einer Runde Rückstand auf die Spitze zu Ende fahren.

Darüber bin sehr zufrieden, zumal ich auf der technisch sehr schwierigen Strecke ohne jeglichen Sturz wieder viele Erfahrungen sammeln konnte. Ich freue mich schon auf die nächsten Events und auch ganz sicher auf den Rapha Super Cross München 2017. Besten Dank an Alle für die anfeuernde Unterstützung und herzliche Genesungswünsche an unseren Stefan und an Kathrin vom Team Rheinhessen!

 

Rennbericht von Alex

Der Start im Cyclocross erfolgt wesentlich hektischer als bei Straßenrennen: Es wird sofort explosiv angetreten und die Positionen gesucht. Ich hatte mir für das Rennen vorgenommen ein gleichmäßiges Tempo zu fahren und in einen guten Rythmus zu kommen. Erfreulicherweise geling mir dies von Beginn an, die Position nach der halben Runde auf der Tartanbahn war gut. Ab Runde drei fand ich mich für längere Zeit in einer Vierergruppe, mit der wir immer mal wieder einen Fahrer überholzen konnten. Ich hatte leichte Vorteile in den technischen Segmenten und konnte deshalb hier den Puls um ein paar Schläge nach unten bringen um die anschließenden Steigungen, sei es laufend oder fahrend gut zu bewältigen. Recht schlagartig ließen meine drei Begleiter nach einem technischen Segment reißen, so dass ich die letzten drei von insgesamt neun Runden alleine bewältigte.

Schlussendlich fand ich mich nach einem kleinen Zielsprint auf dem 49. Platz bei 78 gestarteten Fahrern wieder. Mit dem Ergebnis bin ich aufgrund der enormen Konkurrenz sehr zufrieden und das Ambiente im Olympiapark ist absolut überragend und hat mich sehr beeindruckt. Der Cyclocrosssport hat mich nun wirklich angefixt, ich freue mich schon jetzt auf das nächste Rennen im AAN Cup, auch wenn das Erste nicht so gut lief.

 

Rennbericht von Swen

Den Part von Swen übernehme nochmal ich (Stefan). Profis haben nämlich keine Zeit soviel Text zu schreiben, die müssen trainieren. Bei starker Konkurrenz belegt Swen den zwölften Platz!