RTG race report: Rothaus Riderman, Bad Dürrheim, Fr-23 bis So-25 Sep 2016

Der Riderman – ein dreitägiges Etappenrennen im Schwarzwald. Egal mit wem ich geredet hatte, jeder hat von der Veranstaltung geschwärmt. Ich wollte ihn letztes Jahr schon fahren. Die Wetterprognosen waren dann nicht so gut und ich gesundheitlich etwas angeschlagen. Letztenendes hab´ ich gekniffen. Als ich dann Jens´ Bericht samt fantastischer Bilder gesehen hatte, war ich schon neidisch und hab mich geärgert. Spätestens aber nach dem Trainingslager in Kirchzarten im Frühjahr stand das Event dann weit oben auf meiner Liste für 2016…

Freitag – Einzelzeitfahren 16km, 200Hm

Am ersten Tag steht ein Einzelzeitfahren über 16km an. Eine gute Gelegenheit den Anstieg zur Hirschhalde kennen zu lernen, er wird 2016 bei allen 3 Etappen zum Start überwunden. Eigentlich war ich guter Dinge. Die Sitzposition hatte ich nach Rat von Mane und Jürgen geändert (ganz vor an die Sattelspitze), mit einem neuen Aufsatz (Stack -40mm) den Luftwiderstand reduziert. Ein Test in Karlshuld am vorigen Sonntag zeigte annähernd die Maximalleistung die ich in diesem Jahr geschafft hatte.
Als ich auf der Startrampe stand und der Countdown nach unten lief, war ich dann ganz schön aufgeregt. Das ist beim Riderman so professionell gemacht, da fühlte ich mich schon etwas fehl am Platz. Aber nach fünf gefahrenen Metern blendet man alles aus und muss nur noch eines: Treten. Leider kam ich auf die geniale Idee, vorher noch die Laufräder zu wechseln. Die Kombination aus alter Kette und neuer Kassette hat fantastisch funktioniert, sobald ich reingetreten habe: Ständig sind mir die Gänge gesprungen. Das ist umso ärgerlicher, wenn man Verschleissteile für drei Fahrräder zuhause liegen hat. Bergab sind mir mit der Kompaktkurbel die Gänge ausgegangen und so konnte ich nicht umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte. Aber egal, nächstes Jahr mach ich es besser…

Samstag – Strassenrennen 110km, 1700Hm

Der Schock kam dann aber erst als ich die Ergebnisliste sah. Da war ich ganz weit hinten, mit einer Zeit die nochmal drei Minuten langsamer war, als was ich gestoppt hatte. Hatte ich ein Zeitstrafe bekommen? Oder die Zeitmessung beim Zurückfahren nochmal ausgelöst? Den ganzen Abend hab´ ich gerätselt. Die Auflösung gab es dann am nächsten Morgen: Transponder und Startnummer waren falsch zugeordnet. Meine Zeit wurde korrigiert, aber die Einteilung der Startblöcke stand schon fest. Der Helfer wollte mich partout nicht nach vorne lassen und so musste ich aus dem “Block der Verdammten” starten.

img_20160924_102813

So schlecht die Position war, so gut lief dann aber der Start. Was eine Portion Frust dann doch ausmacht. Mit allem was geht in den Anstieg gefahren und mit letzter Kraft an der Kuppe angedockt. Der Lohn: Die Spitze war noch nicht weg und 15min später hatte ich mich zu Jens´ Hinterrad vorgearbeitet. Kurzzeitig keimte die Hoffnung auf, das Ding mit ihm zu Ende zu fahren. Dann kam aber der zweite Anstieg und ich merkte, dass ich das Tempo nicht mitgehen kann und langsam zurückfalle.
In der nächsten Flachpassage reisst vor mir ein Loch, ich trete nochmal an, aber dann explodieren die Beine. Motorschaden, nichts geht mehr. Ich werde wohl aussteigen müssen. Zum ersten Mal komme ich dazu auf den Tacho zuschauen. Erst 22 km bzw. 33 min. Das darf ja wohl nicht wahr sein! Nachdem ich ein zwei Minuten ins Leere trete, werde ich von einer Gruppe aufgesammelt. Mittendrin ein paar Jungs vom Team Rheinhessen. Mir tut es einfach gut ein paar bekannte Gesichter zu sehen und ich fange wieder an zu kurbeln. Irgendwie werde ich das schon zu Ende fahren können.
Die Rettung kam dann schneller als gedacht – es waren die Berge. Je länger und steiler der Anstieg war, desto leichter fiel es mir mitzuhalten. Spätestens zur Mitte des Rennens hatte ich die Gewissheit, dass ich die Gruppe halten kann. Von da an konnte ich es in vollen Zügen genießen. Das fantastische Wetter, die geniale Strecke. Gegen Ende es Rennes hab ich mich dann geschont, wobei das eigentlich noch viel zu schön formuliert ist. So konsequent und schamlos hab ich noch nie die Arbeit in der Gruppe verweigert. Da hatte ich schon ein schlechtes Gewissen, dafür aber dann die Beine um beim Sprint ziemlich weit vorne über den Zielstrich zu fahren. Vom Ergebnis her, war es Platz 118. Am Verpflegungstand hatte ich die Anstrengung schon wieder vergessen und versuchte die 120€ Startgebühr in Form von Kuchen wieder zurückzuholen…

sportograf-87919473_lowres

Sonntag – Strassenrennen 87km, 1150Hm

Am dritten Tag war die Motivation hoch und die Beine gefühlt noch ganz gut. Leider wurde ich am Start eingebaut und kam schlecht weg. Die Spitze hat gleich am Anstieg ernst gemacht und als ich an der Kuppe angekommen war, waren schon alle weg. Von da an waren wir beschäftigt Löcher zuzufahren. Die dritte Etappe ist sehr flach und der einzige nennenswerte Anstieg kommt erst nach 40km. Die kommen mir wie eine Ewigkeit vor. Nachdem ich nicht so sparsam mit meinen Körnern umgegangen war, musste ich mich diesmal am Berg richtig anstrengen. Sehr ärgerlich, 20km vor Schluss teilt sich die Gruppe und ich bin vorne nicht dabei. Ich kann zwar nochmal ranfahren, aber am nächsten Anstieg fehlen mir dann die Kräfte. Ich muss abreissen lassen und verliere einige Plätze. Diesmal rolle ich nur auf Platz 179 ins Ziel, bin aber trotzdem glücklich. Für mich war es ein tolles Rennen und der perfekte Abschluss einer Saison voller Highlights.

sportograf-87928113_lowres

Fazit

Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist? Das man auf Anhieb so viele Freunde wieder trifft, die man durch das Radfahren kennengelernt hat. Einfach eine sehr angenehme familiäre Atmosphäre. Und vielleicht stehen ja nächstes Jahr wieder mehr Gaimersheimer am Start. Das würde mich sehr freuen. Dann müsste ich nicht jedem zweiten Teilnehmer erklären, wo denn Brunni sei und ob Werner und Mane auch mitfahren 😉

Vielen Dank an Alisha für die tollen Fotos!
(c) Alisha Borowski – Radsportfotos

Bad Dürrheim, 23.-25.09.
Stefan