RTG race report: Ötztaler Radmarathon, Sölden, So-28 Aug 2016

Mit 4500 Rennfahrer im Hochsommer über 4 Alpenpässe !

 

Sölden / Gaimersheim, von Brunni, am 31 AUG 2016,

 

Extract:

Das Radsport Team Gaimersheim ist mit 8 Mann sehr erfolgreich im Ötztal beim Marathon des Jahres: Markus und Werner bleiben unter 8h, in der Teamwertung erreichen wir Platz 12, aber das Wichtigste: all unsere Starter erreichen bei hochsommerlichen Temperaturen nach 238km und 5500HM gesund und glücklich das Ziel in Sölden ! Es gewinnt der Deutsche Bernd Hornetz (unter 7 Std) und bei den Damen siegt die Schweizerin Laila Orenos mit neuer Rekordzeit  !

 

 1 – Das Event

Am letzten August Sonntag findet traditionell das Saison Highlight der Granfondo bzw. Radmarathon Szene statt: der Ötztaler Radmarathon im österreichischen Wintersportort Sölden in Tirol, von vielen liebevoll nur “Ötzi” genannt. Den Radmarathon kennt ein jeder und (fast) jeder will mitfahren, obwohl der Ötzi als der schwerste gilt und für viele die inoffizielle Weltmeisterschaft der Radmarathons ist. Die Eckdaten sind bekannt: 238km mit 5500HM (offizielle Veranstalter Angabe). Start und Ziel ist in Sölden, auf der Strecke in Tirol und Südtirol  sind 4 Alpenpässe zu bezwingen:

  • Kühtai
  • Brenner (passo Brennero)
  • Jaufenpass (passo Giovo)
  • Timmelsjoch (passo Rombo)

 

2 – Das Team

Unser Radsport Team Gaimersheim ist diesmal sehr stark vertreten:

  • Hügel, Werner
  • Meyer, Markus
  • Finke, Niklas
  • Geith, Alexander
  • Nienhold, Marcel
  • Gabler, Thomas
  • Köpf, Peter
  • Brunnegger, Thomas

Einige von uns kennen den Ötzi schon recht gut (für mich ist es Ötzi Nr 7), andere sind das erste Mal am Start: Niklas, Marcel und Peter feiern ihre Ötzi Premiere. Wir sind sehr froh, dass sich Marcel erst kurz vor dem Rennen entscheidet mit uns nach Sölden zu reisen, denn nach seinem schweren Sturz beim Engadiner Anfang Juli hat er noch mit seiner verletzten rechten Schulter zu kämpfen. Auch ein Grund für seinen Start ist die Tatsache, daß der Veranstalter nicht bereit ist seinen Startplatz zu übertragen, oder Marcel eine Starterlaubnis für 2017 zu geben. Eva und Boris werden uns am Brenner verpflegen. Eine sehr wichtige Sache, weil diesmal ist folgendes klar: das Wetter sollte am ganzen Sonntag sehr schön, sonnig und sogar heiss sein.
Die besten Genesungswünsche an Rainer Wolf nach seinem schweren Sturz und Schulter OP in dieser Woche ! So kann er seinen Startplatz leider nicht nutzen.

 

3 – Das Rennen

Der Start: Sölden – 1377m

Werner, Markus und ich dürfen im Startblock 1B Aufstellung nehmen (Bedingung: unter 8h20min in den letzen 3 Jahren). Wir haben sehr angenehme 16Grad um 06:45 in fast 1400m Seehöhe ! Sensationell ! Die Stimmung ist sehr gut, jeder ist hochmotiviert und freut sich aufs Rennen.

Praktisch alle Stars der Radmarathon Szene aus Österreich, Südtirol, Italien und Deutschland sind am Start: Hannes Berndl (Hannes hat dieses Jahr alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt), Jörg Ludewig (ex T-Mobile Pro), Bernd Hornetz (erstmals fürs Team Corratec), die Italiener Stefano Cecchini (Maratona Sieger 2014) und Luigi Salimbeni (Maratona Sieger 2015), sowie RATA Sieger Daniel  Rubisoier aus Tirol. Bei Damen ist die Schweizer Titelverteidigerin Laila Orenos wieder am Start mit starker Konkurrenz durch Pintarelli aus Tirol, Parente aus Italien (Maratona Sieger 2016) und Glocknerkönigin Rausch aus Hamburg, sowie Janine Meyer aus Köln (Transalp Siegerin 2016 und Giro delle Dolomiti Gesamtsiegerin 2016). Nadja Prieling aus Kitzbuehel fährt in ihrem Projekt ÖRM 9+1 heute ihren zehnten Ötztaler innerhalb von 10 Tagen ! Ja richtig, Nadja ist seit Freitag vor einer Woche jeden Tag 1x die Ötztaler Runde gefahren ! Einfach Wahnsinn …! Auch Prominente sind am Start: der Tiroler ex-Pro Thomas Rohregger (Österreich Rundfahrt Sieger 2008 und Kitzbüheler Horn Rekordhalter), der italiensiche ex-Fussballer von Juventus Turin, „die weiße Feder“ Fabrizio Ravanelli ist auch am Start !

Alle sind da, nur einer fehlt, diiie Stimme des Ötztalers: Othmar Peer ! Er ist leider verletzt nicht in Sölden, nachdem ihn als Begleiter von Nadja bei ÖRM 9+1 ein Autofahrer vom Rad gefahren hat. Gute und rasche Besseung Othmar !

 

Berg 1: Kühtai – 2020m

Nach dem Warm up, das diesmal sehr hektisch verläuft (zum Glück kann ich zweimal das Schlimmste verhindern und nach Stürzen vor mir ausweichen) durch das Ötztal steht in Ötz der erste Berg des Tages auf dem Programm: das Kühtai. Das ist teilweise sehr steil, hat aber immer wieder Flachstücke dazwischen zum Erholen. Hatte mir bis Ötz eine gute Position im Feld erkämpft. Im Anstieg fahre ich sehr kontrolliert mein eigenes Tempo. Der Tag sollte noch lang werden…. Werner stürmt direkt nach vorne. Markus und Niklas holen mich sehr bald ein, um sich dann von mir abzusetzen. Nach 1h8min hab ich das Passschild in gut 2000m Seehöhe erreicht. Soweit alles gut: Traumhaftes Wetter, sehr viele Zuschauer, ein herrliches Berg Panorama und ich fühle mich ganz gut. In der superschnellen Abfahrt mit 3 stelligen Geschwindigkeitswerten geht es über Sellrain nach Gries. Zunächst bin ich solo in der Abfahrt, aber sehr bald stürmt ein 4 Mann starker Strassacker Zug an mir vorbei (im Stile eines 4er Team Zeitfahren), dem ich mich anschließe um dann sehr sportlich die letzten downhill km bis Kematen zu nehmen.

 

Berg 2: Brenner – 1377m

In Innsbruck der zweite Berg des Tages: Der Brenner. Ist eigentlich kein Berg, aber immerhin sind es 30km bergan. Das Tempo in der Gruppe ist nicht so schnell, aber um Körnern für später zu sparen gerade recht. Erfreulicherweise kann Alex zu unserer Gruppe von hinten aufschließen: Sein „Attentione prego“ kenn ich :-)Er hatte einen Blitzstart hingelegt, ob das heute gut geht ? Werner, Markus und Niklas sind zu dem Zeitpunkt weit vor uns. Mit 2 orangen Trikots in der sehr grossen Gruppe geht’s Richtung Passhoehe. Kurz vor der Grenze unsere erste Verpflegung: Boris und Eva warten auf uns mit Flaschen und Riegel. Der Austausch von Flaschen und Aufnahme von Verpflegung erfolgt in Formel 1 Tempo und so fahren Alex und ich in der Gruppe am Brenner über die Staaatsgrenze nach Südtirol. Hier ist auch Halbzeit des Rennens, wir haben 120km absolviert. Die Durchgangszeit passt, die ist zwar ein bisschen langsamer als wie vor 2 Jahren, aber die entscheidenden Streckenabschnitte kommen noch. Über Gossensass, Sterzing (Vipiteno) erreichen wir Gasteig.

 

Berg 3: Jaufenpass – 2090m

In Gasteig nun der Einstieg in den dritten Berg des Tages: den Jaufenpass (passo Giovo):.

In der Vergangenheit schon Schauplatz legendärer Giro Etappen (1994 Marco Pantanis Attacke im Carrera Trikot mit Sieg in Meran nach Start in Lienz/Osttirol. Sein erster großer Auftritt in der Welt des Profi Radsports, viele weitere sollten folgen…).

Der Jaufen ist 15km lang, mit einer sehr gleichmäßigen Steigung von nur 6%, sehr schön zu fahren, „pedalibile“ wie die italienischen scalatori sagen. Ich fahr auch hier meine pace, gut ich könnte schneller, aber das bringt nix, immer das Timmelsjoch im Hinterkopf. Alex setzt sich unwiderstehlich von mir ab. Beim Jaufenhaus kurz unterhalb der Passhöhe der nächste kurze Stop: Flaschen auffüllen. Das ist heute bei der Hitze einfach notwendig. Nach dem Passübergang in 2090m Höhe geht’s in die lange und technisch sehr anspruchsvolle 20km Abfahrt ins Passeiertal bei sommerlichen Temperaturen. Ich lasse es laufen ohne was zu riskieren, weil ich mich auf meiner neuen GIANT Rennmaschine mit Airstreeem Laufrädern und den Schwalbe Ultremos sehr wohl fühle…. 20:30 ist nicht so schlecht für das Segment.

 

Berg 4: Timmelsjoch – 2509m

In St. Leonhard im Passeiertal, Geburtsort des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer (Sein Heimathaus der Sandwirt) geht’s nun in das Finale des Ötztalers: das gefürchtete Timmelsjoch steht an! Fast 30km lang, mit 1800HM am Stück. Meine persönliche Durchgangszeit ist sehr gut (so schnell wie vor 2 Jahren, das passt denk ich mir….) Ich fühle mich noch immer gut, fahre relativ locker das erste Stück bis Moos. Hier kommt mir Alexx Bauer, Team LeXXi entgegen. Danke für die motivierenden Worte ! Im Teil 2 muss ich schon härter kämpfen und brauch auch immer wieder mal das 28er. Aber wurscht, einfach immer weiter bergauf. In dem Streckenteil überhole ich überraschend Niklas, der stöhnt nur: viel zu heiß, er hat Recht, heute hat es echt ein brutale Hitze: mein SRM zeigt 36grad ! Ich atme auf als ich endlich das Flachstück erreiche, meine 2 Flaschen vom Jaufen sind schon fast leer. Daher nächster Tankstopp in Schönau an der letzten Verpflegungsstelle des Rennens. Meine Beine werden langsam müde…aber jetzt ist es nicht mehr weit. In den finalen km des Timmelsjoch kommt was ich befürchtet habe: Krämpfe 🙁 die kommen und gehen zum Glück. Ich wünsch mir, daß mich meine Beine erhören und mich nicht im Stich lassen. Mein Speed ist nicht mehr hoch, ich brauche das 28er dauerhaft, aber egal, Hauptsache ich komme den Berg irgendwie hoch. Nach dem letzten Tunnel plötzlich die Stimme von Niklas. Super, er hat sich in kühleren (noch immer warmen) Abschnitt des Timmels erholt. Nach 2Std 8min fahre ich dann in 2506m Seehöhe auf der Passhöhe über die Staatsgrenze und bin fast daheim. In den ersten km der Abfahrt kann ich mich wieder einigermaßen erholen und so ist die letzte Steigung zur Mautstelle das letzte große Hindernis. Ich könnte schneller als wie 2015 sein (8h29min) sein. Wir stürzen uns gemeinsam in die letzten 20km Richtung Sölden. Leider geht’s mir nicht mehr so gut, das Treten fällt richtig schwer, mein linkes und rechts Bein melden sich abwechsend ab und versagen ihren Dienst. So muss ich Niklas im Flaschstück nach Obergurgl ziehen lassen und bin nun auf mich alleine gestellt….Dann endlich: die Ortstafel Sölden, dann die Flamme Rouge, dann die 500m Marke (direkt vor unserem Hotel), ich geb noch mal alles, jetzt nur kein Sturz in der Zielkurve.

 

Das Ziel: Sölden – 1377m

Nach 8Std 19min (offiziell) und 8Std 15min nach SRM fahre ich erschöpft, aber glücklich unter dem Red Bull Ziel Bogen durch. Damit bin ich 10min schneller als wie vor einem Jahr ! Das passt ! Im Zielbereich warten schon Markus, Werner und Alex (der sein Tempo durchziehen kann), die schneller sind als wie ich. Super !  Am Ende erreichen wir mit dem Radsport Team Gaimersheim ein sehr gutes Ergebnis (Pos = overall):

POS NAME TIME [h:min:sec]
151 MEYER, Markus 7:58.09
154 HÜGEL, Werner 7:58.23
235 GEITH, Alexander 8:12.01
268 FINKE, Niklas 8:16.31
275 BRUNNEGGER, Thomas 8:19.14
711 GABLER, Thomas 9:01.44
546 NIENHOLD, Marcel 11:01.51
1359 KÖPF, Peter 11:09.05

 

4 – Die Sieger

Es gewinnt erstmals Bernd Hornetz aus Karlsruhe vom bayrischen Team Corratec (mit Berndl, Öttl) in 6h57min vor dem ex-Profi Joerg Ludewig, Team Alpecin und dem besten Italiener Stefano Cecchini. Bei den Damen gewinnt Laila Orenos mit der neuen Damen Rekordzeit von 7h42min vor der Italienerin Simona Parente und der Tirolerin Daniela Pintarelli. In Wirklichkeit sind ALLE, WIRKLICH ALLE Sieger, die diese Marathon Distanz heute erfolgreich beenden !!

 

5 – Links
Veranstalter

https://www.oetztaler-radmarathon.com/de

Ergebnisse

https://services.datasport.com/2016/velo/oetztaler/

Foto

https://www.sportograf.com/de/shop/event/3240-tztaler-Radmarathon-2016

 

 

6 – Conclusion

Im Ziel sind alle in unserem Team sehr happy mit dem Erreichten und Erlebten, auch wenn es für alle besonders am Timmelsjoch sehr schwer ist, wollen wir wieder kommen. Markus und Werner sind sehr glücklich mit Ihrer U8Stunden Zeit, Alex wächst über sich hinaus und zeigt, dass er nicht nur in Kelheim sehr schnell ist, sondern auch im Hochgebirge schnell ist (eben unser Presi…), Niklas fährt eine Top Zeit bei seiner Ötzi Premiere, Thomas ist nur ganz über der 9h Schallmauer, Marcel ist sehr froh nach der Verletzung das Ziel zu sehen und Peter hat eine so grosse Freude, dass er neues RTG Mitglied wird um im nächsten Jahr mehr Rennen mit uns zu bestreiten. Ich bin mit Verbesserung gegenüber 2015 (10min) beim ersten Rennen mit meiner Desiree (GIANT TCR Advance SL0) sehr happy. Dem “Nie mehr dieses Timmelsjoch” folgt beim gemeinsamen Abendessen in Sölden: “jo, nexts Jahr, jo do sin ma wieda dabei…).  Alex sagt: “Der Ötztaler und ich – wir waren bis jetzt keine besten Freunde. Fairerweise muss ich mir auch selbst eingestehen, dass die Vorbereitung bei meinen ersten beiden Teilnahmen etwas dürftig war. Dieses Jahr hab ich mich besser darauf vorbereitet, was das Ergebnis auch widerspiegelt. Mir hat es auf jeden Fall viel Spaß gemacht und es war sicher nicht mein letzter Ötztaler, am Liebsten gleich nächstes Jahr wieder, die „Fehler“ von diesem Jahr sind auf jeden Fall schon ermittelt – Attentione prego!”

Am Ende  ist und bleibt der Ötzi für uns alle DAS Highlight unter den Granfondos / Radmarathons, dank hervorragender Organisation, sehr schwieriger Strecke und Top Stimmung !

 

 

7 – DANKE !!!

Möchte mich an dieser Stelle im Namen des Team recht herzlich bei Eva und Boris für die hervorragende Verpflegung am Brenner bedanken !

Möchte mich an dieser Stelle auch bei Thomas Heller vom Team Radsport Heller in Kipfenberg und die Fa. Airstreeem aus Salzburg für die neuen Airstreeem Teams SL33 Laufräder, sowie bei der Fa. Hero Bikes in Roth für die Komponenten zum Aufbau meines GIANT TCR Advanced SL0 recht herzlich bedanken !!! 

…Hoffentlich fahren mit dem GIANT nächstes Jahre viele RTG Kollegen…

 

for RTG

Brunni

31 AUG 2016