RTG race report: Maratona dles Dolomites, So-03 JUL 2016

Mit 9500 Radfahrern in den Dolomiten !

Corvara, Südtirol (ITA)

 

1 – Das Event

Ein Highlight für alle Marathonis ist die „Maratona dles Dolomites“ (Maratona Dolomiti, Dolomiten Marathon) in Südtirol und Italien, der alljährlich am ersten Juli Sonntag stattfindet. 2016 stand die 30te Auflage dieses Klassikers mit 9500 Startern auf dem Programm. Bei der ersten Auflage im Jahre 1987 waren es 178. Start ist in La Villa/Stern im Gader Tal/Val Badia, Ziel ist in Corvara/Kurfar. Im Gader Tal wird wie auch im Grödner und Fassa Tal ladinisch, deutsch und italienisch gesprochen. In Alta Badia wird auch alljährlich im Dezember der superschwere Herren RTL im Schi Weltcup ausgetragen. Von der Startlinie des Marathons hat man direkt einen Blick auf den steilen Zielhang.
Die 14. Etappe des Giro d‘ Italia 2016 von Alpago nach Corvara über 214km führte praktisch über die komplette Strecke der Maratona. Wohl kein Zufall, denn der Maratona Titelsponsor ENEL ist auch Sponsor der Maglia Rosa. Sieger der Königsetappe war Esteban Chaves (COL) vor Stephen Kruijswijk (NED) und meinem steirischen Landsmann Georg Preidler. Der Italiener Vincenzo Nibali feierte am Ende nach großem Kampf seinen zweiten Giro Gesamtsieg.

2 – Das Team

Unser Radsport Team Gaimersheim (RTG) ist auch diesmal wieder für unseren Freund Hubert Stöffel mit dem Radteam Aichach 2000 in folgender Besetzung am Start:

Böhm, Jürgen Brunnegger, Thomas Finke, Niklas
Gabler, Thomas Hagg, Stefan Hügel, Werner
Kopold, Thomas Rebel, Jens Roiger, Ernst
Schödl, Matthias Speth, Michael Tratz, Bernhard

Als Gaststarter haben wir Benjamin Weis und Rainer Wolf im Team. Werner Hügel tritt nach Ende der Transalp (und Jakobs Sturz) nicht an. Wir möchten Jakob die besten Genesungswünsche nach seinem schweren Sturz aussprechen. Jens Rebel startet verletzungsbedingt nicht wird aber als Betreuer und Fotograf am Campolongo aktiv sein. Vielen Dank an Hubert und Marianne für die Startplätze und die Hilfe bei der Hotel Suche !

3 – Die Strecke

Es stehen folgende 3 Strecken zur Auswahl:

Percorso / Strecke Lunghezza   Länge – km      Dislivello / Höhenunterschied – m

Corto / kurz      55km – 1780m

Medio / mittel   106km – 3090m

Lungo / lang     138km – 4190m

Die Wahl der Strecke kann individuell während dem Rennen erfolgen. Der Marschplan ist klar: Wir fahren die „Lange“. Zunächst geht es für alle auf die Sella Ronda mit Campolongo, Pordoi, Sella und Grödner Joch. In Corvara fährt man auf der kurzen Runde schon ins Ziel. Für uns geht es ein zweites Mal auf den Campolongo. In Cernadoi muss man sich dann für Medio oder Lungo entscheiden. Auf der Medio geht’s über Falzarego/Valparola ins Ziel. Auf unserer langen ist zunächst der „Hügel“ Colle Santa Lucia zu überwinden, bevor der Höhepunkt und gleichzeitig der Scharfrichter der Maratona wartet. Der Giau ! Dann geht’s bergab Richtung Cortina (dem berühmten italienischen Wintersportort), wo dann der achte und letzte Berg des Tages wartet: der Falzarego/Valparola. Am Schluss ist dann noch das ansteigende Tal von La Villa nach Corvara zu überwinden, seit 2014 aber zusätzlich mit der kurzen und giftigen Steigung „Muir del Giat“ (die Katermauer) in LaVilla.

4 – Das Rennen

Sonntag morgen bewahrheiten sich leider die relativ schlechten Wettervorhersagen, dh es ist bewölkt, relativ kühl und die Strassen sind nass, aber gottlob gibt es zumindest keinen Regen. So geht’s mit vielen, vielen Radfahrern von Colfosco aus in die Startaufstellung nach La Villa. Und: die Stimmung ist bei den Meisten im Team nach dem Sieg der Deutschen gegen Italien im Viertelfinale der EURO 2016 (König Fussball :-)) gut, auch wenn die Nacht vor dem Rennen relativ kurz war.

Start / Partenza – La Villa / Stern – 1436m

Viele Prominente sind auch im Starterfeld der Maratona: der Südtiroler Schifahrer Manfred Moelgg, BMW Werksfahrer und Paralympics Sieger Alex Zanardi im Handbike. und der er ital. ex-Juve Profi Fabrizio Ravanelli (die weisse Feder). Als Gast von Pinarello ist der Spanier Miguel Indurain, 5x Tour Sieger von 1991 bis 1995, 2x Giro Sieger (dh, 2x Double) der große Star. Wir sind diesmal auf alle 4 Startblöcke (rot, grün, blau, gelb) aufgeteilt. Jürgen hat nach seiner Top Zeit in 2015 die Ehre im Block „rosso – ENEL“ ganz vorne, gemeinsam mit den Schnellsten zu starten (wie auch Werner).

Berg 1 – passo Campolongo – 1875m

Der erste Berg des Tages ist flach und mit 6km kurz, aber ich hab wie erwartet sehr, sehr viel Verkehr. Mühevoll kämpfe ich mich nach vorne (diesmal für mich ohne Defekt wie vor Jahresfrist). Um die Schönheit der Landschaft und das unbeschreibliche Spektakel inszeniert von 9500 Radfahrern auf der Bergstraße zu genießen haben wir keine Zeit. Auch in der ersten Abfahrt Richtung Arabba gilt es höllisch aufzupassen, denn es ist richtig viel los und die Strassen sind nass.

Berg 2 – passo Pordoi – 2239m

Der Pordoi, der am öftesten befahrene Dolomiten Pass des Giro d’ Italia mit dem Fausto Coppi Denkmal auf der Passhöhe ist der zweite Berg des Tages, 9.2km lang mit unzähligen Kehren. Nach gut 35min bin ich auf der Passhöhe und steck mir den ersten Riegel in den Mund. In der kurzen Abfahrt ist jetzt noch recht kühl, ist ja klar, ist auch erst 08:15h !!!

Berg 3 – passo Sella – 2244m

Auf halber Länge des Pordoi, dann die Kreuzung zum Sella Joch, also scharf rechts ! Links geht’s weiter runter nach Canazei. Am Sella, dem steilsten Anstieg der Sella Runde lockert sich das Feld ein wenig auf und ich kann mein Tempo fahren. Nach 5.5km überquere ich die Passhöhe und es geht in die gefährliche Abfahrt. Zum Glück teilweise mit neuer Asphalt Decke.

Berg 4 – Grödner Joch (passo Gardena) – 2121m

Wieder geht’s scharf rechts, bitte nicht nach links, denn da kommt man ins Grödner Tal. Nach 19min ist auch dieser Pass geschafft und es geht in die wunderschöne und kurvenreiche Abfahrt nach Corvara. Hier ist nun die Sella Runde, d. h. Teil 1 des Marathons beendet. Sehr wichtig ist es hier nun die richtige Gasse zum Passo Campolongo zu finden, denn ansonst ist man schon im Ziel des percorso corto. Aber 55km sind mir für ein Rennen einfach ein bisschen zu wenig.

Berg 5 – passo Campolongo 2 – 1875m

Viele, viele begeisterte Zuschauer säumen nun die Strassen bei der zweiten Ortsdurchfahrt von Corvara, sowie in den Kehren der Steigung. Am Ortsausgang wartert Jens mit der ersten Verpflegung: tausche meine Flaschen aus. Vielen Dank für den Support ! Die Straße ist nun endlich frei und jeder kann sein eigenes Tempo fahren. Auch die Abfahrt nach Arabba macht jetzt mehr Spaß. Von hier gibt es praktisch das einzige Flachstück dieses Rennens. Es geht Tal auswärts nach Andracz. Hier muss man sich nun entweder für percorso medio, also links ab Richtung Falzarego oder für perscorso lungo, also rechts ab entscheiden. In der Abfahrt vom Campolongo muss ich überraschend feststellen, daß mein Bremsenverschleiß übermäßig hoch ist und so entscheide mich für die „Medio“ um kein unnötiges Risiko einzugehen.

Berg 6 – Colle Santa Lucia – 1484m

Der sechste Berg des Tages ist im Vergleich zu den anderen wohl nur ein Hügel, obwohl 2.5km bergauf zuhause im Altmühltal schon als Berg eingestuft werden. In dem Anstieg hat man eine schöne Aussicht auf die mächtige Monte Civetta und die Marmolada, die Königin der Dolomiten genießen.

Berg 7 – passo Giau – 2236m

Der gefürchtete Giau, Schauplatz vieler Schlachten beim Giro ist der entscheidende Berg des Tages: 10km mit praktisch 10% Steigung im Schnitt. Hier muss jeder Rennfahrer kämpfen, egal ob er für den Anstieg 35min (die Besten), 1Std oder länger braucht.

Berg 8 – passo Falzarego- 2117m / Valparola – 2200m

In Pocol geht’s links ab in den letzten Berg des Tages, den „flachen“ Falzarego. Aber der Berg ist nicht so flach wie er am Papier ausschaut, jedenfalls stellt der 10km lange Anstieg nach der der Renndistanz eine echte Herausforderung dar. Oben auf der Falzarego Passhöhe kreuzen sich dann wieder lange und mittlere Strecke (ich komme da von der linken Seite) und es geht zur letzten Bergwertung des Tages: dem Passo Valporola ! Hier heißt es kurz vor dem Passchild nochmals lächeln für die Fotografen, bevor es in die finale und superschnelle Abfahrt ins Gadertal geht.

Ziel / Arrivo – Corvara (Kurfar) – 1520m

Die Abfahrt vom Valparola ist die schnellste des Tages, ich hab deutlich mehr als 80 auf der Uhr und kann nochmals Kräfte sammeln für das Finale. In La Villa steht dieses Jahr erstmals ein letztes Hindernis auf dem Streckenplan: „Die Katermauer“: nur 400m lang, aber 13% steil. Das ist nicht lang, aber nach 132km ist schon ein Ding. Angefeuert von vielen Zuschauern schaffen wir auch den Berg. Nach der der Flamme Rouge geht’s direkt reine nach Corvara. Hier ist die Strasse links und rechts gesäumt mit Sponsor Plakaten, ich wähne mich bei einem Profi Rennen.

Für alle Finisher gibt es im Ziel eine Medaille, eine Kappe ! Im umfangreichen Startpaket sind eine hochwertiges Trikot und eine Weste von Castelli enthalten (diese Teile passen wirklich). Mit Gutscheinen gibt es im Überfluss zu essen und zu trinken. Bei dem heutigen cal Verbrauch ist das auch nötig. Am Ende erreichen alle aus unserem Radsport Team Gaimersheim erfolgreich das Ziel: Jürgen ist unser Schnellster mit 5h15min (P51 Gesamt, P8 classe). Damit ist er schnelllster Deutscher. Herzliche Gratulation ! Bernhard folgt ihm mit 5h35min, Niklas 5h38min (aus dem gelben Startblock), Stefan 5h54min (erstmals unter 6h), Thomas K 6h20min, Thomas G 6h28min, Ernst 6h40min, Matthias 6h54min,  Rainer 6h18min.

Ich bin mit 4h12min auf P69 (P15 classe) auf der medio mit 106km. Benjamin finished die Medio in 5hs3omin, Michael  in 6h15min. In der Team Wertung „Trofeo SELLE ITALIA a squadre“ belegen wir mit Radteam Aichach 2000 den zweiten. Gratulation unserem ganzen Team zu den grossartigen Leistungen und vielen Dank an Hubert Stöffel für die Organisation

5 – Die Sieger

Die Lange gewinnt der Italiener Christian Nardecchia in 4h40min vor dem Sieger von 2014 Stefano Checcini und Vorjahressieger Luigi Salimbeni, auch aus Italien.

Bei den Damen gewinnt Barbara Lancioni in 5h14min vor Simona Parente (beide ITA) und der gebürtigen Hamburgerin Astrid Schartmüller (Maratona Siegerin 2014 und regierende UWCT Weltmeisterin) aus Meran.

6 – Links
Veranstalter

www.maratona.it

Ergebnisse

http://services.datasport.com/2016/velo/maradolo/

Fotos

https://www.sportograf.com/it/shop/event/3226-30-Maratona-dles-Dolomites-2016

Video

http://www.rai.tv/dl/replaytv/replaytv.html?day=2016-07-03&ch=3&v=688473&vd=2016-07-03&vc=3#day=2016-07-03&ch=3&v=688473&vd=2016-07-03&vc=3

Das Rennen wurde über 5Stunden im italienischen Fernsehen live (RAI3) übertragen ! Einfach sensationell !

Giro d‘ Italia, tappa 14, Sabato-21 Maggio 2016:

http://www.giroditalia.it/eng/stage/tappa-14/

Presse

http://www.sportnews.bz/de/weitere-sportarten/radsport/news-detail/news/maratona-dles-dolomites-knapp-9000-radler-sorgen-fuer-ein-wahres-fest.html

 

7 – Conclusion

Das Wichtigste am Ende des Tages: Alle von uns sind trotz der schwierigen Bedingungen wieder gut in Corvara angekommen. Aufrichtige Gratulation unserem kompletten Team zu den Super Zeiten! Generell ein Super Event, wir werden 2017 wohl alle wieder kommen….und dann hoffentlich wieder mit besserem Wetter. Am Ende eine superschöne und großartige Veranstaltung. Grosses Kompliment an die Organisatoren ! Prädikat: Sehr empfehlenswert, egal wie schnell man fährt, Radfahren in den Dolomiten ist einfach super. Ich komme auf alle Fälle wieder hierber, egal ob zum Rennen, zum Trainieren oder mal zum Urlaub machen und Schifahren, denn diese Reise über den Brenner zahlt sich immer aus…

Nun freuen wir uns auf Kelheim in 2 Wochen und hoffen, daß Jakob und Jens auch bald wieder fit sind ! Wir möchten auch die besten Genesungswünsche an Marcel übermitteln, der heute beim Engadin Radmarathon gestürzt ist !

8 – RTG Ausblick

Die nächsten Events für das Radsport Team Gaimersheim sind folgende:

Sa-16/So-17 JUL   24h Kelheim (Bayern)

So-31 JUL               Arber Radmarathon, Regensburg (Bayern)

 

For RTG Servus

Brunni + Jens

(Text + Fotos)

Bilder vom Campolongo:

Impressionen:

 

Presse: