Rothaus Riderman 2015 (3-Etappen-Rennen)

RTG 2015: Rothaus Riderman, Bad Dürrheim (Schwarzwald)
Bericht von Jens

1 – Das Event
Der Radsport-Klassiker im Schwarzwald fand dieses Jahr bereits zum 16. Mal statt und zog ca. 600 Jedermänner und -frauen aus insgesamt 18 Nationen nach Bad Dürrheim. Das 3-Etappen-Rennen mit Tages- und Gesamtwertungen war auch in diesem Jahr das vorletzte Event des German Cycling Cups (GCC), Deutschlands größter Rennradserie für Hobbyfahrer. Daher standen neben zahlreichen starken Einzelakteuren auch die namhaften Jedermann-Teams wie z.B. Team Merkur Druck (mit Manni), Strassacker (mit Boris), Freistaat Soli Dachau (mit Niklas) oder Bürstner Dümo (mit Amateur-Doppelweltmeisterin Katharina Venjakob und Amateur-Weltmeister Christian Müller) am Start. Die Farben des Radsport Team Gaimersheim präsentierten dieses Jahr bei bestem Wetter leider nur Markus und ich.

2 – Anreise, Unterkunft, Drumherum
Markus und ich haben uns für das Event aufgrund der guten Wetterprognosen ganz spontan entschieden. Die Nachmeldung direkt vor Ort ist etwas teurer (120€ statt 99€-110€ je nach Zeitraum), aber problemlos möglich. Erst einen Tag vor der Anreise machten wir eine Hotelreservierung, leider etwas außerhalb von Bad Dürrheim und recht teuer. Für die Anreise von Ingolstadt muss man für die 330km ca. 3,5h einrechnen.
Nach der Akkreditierung und einem kleinen Mittagessen schauten wir uns den Startbereich und die ersten Fahrer des Einzelzeitfahrens (Start ab 14:00 Uhr) an. Durch unsere späte Nachmeldung bekamen wir mit 17:50 Uhr fast die letzten Startzeiten. Aber ideal, denn wir konnten uns vorab im “Haus des Gastes” noch über freie Unterkünfte informieren und schließlich eine kleine Ferienwohnung (http://www.parkblick.com/) unmittelbar neben dem Startbereich buchen. Super, denn auch Freunde vom Team Rheinhessen (Klaudius, Alex und Flo) waren hier untergebracht. Unsere Hotelreservierung konnten wir kostenfrei stornieren.
Die Radsporttage spielen sich alle im Zentrum der Stadt rund um das “Haus des Gastes” und das “Haus des Bürgers” ab. In Letzterem gab es nach den Rennen eine Pasta-Party (7,50€ all you can eat), die Siegerehrungen, eine Highlight-Bildershow sowie eine Streckenbeschreibung des nächsten Rennen. Das Expo-Gelände ist umringt von den beiden Häusern sowie dem Start-/Zielbereich.

3.1 – Fr., Einzelzeitfahren, 16km / 200 Hm
Den Auftakt des RiderMan bildet ein Einzelzeitfahren auf welligem Terrain. Gestartet wird professionell von einer Rampe im 20sec Abstand. Weniger professionell dagegen meine Zeitfahr-Ausstattung: Straßenmaschine ohne Lenkeraufsatz oder gar Scheibe, normaler Helm. Damit stand ich ziemlich alleine dar, da hier von fast allen richtig geile Zeitfahrmaschinen samt Aero-Equipment gefahren wurden.
Ich ging direkt vor Markus auf die Strecke (er immerhin mit Lenkeraufsatz und Zipfelhelm). Nach meinen Erfahrungen beim Zeitfahren der Staffel in Ingolstadt fuhr ich mit konstanten 300 Watt vom Start weg in Richtung des Anstiegs. Hier legte ich etwas mehr auf, trotzdem konnte mich Markus auf halber Strecke des Anstieges überholen. Ich versuchte dran zu bleiben (natürlich abseits des Windschattens), trat dadurch aber deutlich über meinem Niveau. In der Abfahrt musste ich etwas rausnehmen, kam dann aber im schnell durchfahrenen Kreisel wieder an Markus ran, der fälschlicherweise bereits hier den Wendepunkt vermutet hatte. Danach lief es bis zum Wendepunkt richtig gut, ich hatte einen guten Tritt. Der Weg zurück war aufgrund der Windrichtung (zum Glück nur eine leichte Priese) deutlich schmerzhafter. Mein Tritt wurde zunehmend unruhiger und kraftloser, Markus hatte ich bereits aus den Augen verloren. Die letzten Höhenmeter über den Anstieg waren brutal, daher ließ ich es bergab in aerodynamischer Position nur rollen. Im Ziel standen für mich 24:52 min zu Buche – trotz persönlicher Bestleistung mit 312 Watt nur Platz 170 Gesamt und damit fast 4 min langsamer als Sieger Manuel Kirfel (Schnitt 45,9 km/h). Das sollte mir hoffentlich eine Lehre sein…
Markus fuhr hervorragende 23:31 min und damit auf Platz 49 Gesamt. Bei den Frauen siegte die Amateur-Zeitfahr-Weltmeisterin Katharina Venjakob in 23:58 min.     

3.2 – Sa., Straßenrennen, 109km / 1600 Hm
Die zweite Etappe führte die Teilnehmer über eine hügelige und abwechslungsreiche Strecke. Die Zeit des Einzelzeitfahrens war mir nicht wirklich wichtig, blöd nur, das sich nach dem Ergebnis des Einzelzeitfahrens die Startblöcke für das Straßenrennen am Samstag einteilten. Ich stand damit nur in Startblock B, Markus konnte aus Startblock A starten. Es wurde zunächst exakt die Strecke des Einzelzeitfahrens gefahren. Dadurch gab es bereits wenige Kilometer nach dem Start am Anstieg eine deutliche Auflockerung des Feldes.
Ich legte vom Start weg alle Kräfte in die Anschlussjagd an die Spitzengruppe (ca. 40min mit 300 Watt). Es ging von Gruppe zu Gruppe, bis ich schließlich einige Verbündete gefunden hatte und wir doch etwas abwechselnder um jede Sekunde kämpften. Bei Kilometer 16 spielte uns ein Bahnübergang in die Karten, der die wenigen letzten Sekunden Rückstand auf die Spitzengruppe schmelzen ließ. Ich versuchte nun am Ende des Feldes zu regenerien, doch leider kam die erste Bergwertung viel zu früh und ich hatte nicht mehr die Power, der Spitze zu folgen.
Aber immerhin war ich nun in einer Gruppe mit meinen Freunden Flo und Klaudius. Wir fuhren durchweg ein hartes Tempo, versuchten immer wieder alle zum Kreiseln zu motivieren und konnten nach und nach einige aus den Spitzengruppen einfangen. Die letzten beiden Bergwertungen waren brutal, da mein rechter Oberschenkel kurz vorm Krampf war (wobei es vielen so erging). Nun fuhren wir sogar noch auf eine größere Gruppe auf und jeder versuchte, vorzeitig den Sprung nach vorne zu schaffen (unter anderem Daniel Knyss). Doch wir konnten die Gruppe halten und die Einzelattacken abwehren. Erst in der letzten Kurve hinein nach Bad Dürrheim hatten wir die große Gruppe vor uns gestellt und es entbrannte ein letzter Kampf um den Sprint. Hier hatte ich aber keinerlei Körner mehr und finishte so nur auf Platz 121 mit 03:07 h. Markus fuhr fast 10 min schneller auf Platz 42. Es gewann Marek Bosniatzki mit 02:51 h, die Siegerin bei den Frauen Anne Falk fuhr mit mir über den Zielstrich.

3.3 – So., Straßenrennen, 95km / 1300 Hm
Zum Abschluss am Sonntag ging es über das abwechslungsreiche Terrain der Baar mit einem Abstecher in die wunderschöne Wutachschlucht. Diesmal reichte mein Gesamtrang für einen Start aus Block A, gemeinsam mit Markus, Klaudius und Flo. Super, das versprach mal einen lockeren Start mit Gelutsche im Feld und die Konzentration auf die Bergwertungen.
Doch leider total verfehlt: Bereits wenige Kilometer nach dem Start kam es auf einer recht engen, aber kerzengeraden Straße bei hohem Tempe (45-50km/h) zum Massensturz. Bestimmt 40 Fahrer gingen zu Boden und teilten das Feld in Spitze und Verfolger. Wir hatten riesig Glück, waren nämlich die erste Reihe die noch rechtzeitg bremsen konnte und dem Bodenkontakt entkam. Jedoch war die Straße komplett versperrt und bis sich das Geknäule löste, vergingen ca. 30sec.
Nun hieß es wieder alles zu investieren um Anschluss an die Spitze zu bekommen. Kurz vor der ersten Bergwertung waren wir dran, jedoch ging es zunächst noch auf freiem Stück bei starken Gegen- und Seitenwind am Ende des Feldes extrem hart zu. Ich war schlecht positioniert und musste mehr als 3min >350 Watt investieren. Kurz vor der Explosion kam die Bergwertung einer kleinen Befreiung für mich gleich, jedoch verlor ich abermals die Spitzengruppe.
Gemeinsam mit Klaudius hatte ich aber eine gute Gruppe erwischt, unter anderem wieder mit der schnellsten Frau Anne Falk und ihrem Wingman. In der ersten Bergwertung am Ende der Wutachschlucht (wurde 2x gefahren) musste ich die starke Gruppe etwas ziehen lassen, kämpfte mich aber als Solist bei Gegenwind auf der Hochebene wieder ran. Beim zweiten Mal erging es mir besser und ich konnte fortan die Gruppe gut halten und das Tempo mitbestimmen.
Am letzten Anstieg versuchte ich nochmal die Flucht nach vorne, konnte mich aber nicht entscheidend absetzen. Die gefährliche Abfahrt auf einem schmalen Wirtschaftsweg war für fast alle überstanden (einer der Gruppe machte einen Purzelbaum auf der Wiese) und es ging wie an allen Tagen über die rasante Abfahrt (> 70 km/h, 2 km vor Schluss) nach Bad Dürrheim. Im Sprint konnte ich mich diesmal besser positionieren und hatte auch noch mehr Reserven um schließlich nach 02:44 h auf Platz 112 zu finishen. Markus erreichte das Ziel nach 02:39 h auf Platz 80. Es gewannen der Amateur-Weltmeister Christian Müller mit 02:31 h bzw. Anne Falk mit 02:44 h.

Ergebnis Gesamtwertung:
Markus: 06:00:11 h, Platz Gesamt 49. von 505, Platz AK 19. von 145
Jens:     06:15:34 h, Platz Gesamt 99. von 505, Platz AK 31. von 145

4 – Links
Ergebnisse http://www.abavent.de/anmeldeservice/riderman2015/ergebnisse
Details http://de.riderman.de/
Fotos http://www.sportograf.com/de/shop/event/2931-Rothaus-Riderman-2015

5 – Fazit
Der Riderman ist einfach ein gigantisch tolles Event für Rennradler: Drei Rennen an einem sonnigen Wochenende, wunderschöne Strecken, starke und namhafte Konkurrenz und ein Hauch vom Profi-Gefühl (Teams, Gesamtwertung mit Leader-Trikots, “Prolog” ist das Einzelzeitfahren, Begleitmotorräder und -fahrzeuge, neutrale Service-Motorräder, gesperrte Straßen in Deutschland)!
Uneingeschränkt empfehlenswert – im nächsten Jahr hoffentlich mit einem Radsport TEAM Gaimersheim. 🙂

Servus
Jens

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