RTG 2015: Oetztaler Radmarathon, Sölden / Sonntag – 30 August

Granfondo, 238km / 5500HM

1 – Die Vorbereitungen
Am letzten August Sonntag fand das Saison Highlight in Sachen Radmarathon bzw. Granfondo statt: der Ötztaler Radmarathon im Tiroler Sölden (Österreich), von vielen liebevoll nur “Ötzi” genannt.

Will gar nicht viele Worte verlieren, weil den Radmarathon kennt ein jeder und (fast) jeder will mitfahren, obwohl der Ötzi als der schwerste (oder gerade deswegen ?) gilt. Die Eckdaten sind bekannt: 238km mit 5500HM. Start und Ziel in Sölden, dem berühmten Tiroler Wintersport Ort. Auf der Strecke in Tirol und Südtirol (Italien) sind 4 Pässe zu bezwingen: Kühtai, Brenner, Jaufenpass (passo Giovo), Timmelsjoch (passo Rombo).

Unser Radsport Team Gaimersheim ist diesmal mit 1 Frau und 5 Mann am Start: Judith, Bernhard, Jens, Werner, Markus, Brunni. Boris am Brenner und Conny am Jaufen sollten uns verpflegen.

Eine sehr wichtige Sache war diesmal relativ klar: das Wetter sollte am ganzen Sonntag sehr schön, sonnig und sogar heiss sein.

2 – Das Rennen

Der Start: Sölden
Werner, Markus, Bernhard und ich durften im Startblock 1B Aufstellung nehmen. Jens startete aus Bock 2. Wir hatten sehr angenehme 15Grad um 06:45 ! Die Stimmung war gut. in der Startaufstellung hatteen wir noch Zeit um Fotos zu machen.

Berg 1: Kühtai
Nach dem Warm up durch das Oetztal stand in Ötz der erste Berg des Tages auf dem Programm: das Kühtai. Das ist teilweise sehr steil, hat aber immer wieder Flachstücke dazwischen zum erholen. Hatte mir bis Ötz eine gute Position im Feld erkämpft. Im Anstieg fuhr ich sehr kontrolliert mein eigenes Tempo. Der Tag sollte noch lang werden…. Markus und Werner stürmten direkt nach vorne. Bernhard hat mich zunächst zur Hälfte des Anstieges eingeholt, um sich dann von mir abzusetzen. Nach 1h10min hab ich das Passschild in gut 2000m Seehöhe erreicht. Soweit alles gut: Traumhaftes Wetter, sehr viele Zuschauer, ein herrliches Berg Panorama und ich fühlte mich ganz gut. Nach der superschnellen Abfahrt (mit 3 stelligen Geschwindigkeiten) über Sellrain ging es nach Kematen. In der Abfahrt konnte ich wieder einige Plätze gut machen. Im einzigen flachen Stück nach innsbruck kann mit ein paar Rennfahrern schnell zu einer grossen Gruppe aufschligeßen in der auch Bernhard ist.

Berg 2: Brenner
In Innsbruck der zweite Berg des Tages: Der Brenner. Ist eigentlich kein Berg, aber immerhin sind es 30km. Das Tempo in der Gruppe ist nicht so schnell, aber um Körnern für später zu sparen gerade recht. Erfreulicherweise kann Jens zu unserer Gruppe aufschließen. Der hatte einen Blitzstart hingelegt. Mit 3 orangen Trikots in der Gruppe und mit den schnellsten Damen (Mona, Nadja, Astrid, Janine) des Rennens geht’s Richtung Passhoehe. Leider muss ich aufgrund eines Sturzes vor mir kurz aus den Pedalen, so verliere ich den Anschluss an Bernhard und Jens. Kurz vor der Grenze unsere erste Verpflegung: Boris wartet auf uns mit Flaschen und Riegel. An der Grenze Tirol / Südtirol auf der Passhöhe ist Halbzeit des Rennens. Wir haben 120km gemacht. Die Durchgangszeit passt. Zwar ein bisschen langsamer als wie letztes Jahr, aber die entscheidenden Streckenabschnitte kommen noch. Gut verpflegt geht’s über Gossennass nach Sterzing (Vipiteno).

Berg 3: Jaufenpass
In Gasteig nun der Einstieg in den dritten Berg des Tages: den Jaufenpass (passo Giovo). In der Vergangenheit schon Schauplatz legendärer Giro Etappen (1994 Marco Pantanis Attacke mit Sieg in Meran. Sein erster grosser Auftritt, weitere sollten folgen…). Der Jaufen 15km lang, mit einer sehr gleichmässigen Steigung von etwa 6%, sehr schön zu fahren, „pedalibile“sozusagen. Ich fahr auch hier meine pace. Gut ich könnte schneller, aber das bringt nix, immer das Timmelsjoch im Hinterkopf. In Kalch überhole ich Jens. Beim Jaufenhaus, der Passhöhe schon in Sichtweite wieder Brotzeit: Wir werden von Conny (Mit Markus auf P7 bei der Transalp 2015 !) mit Flaschen und Essen versorgt. Nach dem kurzen Stop sind die letzten Kehren auch kein Problem. Werde von Ludwig, der wie immer einige sehr schnelle Rennfahrer betreut frenetisch angefeuert. Vielen Dank dafür ! Nach dem Passübergang in 2090m dann die lange und technisch anspruchsvolle 20km Abfahrt ins Passeiertal bei sommerlichen Temperaturen. Nur nicht zuviel Risko sag ich mir.

Berg 4: Timmelsjoch
In St. Leonhard im Passeiertal, Geburstort des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer geht’s nun in das Finale des Ötztalers: das gefürchtete Timmelsjoch steht an! fast 30km lang, mit 1800HM am Stück. Ich fühle mich noch immer gut, fahre relativ locker das erste Stück bis Moos. Im Teil 2 muss ich schon härter kämpfen und brauch auch immer wieder mal das 28er. Aber wurscht einfach weiter. In dem Streckenteil holt mich Christina ein, ihre speed kann ich leider nicht mitgehen 🙁 Kann Bernhard überholen. Ich atme auf als ich endlich das Flachstück erreiche, meine 2 Flaschen vom Jaufen sind schon fast leer. Daher nächster Tankstop in Schönau an der letzten Verpflegungsstelle des Rennens. Meine Beine werden langsam müde…aber jetzt ist es nicht mehr weit. In den finalen km des Timmelsjoch kommt was ich befürchtet habe: Krämpfe :-.( die kommen und gehen zum Glück. Ich wünsch mir, dass mich meine Beine erhören und mich nicht im Stich lassen. Mein Speed ist nicht mehr hoch, bin viel langsamer als wie 2014, aber egal, Hauptsache ich komme den Berg irgendwie hoch.

Nach 2Std 10min (die Zeit ist nicht so gut…) fahre ich dann in 2506m Seehöhe auf der Passhoehe über die Staatsgrenze und bin fast daheim. In den ersten km der Abfahrt kann ich mich wieder einigermassen erholen und so ist die letzte Steigung zur Mautstelle kein Problem. Hier der Blick nach vorn, nach hinten und auf meine Uhr: ich bin alleine, könnte aber noch unter 8,5Std bleiben. So stürze ich mich in die letzen 20km Richtung Sölden. Alleine rollt es nicht so gut, vor allem wenn das Treten richtig schwer fällt. Dann endlich: die Söldner Ortstafel, dann die Flamme Rouge, dann die 500m (direkt vor unserem Hotel), ich geb noch mal alles, jetzt nur kein Sturz in der Zielkurve.

Das Ziel: Sölden
Nach 8Std 29min (offiziell) und 8Std 24min nach SRM fahre ich glücklich durch den Red Bull Ziel Bogen. Ich war schon mal schneller beim Ötzi, aber so hart wie heute war es noch nie. War es die Hitze ? Ich weiss es nicht, egal, Hauptsache ich bin gut nach Sölden gekommen.

Hier im Zielbereich warten schon Markus und Werner, die 30min bzw 20min schneller waren als ich. Gratulation ! Kurz nach mir kommt Jens mit einer Super Zeit bei seinem ersten Ötzi ins Ziel. Auch Bernhard bleibt unter 9 Stunden. Super ! Beide hatten am Timmelsjoch schwer zu kämpfen. Im Ziel sagt ein jeder: Nie mehr !!!

Am Ende erreichen wir mit dem Radsport Team Gaimersheim ein sehr gutes Ergebnis (Pos = overall):

Pos Name time
131 Markus 8:03:33
171 Werner 8:11:36
291 Brunni 8:29:06
497 Jens 8:50:46
592 Bernhard 8:59:25
3533 Judith 12:31:57

3 – Details, Ergebnisse
http://www.oetztaler-radmarathon.com/de
http://services.datasport.com/2015/velo/oetztaler/

4 – Conclusion
Der Ötzi ist und bleibt für mich (und ich denke für viele andere) das Highlight unter den Granfondos / Radmarathons, dank hervorragender Organisation, sehr schwieriger Strecke und Top Stimmung !!!

5 – DANKE !
Möchte mich an dieser Stelle im Namen des Team recht herzlich bei Conny, Moni, Melanie und Boris für die hervorragende Verpflegung bedanken !

Möchte mich auch bei jenen Menschen herzlichst bedanken, die mir nach der krankheitsbedingten nicht optimalen Vorbereitung im Sommer 2015 Mut zugesprochen und geholfen haben den Ötzi erfolgreich zu fahren !!!

for RTG
Brunni
01 Sep 2015

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