Arlberggiro – So, 02.08.2015

RTG 2015: Arlberggiro, St. Anton am Arlberg, Österreich
Bericht von Jens & Markus

1 – Das Event
Der Arlberggiro mit Start in St. Anton führt die Teilnehmer über den Arlbergpass, durch Bludenz und Montafon, über die Silvretta Hochalpenstraße zur Bieler Höhe , weiter durch das Paznautal und zurück nach St. Anton am Arlberg. Dabei sind 148 km / 2400 Hm (siehe Höhenprofil in Galerie) zu bewältigen. Der Arlberggiro fand in diesem Jahr zum fünften Mal statt, rund 1300 Teilnehmer, darunter einige prominente Marathonspezialisten wie Andreas Traxl und Stefan Kirchmair nahmen teil. Und sogar Profis wie der Sieger der Österreich-Rundfahrt “Victor de la Parte” oder der IAM-Profi und TDF-Teilnehmer “Matthias Brändle” liesen sich dieses Event nicht entgehen. Schon am Samstagabend fand ein stark besetztes Kriterium in St. Anton statt das “Matthias Brändle” vor “Victor de la Parte” gewann.

2 – Unterkunft
Wir hatten kurzfristig beschlossen, nach St. Anton zu fahren, obwohl das Wetter für den Rennsonntag mögliche Regenschauer vorhersagte. “Wird schon nicht so schlimm werden” – sagten wir uns…
Die Unterkunft (Pension Elisabeth) lag sehr zentral , zum Start waren es nur zwei Minuten und dorthin ging´s sogar bergab. Die Vermieterin war sehr nett, es gab einen gut zugänglichen aber Code-gesicherten Abstellraum für die Räder, das Doppelzimmer war klein aber funktional top, das Frühstück ab 05:00 Uhr ohne Tadel. Der Start war schon um 06:00 Uhr – zum Glück waren wir beide im Frühschichtmodus von der vergangenen Arbeitswoche…

3.1 – Das Event aus Sicht von Markus
Wir standen beide im ersten Startblock. Eine Schwierigkeit am Giro ist der „Kaltstart“ gleich zu Beginn rauf zum Arlbergpass mit 500 Hm und den bin ich dann gleich mit Vollgas gefahren. Hauptsache das Frühstück blieb drin… Oben angekommen ging es durch teilweise starken Nebel & Regen in die fast 30km lange Abfahrt nach Bludenz.

Die Auffahrt zur Silvretta Hochalpenstraße zog sich anfangs mit mäßiger Steigung, erst in den letzten 13 km war´s eine „echte“ Passauffahrt. Auf der Bieler Höhe (2032m) angekommen musste ich meine Flaschen auffüllen, die Helfer an der Verpflegungsstelle machten mir wenig Mut, daß es endlich aufhört zu regnen. Aber mich kann ja seit der über fünf Stunden Regenfahrt beim Lienzer Supergiro eh nix mehr schocken.

Also eine über 40 km lange Fahrt abwärts durch das Paznautal , erst ca. 20 km vor St. Anton kam nichts mehr von oben. Ich konnte mich in einer Gruppe halten, die lange geschlossen zusammen blieb und erst zum Zielsprint hin auseinanderfiel.

Am Ende sprang der 52. Platz mit einem Rückstand von 27 Minuten zum Sieger Yannic Corinth heraus – hauptsache nix passiert bei dem Sauwetter. Nächstes Jahr gerne wieder – am Besten bei Sonnenschein dann.

3.2 – Das Event aus Sicht von Jens
Die Klamottenwahl fiel mir mit Blick hinaus in die feuchte Dunkelheit überhaupt nicht leicht. So stand ich eingehüllt in Regenjacke, Arm- und Beinlingen und Überschuhen schließlich vor der Tür – ein kurzes Einrollen – schei…, doch zu warm! Also Beinlinge noch schnell aus, 05:55 Uhr, schnell zum Start, wo ist mein verdammter Startblock?, endlich geschafft. 05:59 Uhr, Regenjacke aus, Gel rein, Startschuss! Trotz Startblock 1 leider mal wieder sehr viele Radler vor mir…

Die Sonnenbrille konnte ich erstmal nicht gebrauchen, noch zu dunkel. Überholen war erst außerhalb von St. Anton möglich. Mit Vollgas hinein in den Arlbergpass, fast an der Spitzengruppe dran, dann meldete sich das Frühstück im Bauch und zwang ein paar Gänge rauszunehmen. Starker Regen, Nebel, Sicht weit unter 100m. Wo ist die Passhöhe? Die ersten Gebäude tauchen aus der grauen Suppe… muss doch gleich geschafft sein? Trinkflaschenreicher an der Straßenseite, “eyy wie lange noch?”. “140 km!!!”… Schlagfertig!

Die Abfahrt rasend schnell, bis 90 km/h, Sicht bis zum Hinterrad des Vordermanns, leicht getrübt durch das Spritzwasser von allen Seiten, zum Glück wenig Kurven. Warum trete ich mich eigentlich verrückt mit meiner 50-11??? Das muss ich mal überdenken…

Im flachen schließe ich mit meiner Gruppe auf die große Gruppe von Markus auf. Gemeinsam bis zum Start der Bergwertung zur Bieler Höhe, dann starten einige durch (darunter Markus), andere fallen zurück. Ich komme gut zurecht, viele Serpentinen, der Regen ist fast schon egal. Auf den letzten 2 km etwas flacher, schneller, leider schleifft nun die Bremse am Hinterrad. Korrektur um Korrektur, irgendwann passt es wieder, ab in die Abfahrt, das erste mal mit Regenjacke auf den Schultern! Anfangs etwas technische Abfahrt, dann rasend schnell. Leider bin ich irgendwo im nirgendwo… Alleine für 10 km, dann vor mir einer. Ettliche Kilometer zu zweit. Nach vorne geht nix… Verdammt! Rausnehmen, von hinten kommen drei Fahrer, nun zu fünft. Vor der letzten Verpflegung (ca. 25km vorm Ziel) geht es nochmal kurz stärker bergauf. Der stärkste Fahrer fährt raus, ich springe dazu, kann sein Hinterrad über die Kuppe halten, schon wieder kein Stopp, schon wieder keine neue Trinkflasche. 25 km zu zweit gegen drei, wir wechseln uns gut ab, vor uns eine größere Gruppe, noch 5 km, da geht nix mehr. Meine Luft ist raus, die letzten 500 m nur noch ein Flimmerbild vor Augen, ich nehme raus, mein Mitstreiter hatte sowieso die größeren Reserven, genieße die Zieleinfahrt und am meisten die erste Verpflegung nach 150 km… Die Nussschnecken sind der Wahnsinn!!! Alle 8! 🙂

4 – Links
Ergebnisse http://www.pentek-timing.at/results/show_results.php?v=12623
Details http://www.arlberg-giro.com/index.php
Fotos https://www.flickr.com/photos/stantonamarlberg/sets/72157656687606925/

5 – Fazit
Der Kaltstart um 06:00 Uhr war extrem (der Sperrung des Arlbergtunnels geschuldet…), die Strecke sonst relativ leicht und gezeichnet durch zwei rasante Abfahrten. Die Gegend soll ja wunderschön sein – dieser Anblick blieb uns aufgrund des miesen Wetters leider verwehrt. Doch allein die Radsportstimmung und die tolle Organisation des Arlberggiros wollen wir bestimmt in den kommenden Jahren noch einmal erleben – dann bei Sonnenschein!

Servus
Markus & Jens

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