Dreiländergiro – So, 28.06.2015

RTG 2015: Dreiländergiro (3LG), Nauders, Österreich

1 – Das Event
Der Dreiländergiro in Nauders im Oberinntal / am Rechenpass bietet zwei wunderschöne Strecken, die beide über den einzigartigen Passo dello Stelvio (Stilfser Joch) führen, mit 2757m ü.NN. der höchste Gebirgspass in Italien und der zweithöchste asphaltierte Gebirgspass der Alpen. Die kürzere der beiden Strecken führt durch das Vinschgau zurück nach Nauders. Die lange Strecke nimmt noch den Ofenpass und Ova Spin mit, bevor es nach vielen Kilometern durch das Engadin über die Norbertshöhe zurück nach Nauders geht.

2 – Das Team
Wir waren mit folgenden Teammitgliedern in Nauders am Start:

  1. Peter S. (kurze Strecke)
  2. Philipp W. (kurze Strecke)
  3. Stefan H. (lange Strecke)
  4. Jens R. (lange Strecke)

Stephen W. musste leider recht kurzfristig verletzungsbedingt absagen. Er wollte die lange Strecke in Angriff nehmen. Sehr schade – gute Genesung an dieser Stelle.

3 – Die Strecken (siehe auch Profile in Galerie)
Strecke A: 168 km / 3400 Hm
Strecke B: 119 km / 2700 Hm

4 – Unterkunft und Vorbereitung
Erst relativ spät haben wir uns um eine Unterkunft in Nauders bemüht. Doch wir hatten großes Glück: Eine Ferienwohnung (fast) mitten in Nauders für mind. 4 Personen, wobei auf insgesamt 3 großen Couchs bis zu 7 Personen in der Fewo nächtigen könnten (www.nauders.com/apart-waldegger). Die Fewo war geräumig und großzügig eingerichtet und das alles zu relativ geringem Preis…

Nach der früheren Anreise am Samstag schwingen Peter, Stefan und ich uns nochmal auf´s Rennrad um die Beine etwas warm zu fahren. Wir entschieden uns für die Norbertshöhe und den Weg in die Schweiz. Leider war der Wettergott heute noch nicht so wohlgesonnen mit uns: Auf der Abfahrt nach Martina fielen die ersten Regentropfen. Zu allem Übel fuhr Stefan auch noch einen Plattfuß in Kehre 11 (und das bei bestem Straßenbelag). Nach dem Schlauchwechseltraining kehrten wir um und ließen uns nochmal richtig duschen und von leichtem Gewitter begleiten. Danach holten wir schnell die Startunlagen ab und freuten uns auf eine warme Dusche. Zeitungen für die Schuhe waren nun gold wert…

Mit Pasta-Gutscheinen im Gepäck ging es dann zunächst ins große Festzelt im Startbereich, wo wir den RATA-Finishern unseren Beifall spendeten. Anschließend ging es (fast schon aus Tradition?!) zum gemeinsamen Abendessen in den Gasthof zum goldenen Löwen. Nun waren auch Philipp W. und Begleitung angekommen und gemeinsam gab es ein leckeres Abendessen und nette Plaudereien.

Die Nacht war eher kurz: Aufstehen um 5.00 Uhr. Ein kleines Frühstück hatten wir uns selbst organisiert. Dann ging es gegen 6.00 Uhr in Richtung Startaufstellung für den Startschuss um 6.30 Uhr. Leider hatten wir uns etwas verpokert, denn der Start-Korridor war schon mit vielen Hundert Radsportverrückten gefüllt. Ein letzter Blick und ein paar Fotos – dann sollte jeder seines eigenen Glückes Schmied werden. Wir sehen uns wieder im Ziel…

5.1 – Das Event aus Sicht von Jens
Im letzten Jahr standen wir viel weiter vorne und die Zugmaschine Werner führte mich relativ schnell an die Spitze, wodurch es bis zum Fuße vom Stelvio (Prad) weitgehend erholsam war. Dieses Mal war es (leider) nicht ganz so gemütlich. Die mehreren hundert Radfahrer vor mir kamen nur langsam in Tritt und überquerten die Startlinie doch deutlich hinter der Spitze. In Gedanken an die kurze Aufholjagd des letzten Jahres versuchte ich mein Glück erneut, jedoch ohne Werner. Ich konnte von Gruppe zu Gruppe springen und machte Plätze um Plätze gut. Die Beine brannten jedoch von Beginn an, was sich auch deutlich an der Leistung zeigte: Vom Start weg in der ersten Stunde >300 Watt. Auch dem Glück geschuldet, dass ich nicht wie einige dutzend andere Fahrer an einem Kreisel in die falsche Richtung fuhr, konnte ich kurz nach Prad zur Spitze aufschließen. Nun kam aber der Stelvio!

Relativ schnell lockerte sich das große Feld und zog sich bis zur legendären Kurve Nr. 48 schon weit auseinander. Dank der Leistungssteuerung konnte ich schnell einen guten Rythmus finden und lange Zeit mit einem Spanier im BMW-Dress ein synchrones Tempo fahren. Jenseits der 2400m ü.NN. wurde die Luft aber richtig dünn für mich und ich konnte nur noch ca. 200 Watt treten. So musste ich einige starke Fahrer noch vor der Passhöhe ziehen lassen…

In der Abfahrt nach Santa Maria (übrigens durchgehend asphaltiert) war ich auf mich alleine gestellt. Da ich bergab nicht der schnellste und risikobereiteste Fahrer bin, konzentrierte ich mich lieber auf aufschließende Fahrer von hinten als auf einen Fluchtversuch nach vorne. Schließlich wusste ich mit dem bevorstehenden Ofenpass einen schwierigen Gegner. Diesmal hatte ich aber Glück: Janine und Michael Meyer (Köln, Team cycle-basar.de) waren vor mir, jedoch auch nicht ganz so stark in der Abfahrt vom Stelvio und in Santa Maria beim Klamottenwechsel (welch´ Luxus…) beim Teamwagen mit etwas Zeitverlust. Ich konnte aufschließen und hatte fortan beste Unterstützung. Hinauf zum Ofenpass, der mir eigentlich nicht so gut in Erinnerung war, konnte ich mich an den beiden festbeißen. Durchgehend 250-300 Watt und wir sammelten einige vorausgeeilte Fahrer wieder ein, unter anderem die bis dato führende Frau Nadja Prieling (die anscheinend kurz später wegen eines Defekts aufgeben musste). In bester Gesellschaft konnte ich nun in der Abfahrt und bis zum Gegenanstieg Ova Spin ein wenig regenerieren. Michael machte viel Tempoarbeit, sorgte aber im steileren Stück von Ova Spin dafür, dass die Gruppe für das Engadin zusammen bleiben konnte. Bei mir machten sich auf den letzten Metern hinauf nach Ova Spin leichte Krämpfe bemerkbar, daher hing ich mich auf dem Weg nach Zernez erstmal hinten rein.

Durch´s Engadin ging es bei Gegenwind doch sehr zügig (40-45 km/h). Die Gruppe hatte mittlerweile ca. 15 Fahrer, jedoch verteilte sich die Führungsarbeit weitgehend auf ca. 5 Fahrer (75%) und Michael (25%). Ich konnte immer wieder meinen Teil zur Führungsarbeit beitragen, war aber nicht übermütig und stets besorgt um die ersten Krampfsignale zuvor. In den leichten Wellen motivierte mich aber zunehmend, dass der Großteil der Gruppe anscheinend geringere Kraftreserven hatte. Oder war das schon jetzt das Pokerspiel um die Norbertshöhe…?

In Martina am Fuße der Norbertshöhe war die letzte Verpflegungsstelle. Für mich sollte es die erste nach ca. 160km sein, daher wollte ich auch unbedingt auftanken. Vielleicht ein Fehler, vielleicht auch genau richtig… Der Großteil der Gruppe verzichtete jedoch und ging mit großem Vorsprung in den Anstieg. Zuvor hatte Michael noch lange ein sehr hohes Tempo gemacht, nun ließ er die Beine etwas hängen und seine Frau Janine zum Sieg fahren (er hatte seine Arbeit gemacht…). Nach zwei Bechern Cola und Wasser in der Trinkflasche fuhr ich in den Anstieg. Die Beine waren wieder besser und ich konnte mit dem Ziel vor Augen durchgehend 280-320 Watt treten. Gemeinsam mit Peter Mertens vom Kirchmair Cycling Team konnten wir noch einige Fahrer einfangen und sprinteten sogar noch über die Norbertshöhe. Nach 05:48:27 überquerte ich 11min schneller als im Vorjahr auf P30 Gesamt / P14 Klasse überglücklich die Ziellinie.

5.2 – Das Event aus Sicht von Stefan
Zweites Jahr Rennrad, erstes Jahr Rennteam. Alles neu, alles aufregend. Welche Überraschungen wird wohl der Dreiländergiro für mich bereithalten?
Mit den Gedanken schlaf ich am Samstag ein. Aufstehen in aller Herrgottsfrüh. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen. Eine halbe Stunde vor Start da und trotzdem unendlich viele Fahrer vor einem. Nach dem Start versuche ich wie Jens nach vorne zu kommen um für den flachen Abschnitt einen schnelle Gruppe zu erwischen. Leider werde ich irgendwann eingekeilt und Jens ist weg. Die schnelle Gruppe auch.

In Prad angekommen beginnt der Anstieg zum Stilfser Joch. Genauso hoch wie beim Glockner, aber doch so verschieden. Der Glockner hat mich richtig gequält und dafür gesorgt, dass ich dem Leiden ein schnelles Ende bereite. Das Stilfser Joch ist gemütlich zu fahren und genau das mach ich dann leider auch. Irgendwie fehlte mir an dem Tag der Biss.
Auf einmal klopft mir jemand auf die Schulter. “He Gaimersheim! Euch kenn ich doch von Kelheim. Fahrt ihr heuer wieder?” Ich sag ihm, dass heuer nicht gefahren, sondern gewonnen wird! Schon verrückt, das gleiche ist mir bei Amade und Glockner auch passiert. Das Gaimersheimer Trikot kennt wohl mittlerweile jeder…

Die Abfahrt nach Santa Maria ist ein Traum. Nach dem Ofenpass komm ich langsam auf Touren und finde eine schnelle Gruppe für den Rückweg von Zernez nach Nauders. Ein Blick auf den Tacho zeigt, dass mein Ziel mit 06h15m zu finishen auf einmal gar nicht mehr so unerreichbar scheint. Also Vollgas, alles was die Beine hergeben. Leider machen nicht alle in der Gruppe mit. Am letzten Anstieg zur Norbertshöhe bin ich platt und muss die Arbeitsverweigerer ziehen lassen.

Das hat mich mehr geärgert als die 06h20m die am Ende in der Ergebnisliste stehen. Wobei Ärger natürlich das falsche Wort ist. Strecke, Wetter und das Drumherum waren einfach traumhaft. Mit schweren Beinen und der Vorfreude auf den Maratona reisen wir aus Nauders ab.

6 – Links
Ergebnisse http://www.dreilaendergiro.at/de/ergebnisse-dreilaendergiro.html
Details http://www.dreilaendergiro.at/de/home.html
Fotos http://www.sportograf.com/de/shop/event/2817-3-Laender-Giro-Nauders-2015

7 – Fazit
Wie immer das Wichtigste: Alle RTG-Fahrer kamen sturz- und defektfrei druch den Dreiländergiro. Wie auch im letzten Jahr hatten wir beste Wetterbedingungen und erneut eine tadellose Organisation. Das Event ist super – vielleicht sind aber noch ein paar Streckenposten an den Kreisverkehren notwendig…
Gratulation allen RTG-Startern zu den guten Ergebnissen. Wir werden wohl auch in 2016 wieder am Start stehen.

Servus
Stefan & Jens

[Best_Wordpress_Gallery id=”5″ gal_title=”Dreiländergiro 2015″]