Ötztaler 2014

Ötztaler Radmarathon, SO – 31 Aug 2014
Sölden, Österreich


1 – Die Fakten
* 238km
* 5500HM
* 4000 Starter
* 20.000 Anmeldungen für die Verlosung

Die Strecke
Start: Sölden, Ötztal, Tirol, Österreich – Ötz – Innsbruck – Sterzing, Südtirol – Sankt Leonhard, Südtirol – Ziel: Sölden

Die Berge
• Kühtai
• Brenner
• Jaufenpass
• Timmelsjoch

Die Starter
* Werner
* Brunni
* Rainer

2 – Die Vorbereitungen
Samstag – 30 AUG

Nach dem Abholen des sehr umfangreichen Startpakets mit der heiss begehrten Start Nr. geht’s mit Werner, Moni und meinem Arbeitskollegen Rainer zum gemeinsamen Abendessen. Die Stimmung ist sehr gut, alle sind voll motiviert, trotz der nicht so guten Wettervorhersage. Auf alle Fälle hoffen wir, dass es nicht so nass wird wie vor einem Jahr. Wir wollen dieses Jahr unsere Vorjahreszeiten unterbieten. Klare Ziele werden aber nicht ausgesprochen, keiner will sich festlegen. Das wichtigste vorab: Melanie und Moni werden uns oben am Brenner verpflegen.

3 – Das Rennen
Sonntag –31 AUG

Start: Sölden – 1377m
Werner und ich nehmen aufgrund unserer bisherigen Ergebnisse in Startblock 1 Aufstellung, Rainer startet im Block 2 ganz vorne. Zum Glück ist es bei zweistelligen Temperaturen trocken. Der Tag fängt gut an
Am Start ist praktisch die komplette Radmarathon Elite: die Italiener Roberto Cunico (Vorjahressieger), Enrico Zen und Stefano Cecchini (2014 Maratona Dolomiti Sieger), die Tiroler Nösig, Kirchmair (2x Ötzi Sieger) und Traxl, sowie die Deutschen Hornetz und ex-Profi Ludewig. Es sollte auf alle Fälle ein spannendes Rennen werden. Natürlich auch wieder am Start Jan Ullrich, sowie der österreichische ex Gerolsteiner Profi Paco Wrolich (Sieger Rund um Köln). Auch bei den Damen ist ein hochkarätiges Feld am Start: die Südtirolerin Marina Illmer, die bayrische Titelverteidigerin Monika Dietl, Daniela Pintarelli (Transalp Siegerin 2013) und Glocknerkönigin Nadja Prieling.
Der Startschuss erfolgt pünktlich um 06:45h. In hohem Tempo geht’s von Sölden ins Ötztal bergab Richtung Ötz.

Berg 1: Kühtai – 2020m
Nach gut 30km haben wir Ötz erreicht, wo der erste Berg des Tages, das Kühtai beginnt: 18km lang, gut 1300HM sind zu überwinden und es hat ein Steilstück mit 18% Steigung. Viele sind wohl froh, dass wir auf der Original Strecke auf das Kühtai fahren. Nach einem Felsrutsch und verschütteter Strasse wurde im Vorfeld über eine Streckenänderung nachgedacht: über den steilen Haiminger Berg (bzw. Silzer Sattel) aus dem Inntal nach Ochsengarten und dann weiter zum Kühtai. Die Strecke wäre damit um gut 10km länger und um 200HM bereichert worden.
Ich fahre am Kühtai mein eigenes Tempo, lasse mit Absicht viele Mitstreiter ziehen mit der Erwartung die im späteren Verlauf des Rennens wieder einzuholen. Nach 1h08min bin ich zeitgleich mit Werner oben. Das ist wohl keine Bestzeit, aber dass passt schon. Das Rennen ist noch lang…
In der Abfahrt formiert sich eine kleine Gruppe mit Werner, Markus aus Hepberg und mir. Die Abfahrt macht dieses Jahr im Trockenen richtig Spass und so kann ich einen neuen persönlichen Speed Record aufstellen (dreistellig….).

Berg 2: Brenner (Brennero) – 1377m
Unsere Gruppe wird im grösser und so geht’s dann auf den einzigen flachen km in die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck. Werner und Markus machen Tempo und so können wir zur grossen Gruppe 2 aufschliessen, in der viele gute Fahrer sind. Die Spitzengruppe hat zudem Zeitpunkt gut 10min Vorsprung.
In Innsbruck nun der Beginn des zweiten Berges: dem Brenner. Kein echter Berg, aber es geht auf der Brenner Bundestrasse mehr als 35km immer bergan. Werner, Markus und ich sind meist ganz vorn in der Gruppe und muessen so natürlich auch Führungsarbeit leisten. Nach 1Std 10min erreichen wir die Passhöhe, Paco Wrolich hinter mir. Am Grenzübertritt Österreich / Südtirol haben wir praktisch Halbzeit des Rennens: 120km sind gefahren, aber das schwerste kommt noch…
Am grossen Parkplatz warten Melanie und Moni wie geplant mit der Verpflegung auf uns. Nach einem Stop geht’s mit vollen Flaschen und Taschen in die Abfahrt nach Sterzing.
Vielen Dank für die Verpflegung !
Leider haben wir so unsere grosse und gute Gruppe verloren, aber das macht nix, bis Sterzing ist es ja nicht so weit.

Berg 3: Jaufenpass (Passo di Giovo) – 2090m
Über Gossensass und Sterzing erreichen wir Gasteig, wo der dritte Berg des Tages, der Jaufenpass startet: der ist 15km lang und mit ca. 6% gleichmässig steil und schön zu fahren, „pedalibile“ wie die Italiener sagen. Ich fühle mich gut, finde bald einen guten Rhythmus und kann einige Mitstreiter überholen. Leider hat Werner Probleme mit seiner Schaltung und verliert so den Anschluss. Ich fahre wie am Kühtai auch hier mein Tempo und hab bald den Waldrand erreicht, von wo man die Passhoehe bereits sehen kann.
Der unvergessene Italiener Marco Pantani hatte 1994 im Carrera Trikot an dieser Stelle bei der Giro d‘ Italia Etappe Lienz – Meran attackiert um dann in Meran seinen ersten Profi Sieg zu feiern. (Am Tag danach gewann er nach Stilfser Joch und passo Mortirolo auch in Aprica.)
Nach 1Std 7min hab ich die Passhöhe erreicht. Die Zeit ist brauchbar und gar nicht viel langsamer als wie im Training. In der sehr kurvenreichen und langen (20km) Abfahrt nach St. Leonhard ist höchste Vorsicht geboten, denn es gibt immer wieder mal nasse Stellen. Ich riskiere nix und bereite mich bereits mental auf den Timmel vor.

Berg 4: Timmelsjoch (passo del Rombo) – 2509m
Nach 180km geht das Rennen in die entscheidende Phase: in St. Leonhard im Passeiertal, dem Geburtsort des berühmten Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer startet das von alle Ötzi Startern gefürchtete Timmelsjoch: 29km lang mit 1800HM. Hier nochmal ein Stop zum Pinkeln und umziehen. Meine Zwischenzeit ist sehr gut: 5Std 37min ! Viel schneller als wie 2013. Das könnt heute noch was werden, wenn da nicht das Timmelsjoch wäre. Aber egal, schaun mehr mal, oder besser fahrn wir mal….Es lauft überraschend gut, und so hab ich bald Moos erreicht. Hier folgen nun die steilsten Rampen des Timmels. Nachdem ich auch die geschafft hab, kann ich mich im mehr oder wenigen flachen Teil ein wenig erholen um in Schönau bei der letzten Verpflegung meine Flaschen für die finalen km nochmals zu füllen. Die letzten km des Timmels sind auch heute wie immer die schwersten, ich brauche mein 28er. Gut, dass ich es montiert hab. Aber mit jedem Tritt komme ich der Passhöhe langsam aber sicher näher. Der Tunnel 1km vor dem Berg erscheint mir diesmal viel dunkler als in den vergangenen Jahren. Oder bin nur ich so kaputt ? Erleichtert überfahre ich die Passhöhe auf 2509m die Grenze nach Österreich. Ich schaffe es am SRM den Set Knopf zu drucken und glaube meinen Augen nicht, als ich 1Std 59min für das Timmel sehe. Unglaublich ! So schnell war ich im Rennen noch nie. Durchgangszeit 7:37h. Kann aber nicht ausrechnen, welche Endzeit das ergeben könnte. Dazu reicht wohl der Sauerstoff nicht mehr.
So geht’s in die finale Abfahrt Richtung Sölden. Auf den 2km zur Mautstelle, dem letzten Anstieg kommt was kommen musste: Kraempfe. Einmal links, einmal rechts. Zum Glück alternierend. Mein Trost: Mitstreiter vor mir fahren in Schlangenlinien, dh denen geht’s wohl nicht besser. Nach der Mautstelle versuche ich dann die Regenjacke anziehen. Aber es geht nicht, bin nur mit einem Armin der Jacke, weil jetzt meine Beine komplett versagen und ich fast stürze. Aber irgendwie schaffe ich es die Jacke wieder auszuziehen. Zum Glück kann ich so zu einer 4er Gruppe mit Nadja, 2 Italienern und einem Österreicher aufschliessen. Ich will jetzt einfach nur ohne Absteigen ins Ziel kommen.
Die letzten 2km in Sölden sind grossartig, auch wenn es hier leicht zum Regnen beginnt. Egal. Wir werden von vielen Zuschauern frenetisch angefeuert. Nur jetzt kein Sturz in der letzten Rechtskurve !

Ziel: Sölden – 1377m

Nach 8Std 12min (8Std 07min SRM) erreiche ich schlussendlich überglücklich und müde das Ziel in Sölden an der Freizeit Arena. Am Ende kann ich Platz 175 (Platz 79 in der Klasse) belegen. Super ! Damit bin ich um 10min schneller als wie 2009. Wahnsinn.
Werner kann am Timmelsjoch nicht seine normale Leistung abrufen und erreicht nach 8Std 47 min das Ziel ! Rainer unterbietet bei seinem zweiten Ötzi die magische 10Std Marke deutlich: 9Std 19min.
Markus aus Hepberg, für das Radsport Team Heller am Start durchbricht die 8Std Schalmauer mit 7Std 56min !
Herzliche Gratulation an alle für diese Top Leistungen !

Es gewinnt der ital. Vorjahressieger Roberto Cunico solo in 7Std 5min vor dem Ötztaler Emanuel Nösig und dem Tiroler Stefan Kirchmair. Cunicos Attacke am Jaufen konnte keiner folgen. Nösig konnte sich mit einer Rekordfahrt vom Timmel vom vierten Platz noch auf den zweiten Platz nach vorne kämpfen.
Bei den Damen gewinnt überraschend die Schweizerin Orenos Laila vor Daniela Pintarelli, Team Mooserwirt. Leider erleidet Marina am Timmelsjoch einen Einbruch, nachdem sie nicht gesund an den Start gegangen war.
Bravo !

4 – Die Conclusion
Vielen, vielen Dank an Melanie und Moni für die Verpflegung am Brenner !
Vielen Dank an Tom und Herbert für die schnellen Airstreeems mit den neuen Ultremos !!!
Die besten Genesungswünsche an Jürgen (er war am Brenner mit starken Magenkraempfen ausgestiegen) !!!

2015 haben wir dann hoffentlich für das Radsport Team Gaimersheim mehr Startplätze !

Details + Ergebnisse
http://www.oetztaler-radmarathon.com/
http://services.datasport.com/2014/velo/oetztaler/

Servus
Brunni