Maratona dles Dolomites 2014

Maratona dles Dolomites
SO-06 Jul 2014
Corvara, Südtirol
138km / 4190HM

Ein Highlight für alle Marathonis ist der „Maratona dles Dolomites“ (Dolomiten Marathon, Maratona Dolomiti) in Südtirol bzw. Italien, der alljährlich am ersten Juli Sonntag stattfindet. 2014 stand die 28te Auflage dieses Klassikers mit 9500 Startern auf dem Programm. Bei der ersten Auflage im Jahre 1987 waren es 178. Start ist in La Villa / Stern im Gader Tal / Val Badia, Ziel ist in Corvara. In dem Tal wird wie auch im Grödner + Fassa Tal ladinisch, deutsch und italienisch gesprochen. In Alta Badia wird auch alljährlich im Dezember der superschwere Herren RTL im Schi Weltcup ausgetragen. Von der Startlinie des Marathons hat man direkt einen Blick auf den steilen Zielhang.

Wir vom Radsport Team Gaimersheim waren bei diesem Rennen für unseren Freund Hubert Stöffel mit dem Radteam Aichach 2000 in folgender Besetzung am Start:
Alex
Bernhard
Jürgen
Jens
Mathias
Werner
Hans
Leo
Thomas
Brunni

Arthur musste leider kurzfristig krankheitsbedingt absagen. Wir durften schon unsere schönen orangen Trikots und die neuen schwarz/grünen Helme tragen.

Sonntag – 06 Juli

Für Sonntag ist alles klar, die Wettervorhersage ist super: Sonnenschein und Regen möglicherweise
erst am Nachmittag. Um 04:30h klingelt der Wecker. Sch…nicht schon wieder so früh. Aber so langsam werde ich zum Frühaufsteher.

Mit vielen, vielen Radfahrern geht’s von unserem Hotel in Colfosco in die Startaufstellung nach La Villa. Die Temperatur ist im zweitstelligen Bereich und damit deutlich höher als wie noch vor Jahresfrist.

Es stehen folgende 3 Strecken auf dem Programm des Maratona dles Dolomites:
Percorso / Strecke Lunghezza / Länge – km Dislivello / Höhenunterschied – m
Corto / kurz 55km 1780m
Medio / mittel 106km 3090m
Lungo / lang 138km 4190m

Der Marschplan ist klar: Wir fahren die lange. Zunächst geht es für alle auf die Sella Runde mit Campolongo, Pordoi, Sella und Grödner Joch. In Corvara kann auf der kurzen Runde schon ins Ziel fahren. Danach geht es ein zweites mal auf den Campolongo. In Cernadoi muss man sich dann für medio oder lungo entscheiden. Auf der Medio geht’s über Falzarego / Valporola ins Ziel. Auf unserer langen ist zunächst der „Hügel“ Colle Santa Lucia zu überwinden, bevor der Höhepunkt und gleichzeitig der Scharfrichter des Marataona wartet. Der GIAU ! Dann geht’s bergab Richtung Cortina, wo dann der achte und letzte Berg des Tages wartet: der Falzarego / Valparola. Am Schluss ist dann noch das ansteigende Tal von La Villa nach Corvara zu überwinden, diesmal aber mit einer kurzen aber giftigen Steigung in LaVilla leicht modifiziert.

Start / Partenza – La Villa / Stern – 1436m
Viele Prominente sind auch im Starterfeld des Maratona: die Südtiroler Schifahrer Manfred Moelgg, BMW Werksfahrer und Paralympics Sieger Alex Zanardi im Handbike. und der er ital. ex-Profi Davide Cassani (RAI Komentator und neuer Coach der ital. Profi Nationalmannschaft) und auch ex-Juve Profi Fabrizio Ravanelli (die weisse Feder).
Bernhard , Hans, Thomas und ich starten aus Block 2 (grün). Unsere Team Kollegen muessen leider in Block 3 (rot) bzw im Block 4 (gelb, Warsteiner) starten, da sie bisher keine Zeit unter 6Std vorweisen können.

Berg 1 – passo Campolongo – 1875m
Der erste Berg des Tages ist flach und mit 6km kurz, aber ich hab wie erwartet sehr, sehr viel Verkehr. Mühevoll kämpfe ich mich nach vorne.
Um die Schönheit der Landschaft und das unbeschreibliche Spektakel inszeniert von 9500 Radfahrern auf der Bergstrasse zu genießen haben wir keine Zeit. Auch in der ersten Abfahrt Richtung Arabba gilt es höllisch aufzupassen, denn es ist richtig viel los.

Berg 2 – passo Pordoi – 2239m
Der Pordoi, der am öftesten befahrene Dolomiten Pass des Giro d’ Italia mit dem Fausto Coppi Denkmal auf der Passhöhe ist der zweite Berg des Tages, 9.2km lang mit unzähligen Kehren.
Nach etwa 36min bin ich auf der Passhöhe und steck mir den ersten Riegel in den Mund. In der kurzen Abfahrt ist jetzt noch recht kühl, ist ja klar, ist auch erst 08:15h !!!

Berg 3 – passo Sella – 2244m
Auf halber Länge des Pordoi, dann die Kreuzung zum Sella Joch, also scharf rechts ! Links geht’s weiter runter nach Canazei. Am Sella, dem steilsten Anstieg der Sella Runde lockert sich das Feld ein wenig auf und ich kann mein Tempo fahren. In den letzten Kehren kommt mir Bernhard immer näher. Nach 5.5km überquere ich die Passhöhe und es geht in die gefährliche Abfahrt. Zum Glück teilweise mit neuer Asphalt Decke.

Berg 4 – Grödner Joch (passo Gardena) – 2121m
Wieder geht’s scharf rechts, bitte nicht nach links, denn da kommt man ins Grödner Tal. Teilweise fahre ich gemeinsam mit Bernhard, kurz vor der Passhöhe verliere ich den Anschluss.
Nach 17min ist auch dieser Pass geschafft und es geht in die wunderschöne und kurvenreiche Abfahrt nach Corvara. Hier ist nun die Sella Runde, d. h. Teil 1 des Marathons beendet. Sehr wichtig ist es hier nun die richtige Gasse zum Passo Campolongo zu finden, denn ansonst ist man schon im Ziel des percorso corto. Aber 55km sind mir für ein Rennen einfach ein bisschen zu wenig.

Berg 5 – passo Campolongo 2 – 1875m
Viele, viele begeisterte Zuschauer säumen nun die Strassen bei der zweiten Ortsdurchfahrt von Corvara, sowie in den Kehren der Steigung. Die Strasse ist nun endlich frei und jeder kann sein eigenes Tempo fahren. Auch die Abfahrt nach Arabba macht jetzt mehr Spaß. Von hier gibt es praktisch das einzige Flachstück dieses Rennens. Es geht Tal auswärts nach Andracz. Hier muss man sich nun entweder für percorso medio, also Links ab Richtung Falzarego oder für perscorso lungo, also rechts ab entscheiden.

Berg 6 – Colle Santa Lucia – 1484m
Der sechste Berg des Tages ist im Vergleich zu den anderen wohl nur ein Hügel, obwohl 2.5km bergauf zuhause im Altmühltal schon als Berg eingestuft werden. Die Beine sind noch frisch und ich fühle mich sehr gut und so kann ich mal den Ausblick auf die mächtige Monte Civetta und die Marmolada, die Königin der Dolomiten genießen. Ich denk nur: Zum Glück muss ich heute nicht den nahe gelegenen Passo Fedaia fahren…In der Abfahrt gilt sich nun für den nächsten Berg vorzubereiten. Noch mal essen und trinken. Die Temperaturen sind inzwischen deutlich gestiegen.

Berg 7 – passo Giau – 2236m
Der gefürchtete Giau, Schauplatz vieler Schlachten beim Giro ist der entscheidende Berg des Tages: 10km mit praktisch 10% Steigung im Schnitt. Leider sind meine Beine nicht so gut wie erwünscht, ich kämpfe aber ich verliere Bernhard bald aus den Augen. Nach etwa 3km überhole ich Nadjia, die Glocknerkönigin 2014, sie war aus der Startgruppe 1 gestartet. Ich kann meine gewünschte Watt Leistung nicht treten und so bin ich deutlich langsamer als wie letztes Jahr.
Auf der Passhöhe ist dann Zeit für einen kurzen Tankstopp, denn beide Flaschen sind leer. In der technisch anspruchsvollen Abfahrt riskiere ich nix.
Mitte dieser Woche war hier Boris bei der Transalp bergauf unterwegs, bei schlechtem Wetter.

Berg 8 – passo Falzarego- 2117m / Valparola – 2200m
In Pocol geht’s links ab in den letzten Berg des Tages, den „flachen“ Falzarego. Aber der Berg ist nicht so flach wie er am Papier ausschaut, jedenfalls kann ich nicht so schnell fahren wie ich will. Irgendwie folgen die Beine nicht dem Steuergerät. Aber auch diese 10km Aufstieg sind bald geschafft. Oben auf der Falzarego Passhöhe kreuzen sich dann wieder lange und mittlere Strecke und es geht zur letzten Bergwertung des Tages: dem Passo Valporola ! Hier heißt es kurz vor dem Passchild nochmals lächeln für die Fotografen, bevor es in die finale und superschnelle Abfahrt ins Gadertal geht.

Ziel / Arrivo – Corvara (Kurfar) – 1520m
Die Abfahrt vom Valparola ist die schnellste des Tages, ich hab deutlich mehr als 80 auf der Uhr und kann nochmals Kräfte sammeln für das Finale.
In LaVilla steht dieses Jahr erstmals ein letztes Hindernis auf dem Streckenplan: „Die Katermauer“: nur 400m lang, aber 13% steil. Nicht lang, aber nach 132km ist schon ein Ding. Direkt am Beginn dieser Steigung holt mich Hans ein, der so wie ich über stark nachlassende Kräfte klagt. Angefeuert von vielen Zuschauern schaffen wir auch den Berg. Gemeinsam fahren Hans und ich Richtung Ziel. Nach der der Flamme Rouge geht’s direkt reine nach Corvara. Hier ist die Strasse links und rechts gesäumt mit Sponsor Plakaten, ich wähne mich bei einem Profi Rennen. Der Maratona ist auf alle Fälle der beste Granfondo, denn ich kenne. Nach 5Std41min, medio 24.1km/h (SRM 5Std39min), überqueren wir erschöpft, aber glücklich die Ziellinie.

Für alle Finisher gibt es im Ziel eine Medaille, eine Kappe und eine Windweste ! Mit Gutscheinen gibt es im Überfluss zu essen und zu trinken. Bei dem heutigen cal Verbrauch ist dann auch nötig.

Am Ende erreichen praktisch alle erfolgreich vom Radsport Team Gaimersheim das Ziel: Werner ist unser Schnellster (5h30min, P88 Ges) vor Jürgen (5h33min), Bernhard (5h33min) , Hans (5h40min) und Brunni (5h41min). Da ist P160 Gesamt, P33 in der Klasse, bin damit 5min langsamer als wie 2013, gut die letzte Mauer gab es da noch nicht….

In der Team Wertung „Trofeo SELLE ITALIA a squadre“ belegen wir mit Radteam Aichach 2000 den zweiten Platz (19313km von 150 Athleten)

Gratulation unserem ganzen Team zu den grossartigen Leistungen und vielen Dank an Hubert Stöffel für die Organisation ! Gute Besserung an Arthur !

Herzliche Gratulation an Boris zu seiner herausragenden Leistung bei der Translp, wo er mit Christian für das Team Merkur Platz 10 Gesamt nach 5 Top 10 Etappen Plazierungen belegt hat !!! Deswegen beim Maratona nicht am Start.

Conclusion
Am Ende eine superschöne und großartige Veranstaltung. Grosses Kompliment an die Organisatoren ! Prädikat: Sehr empfehlenswert, egal wie schnell man fährt, Radfahren in den Dolomiten ist einfach super. Hierher komme ich auf alle Fälle wieder, egal ob zum Rennen oder zum Trainieren, denn diese Reise über den Brenner zahlt sich immer aus.

Links
www.maratona.it

Ergebnisse
http://services.datasport.com/2014/velo/maradolo/

Fotos
http://www.sportograf.com/de/shop/event/2332?class=event-image#event

Servus
Brunni for RTG